EU will Internet für Kinder sicherer machen

Kinderpornos, Rassismus und Spam sollen stärker angegangen werden

Die Europäische Kommission legte am 12. März 2004 einen Vorschlag für ein mit 50 Millionen Euro finanziertes Vierjahresprogramm "Mehr Sicherheit im Internet" (Safer Internet plus) vor, mit dem das Internet vor allem für Kinder sicherer werden soll. In den Jahren 2005 bis 2008 sollen dabei, basierend auf seit 1996 umgesetzten Richtlinien, "illegale und schädliche" Internet-Inhalte wie Kinderpornografie, Rassismus und Spam stärker angegangen werden.

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Schwerpunktbereiche sind: Bekämpfung illegaler Inhalte, Bekämpfung unerwünschter und schädlicher Inhalte, Förderung eines sichereren Umfelds und Sensibilisierung. Im Rahmen der Maßnahme sollen erstmals auch zusätzliche Medien wie z.B. Video-Downloads und weitere Probleme wie etwa Spam berücksichtigt werden. Zudem sollen die Beitrittsländer einbezogen und in stärkerem Maße Endanwender wie Eltern, Pädagogen und Kinder angesprochen werden. Im öffentlichen und privaten Sektor sowie bei Freiwilligen sollen "Kompetenzen für die Vorbereitung schonungsloser Sicherheitskampagnen" mobilisiert werden, so die Europäische Kommission in einer Mitteilung.

"Kinder haben das Recht, das Internet unbeschwert nutzen zu können, zu chatten, zu lernen oder zu spielen", so das für Unternehmen und die Informationsgesellschaft zuständige Kommissionsmitglied Erkki Liikanen. "Um sich im Internet frei bewegen zu können, müssen Kinder jedoch vor der Gefahr geschützt werden, von Erwachsenen ausgenutzt oder betrogen zu werden."

Zur Bekämpfung illegaler Inhalte sollen Meldestellen in Zukunft Berichte der Bürger über illegale Inhalte entgegennehmen und sie an die Stellen weiterleiten, welche die entsprechenden Maßnahmen treffen können. Die Kommission schlägt vor, einzelne Meldestellen und die Koordinierung des Netzes finanziell zu unterstützen.

Weiterhin stelle das Programm Zuschüsse für technische Maßnahmen bereit, die es den Nutzern ermöglichen sollen, den Eingang unerwünschter und schädlicher Inhalte mengenmäßig zu begrenzen bzw. anhand derer die Wirksamkeit vorhandener Filtertechnologien beurteilt werden können. Gleichzeitig soll die Entwicklung effizienter Filter finanziell gefördert und der Austausch von Informationen sowie den besten Praktiken über die wirksame Bekämpfung von Spam unterstützt werden.

Wichtig sei jedoch dabei die Selbstregulierung des Internets, da hier "Spitzentechnologie, rascher Wandel und grenzüberschreitende Aktivität zusammenspielen" und somit Flexibilität vonnöten sei. Für den Erfahrungsaustausch zwischen nationalen Mitregulierungs- und Selbstregulierungsgremien bietet die Europäische Kommission bereits das Forum "Sichereres Internet" (Safer Internet Forum).

Entsprechend soll eine Medienerziehung und Steigerung der Internet-Kompetenz der EU-Bürger eine wichtige Rolle im Maßnahmenpaket spielen. Die Kommission will sich dabei auf die Anstoßfinanzierung konzentrieren und die Multiplikatorwirkung sowie den Austausch empfehlenswerter Verfahren über ein Netz anregen.

Schließlich würden nach einer demnächst veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage die Hälfte der europäischen Eltern nicht glauben, dass ihre Kinder wissen, was sie tun sollen, wenn sie sich im Internet einer unangenehmen Situation gegenüber sehen. Laut einer Umfrage ("SAFT" / Safety, Awareness, Facts and Tools) glauben zudem nur 4 Prozent der Eltern, dass ihre Kinder in Chats Treffen vereinbaren würden, sollen 2003 rund 46 Prozent der befragten nordeuropäischen Kinder in Chats um Treffen gebeten worden sein und 14 Prozent dieser Kinder sich auch mit ihren Gesprächspartnern getroffen haben. Wie groß dabei der Anteil von Treffen zwischen Gleichaltrigen war, wurde nicht veröffentlicht.

Die Bedeutung einer Sensibilisierung der Eltern für die Sicherheit des Internets ergebe sich aus mehreren von der EU finanzierten Studien. Europäische Eltern würden demnach die tägliche Konfrontation ihrer Kinder mit schädlichen Inhalten und gefährlichen Situationen im Internet deutlich unterschätzen. Diese Situation soll sich durch das Programm "Mehr Sicherheit im Internet" ändern, indem Eltern und Lehrer aufgeklärt und in die Lage versetzt würden, Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Hoffentlich ist damit mehr gemeint, als Kindern etwa das Chatten generell mit technischen Mitteln unmöglich zu machen.

Die bestehenden "Safer Internet"-Projekte haben laut EU-Kommision bereits Erfolge gezeigt: So wurde im Oktober 2003 nach einem Hinweis des Internet-Hotline-Verbands INHOPE ein weltweiter Kinderpornografie-Ring zerschlagen. Filterdienste wurden verglichen und neue Modelle für die Selbstregulierung im Bereich der Mobilfunkinhalte vorgeschlagen. Weitere Informationen über das ausgedehnte Safer-Internet-Programm sind erhältlich unter europa.eu.int/iap.

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:-) 20. Mär 2004

Kinder raus aus dem Internet? Wie soll das gehen, wenn selbst die Schulaufgaben den Blick...

Rechtsprechung 20. Mär 2004

Mir ist dieses Thema einfach zu heiß! Wenn es um Kifi´s geht (ich nehme mal an, dass ich...

Rechtsprechung 20. Mär 2004

Mir ist dieses Thema einfach zu heiß! Wenn es um Kifi´s geht (ich nehme mal an, dass ich...

linuXfreak 19. Mär 2004

Kinderpornos geb ich dir Recht. Aber Rassismus ist zwar etwas unschönes, aber es ist...



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