Großrazzia gegen Film- und Spiele-Raubkopierer erfolgreich
Mehr als zweijährige private Ermittlungen der GVU erbrachten detaillierte Erkenntnisse und Beweismittel, so der Verband. Durch Strafantragstellung der GVU und umfangreiche Kooperationen mit den Strafverfolgungsbehörden in München, Bochum/Herten und Frankfurt/Main gelang es, Tätergruppen zu ermitteln, welche für die illegale Herstellung und Erstveröffentlichung deutscher Fassungen von Kinofilmen wie "Herr der Ringe" oder "Im Dutzend billiger" (Kinostart in Deutschland erst am 25. März 2004) und Spielesoftware verantwortlich sind. Dabei seien nicht nur diese Release-Groups, sondern auch die Verbreitungsstruktur enttarnt worden.
Eine große Rolle in der Kinopiraterie-Szene spielte die nun ausgehobene Release-Group "ACP" (Alpha Cinema Projekt) sowie die dazuzurechnenden Nachfolge- oder Untergruppierungen "CHE" (Cinema Home Entertainment), "DHE" (The Dollhouse Group), "DND" (Do Not Disturb), "Yale" und "PRD" (Paramount Release Division).
Als zweite große Hauptgruppe der Kinofilm-Szene wurde die Gruppe TGSC (The German Screener Crew) ermittelt, die im Zeitraum Juli 2001 bis Oktober 2003 von mindestens 225 Filmen illegale deutsche Fassungen herstellte und (überwiegend vor Kinostart in Deutschland) über Internetserver verbreitete.
Die Gruppen gehörten zu einem weltweit aktiven Netzwerk von Gruppierungen, die illegal Filme im Internet publizieren. Man unterhielt Kontakte zu Mitarbeitern der Filmwirtschaft, Transportunternehmen und Filmvorführern in Kinos, um in den Besitz von Filmmaterial oder Tonspuren zu kommen.
In der Regel seien die früher erscheinenden amerikanischen Filmfassungen durch dortige Tätergruppen (zum Beispiel Centropy und TCF) im Internet zur Verfügung gestellt worden. Mit der in Deutschland beschafften deutschen Tonspur wurden dann das amerikanische Bildmaterial und die deutsche Tonspur zusammengespielt.
Es wurden 19 Server sichergestellt, die Film- und Software-Raubkopien im Umfang von insgesamt 38 Terabyte (ca. 38.000 Gigabyte) vorrätig hielten. Teilweise wurden aber auch Download-Zugänge gegen Monatsgebühr (Abo-System) verkauft. Die Server wurden nach Angaben der GVU in den Rechenzentren von:
Global Access Telecommunications, Inc. (GATEL), Frankfurt/Main
- Server "Arctic Station" (AS) ca. 2 Terabyte
- Server "DOD" ca. 2 Terabyte
- Server "Echo Chamber" (EC) ca. 2 Terabyte
- Server "GhostShip" (GS) ca. 2 Terabyte
- Server "The Site Project" (TSP) ca. 2 Terabyte
NGZ-Datacenter, Coburg
- Server "Doll House" (DH) ca. 7,5 Terabyte
Universität Bremen
- Server "Magnetic Fields ISO" (MFISO) ca. 7 Terabyte
- Server "Ravine Of Horror" (ROH) ca. 2 Terabyte
betrieben.
Außerdem wurden über 40.000 Datenträger und weit über 200 sonstige Computeranlagen beschlagnahmt. Die dingfest gemachten Tätergruppen seien für die Herstellung und Erstveröffentlichung von über 500 Kinofilmen im Zeitraum 2001 bis 2004 verantwortlich.
In Verbindung damit wurde eine Bande von Wirtschaftskriminellen im Ruhrgebiet zerschlagen, die gewerbsmäßige Händler mit aktuellen Kinofilmen und Software auf DVDs und Video-CDs belieferte. Nach den ersten Ermittlungsergebnissen ging man dabei hochprofessionel vor: So lagen die Wartung der technischen Anlagen, die Cover-Produktion und die Herstellung der CDs jeweils in den Händen von Spezialisten.
Parallel führten kriminalpolizeiliche Ermittlungen in Köln/Hürth zur Einleitung von Ermittlungsverfahren gegen eine große Bande von Crackern, welche in Rechenzentren insbesondere von Firmen und Institutionen eindrang, um dort Speicherplatz auf Servern zur Verbreitung dieser Kinofilme und Software zu nutzen.