Test: Battlefield Vietnam - Multiplayer-Gefecht im Dschungel
Schlachten vor neuer Kulisse. In Battlefield Vietnam verschlägt es den Spieler namensgerecht in die Zeit der amerikanischen Beteiligung am Vietnamkrieg, wo man sich auf Seiten des Vietcong, der nordvietnamesischen Armee oder der USA in die Schlacht stürzen kann. Das Spiel setzt auf Battlefield 1942 auf und bietet zahlreiche optische und akustische Verbesserungen.
Schon beim Start des Spiels merkt man, wie detailverliebt die Entwickler sind – es ertönen die typischen Protestlieder der 60er- und 70er-Jahre von CCR, Jefferson Airplane, Canned Heat, Edwin Starr und vielen weiteren zur Einstimmung in das Thema. Neben einigen Singleplayer-Missionen, die als Gegner und Verbündete jeweils zahllose Bots zur Verfügung stellt, ist bei Battlefield Vietnam der Multiplayermodus das herausragendste Feature des Spiels. Der Einzelspieler-Bereich krankt wie eh und je durch die relativ stumpfe KI der Figuren, die es zum Beispiel nicht einmal schaffen, ihre eigenen Helicopter unbeschadet in die Luft zu bekommen, geschweige denn dort zu halten.
Das Spielprinzip hat sich nicht verändert – es ist immer noch notwendig, die Kontrollpunkte des Gegners zu überrennen, um so die Herrschaft auf der Karte zu erlangen, zu verteidigen und das Spiel zu gewinnen. Der neue Modus "Evolution" verbindet mehrere Multiplayer-Karten in der historischen Reihenfolge miteinander, wobei man die Team-Tickets beim Kartenwechsel behält, um so etwas wie eine Kampagne zu simulieren.
Zu Beginn kann man sich für eine von vier Soldatenklassen entscheiden: Für den gewöhnlichen Infanteristen, den Pionier, einen MG-Schützen oder für einen Scharfschützen. Passend zur Rolle kann man sich mehrere Waffen aussuchen, mit denen man ins Feld ziehen möchte. Besonders hervorhebenswert ist neben diversen Schusswaffen die Möglichkeit, mit der SA-7 eine auf der Schulter abfeuerbare russische Flakrakete auf nordvietnamesischer Seite benutzen zu können, um sich den Jets und Helikoptern der Gegenseite erwehren zu können.
Auch einige Panzerabwehrwaffen sind auf beiden Seiten auswählbar. Die Waffenbalance ist wie in der Realität nicht ausgewogen – während die USA haufenweise Hubschrauber, schwere Maschinengewehre und Panzer in ihrem Arsenal haben, sind bei ihren Gegnern eher Waffen zu finden, die zwar großen Schaden anrichten können, jedoch wendig und mobil sind. Dennoch gibt es auch bei der NVA und dem Vietcong Panzer, Jets, einen Hubschrauber sowie MGs.
Wer auf Seiten der Amerikaner spielt, darf sich über viele interessante Vehikel freuen, die allesamt fahr- oder fliegbar sind und teils auch Platz für mehrere Spieler bieten. Dazu gehört das Tango ATC, eine Art schwimmender Hubschrauberlandeplatz und Truppentransporter, ein Schnellboot, der zweirotorige Transporthubschrauber Chinook ACH-47, der Bomber A7 Corsair, zwei Angriffs- und Transporthubschrauber, eine selbstfahrende M110 Howitzer, der M113-Truppentransporter, ein Jeep mit Raketenwerfer, der M4A83-Patton-Panzer, die F4 Phantom, der Sheridan-Panzer und bei den Infanteriewaffen noch hervorhebenswert ein 81-mm-Granatwerfer.
Auf Seiten der NVA bzw. des Vietcong kann man den auf einem Laster montierten BM21-Raketenwerfer bedienen, den amphibischen Truppentransporter BTR 60 durch die Flüsse und Moraste steuern und mit dem Mi-8-Mehrzweck-Hubschrauber Truppentransporte durchführen oder feindliche Stellungen angreifen. Darüber hinaus kann man sich in die MiG-17 oder MiG-21 schwingen, um aus der Luft den Feinden Paroli zu bieten. Für diejenigen, die lieber auf dem Boden bleiben, stehen der PT-76 und der T-54 Panzer zur Verfügung.
Darüber hinaus gibt es mit dem UAZ 469 den russischen "Jeep" und noch eine Vespa, mit der man eher Attentäter als Soldat spielen kann. Wer dem Gegner in der Luft zu Leibe rücken will, ist aber mit dem ZSU 57 2 Flakpanzer auch gut bedient. Die Waffen sind nicht immer, sondern je nach Karte verfügbar.
Die Landschaften sind so differenziert wie es dem historischen Hintegrund entspricht: Nicht nur undurchdringlicher Dschungel, sondern auch Ruinen, Städte und Flusslandschaften prägen die Schauplätze. Im Gegensatz zu Battlefield 1942 sind nun wesentlich mehr Möglichkeiten vorhanden, sich zu verstecken und aus dem Hinterhalt anzugreifen.
Besonders die dichte Vegetation, die mit einem Update der Grafik-Engine möglich wurde, trägt wesentlich zu Spielspaß und Atmosphäre bei. Auch die Vehikel sind nun wesentlich detaillierter dargestellt als im Vorgängerspiel und die Möglichkeit, mit Hubschraubern anzugreifen, Truppen abzusetzen und mit einigen sogar Fahrzeuge zu transportieren bietet zahllose neue Taktiken an, mit denen man den Feind überrumpeln kann.
Bei einigen Karten sind ganze Inselketten vorhanden, die ganze Invasionstruppen notwendig machen. Dies ist im Spiel mit bis zu 64 Teilnehmern auch problemlos möglich, wenn denn gute Verbindungen und schnelle Hardware zur Verfügung stehen.
Der Sound des Spiels wurde gänzlich renoviert – nun ist bis zu achtkanaliger Raumklang möglich – die entsprechende Soundkarte und Lautsprecherlandschaft einmal vorausgesetzt. Aber selbst im Stereobetrieb ist der Schlachtenlärm grandios und sorgt für manche Schrecksekunde, wenn beispielsweise das MG-Feuer durchs Gras pfeift, die Helikopter sich nähern oder die Einschläge der Artillerie langsam näher kommen.
Battlefield Vietnam hat eine USK-16-Einstufung und kostet zwischen 40,- und 50,- Euro. Die Hardware-Anforderungen sind recht hoch – mit einem PC über zwei GHz und einer zeitgemäßen Grafikkarte und 512 MByte Hauptspeicher sollte man, wenn man nicht die allerhöchsten Grafikeinstellungen wählt, allerdings auskommen.
Fazit: Battlefield Vietnam ist ein würdiger Nachfolger des 1942-Vorgängers und sorgt für langanhaltenden Spielspaß. Die überarbeitete Grafik, der hervorragende Sound und der neue Mehrspielermodus sowie das umfangreiche und spannende Fahrzeuge- und Waffenarsenal begeistern.
Der Singleplayer-Bereich ist allenfalls zum Üben interessant oder wenn die Internetverbindung mal nicht steht, ansonsten ist auch Battlefield Vietnam eigentlich ein reines Multiplayer-Spiel. Da auch hier Kartengeneratoren und Mod-Möglichkeiten vorhanden sind, dürften auch bald Erweiterungen wie Pilze aus dem Boden schießen.