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RSA Security entwickelt Störsender gegen RFID-Scanner

"RSA Blocker-Tag" soll Privatsphäre der Verbraucher schützen. Das Sicherheits-Unternehmen RSA Security will auf der CeBIT 2004 den Prototypen eines "RSA Blocker-Tags" präsentieren. Dieses von den RSA Laboratories entwickelte Gerät soll Verbrauchern den Schutz ihrer Privatsphäre bei der Nutzung sämtlicher Vorteile der Radio-Frequency-Identification-(RFID-)Technologie ermöglichen.
/ Christian Klaß
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Ein RFID-Tag ist ein kleiner passiver Chip samt Antenne, der auf kurzen Distanzen über Radiofrequenzen auf Anregung von außen eine unverwechselbare Seriennummer aussendet. Die Technik stellt die nächste Generation von Bar- und Magnetstreifencodes dar und soll Handel und Logistikunternehmen erhebliche Kostenreduzierungen und eine höhere Effizienz in der Warenwirtschaftskette einbringen und beispielsweise auch Kunden durch ein automatisiertes Scannen Warteschlangen an der Supermarkt-Kasse ersparen.

Kritisch ist dabei aber, dass eine Informationssammlung über das eigene Kaufverhalten vom Kunden kaum kontrolliert werden kann und RFID-Chips bisher nicht an der Kasse bzw. beim Verlassen des Ladens zerstört werden können. Technisch scheint es möglich zu sein, Konsumenten aufzuspüren, die eines oder mehrere mit einem RFID-Chip ausgestattetes Produkt an bzw. bei sich tragen. So wäre eine Ortung und Verfolgung durch Dritte möglich, befürchten Datenschützer.

Mit dem "RSA Blocker Tag" – einem kleinen Störsender – soll ungewolltes Scannen und Verfolgen vereitelt werden können. "Man kann sich die Technologie des RSA Blocker-Tags ähnlich wie das 'Spamming' bei E-Mails vorstellen. Jedes RFID-Lesegerät, das ohne eine entsprechende Berechtigung versucht, RFID-Chips aufzustöbern, wird vom RSA-Tag geblockt" , wirbt RSA Security.

Für das Lesegerät werde sozusagen eine feindliche Umgebung geschaffen. Der gewöhnliche RFID-Tag profitiere in der Nähe eines RSA Blocker-Tags von dessen Schutzschild; werde der RSA Blocker-Tag entfernt, könne der RFID-Chip wieder normal genutzt werden. Dank seines selektiven Charakters soll der RSA Blocker-Tag dabei helfen, ein ungewolltes Scannen gekaufter Waren zu verhindern, ohne in den normalen Gebrauch der RFID-Systeme einzugreifen.

"In einer Welt, in der RFID ohne weiterführende Gedanken eingesetzt wird, besteht ein Risiko, dass vertrauliche Informationen mit Hilfe eines RFID-Lesers unbemerkt eingesehen werden können" , so Burt Kaliski, Direktor und wissenschaftlicher Leiter der RSA Laboratories. "Darüber hinaus könnte die spezifische Seriennummer, die von den RFID-Tags gesendet wird, dazu verwendet werden, um heimlich Personen und Objekte zu verfolgen. Für die Wirtschaft bringt RFID neue Datenschutz- und Sicherheitsrisiken mit sich – eine ganz neue Dimension der Geschäftsspionage. Diese Entwicklung hat unsere Wissenschaftler dazu angeregt, an einer technischen Lösungen zu arbeiten, die diese Probleme in den Griff bekommen kann."

Datenschützer fordern jedoch – mit Ausnahme von wirklich an der Kasse automatisch zerstörbaren RFID-Sendern – weniger technische Lösungen, als vielmehr einen verantwortungsbewussten Umgang und auch eine Selbstkontrolle der Wirtschaft. Ein persönlicher Störsender ist jedoch ein interessanter Ansatz und könnte, sofern er jemals kommerziell vermarktet wird, beim Schutz der Privatsphäre helfen. Ob aus Datenschutzgründen oder zur mutwilligen Störung eingesetzt: den Betreibern von RFID-Kassensystemen werden Störsender sicher nicht schmecken. Es stellt sich auch die Frage, ob ein Einsatz in Deutschland überhaupt legal wäre.

Auf der CeBIT 2004 will RSA Security in Halle 6 am Stand G17 die neue Technik erstmals in Europa demonstrieren. Noch handelt es sich allerdings nur um eine auf Software basierende Lösung, die speziell für Präsentationszwecke entwickelt wurde und noch nicht in Form eines Gerätes erhältlich zu sein scheint. Entwickelt wurde der zum Patent angemeldete RSA Blocker-Tag von den RSA Laboratories, der Forschungsabteilung von RSA Security in Zusammenarbeit mit Professor Ronald Rivest, dessen Name für das 'R' in RSA Security steht.

RSA Security ist Gründungsmitglied der führenden Institution zur Entwicklung von RFID-Standards, EPCglobal Inc. Die Organisation ist eine Initiative des Uniform Code Council (UCC) und Ean International. Diese beiden Institutionen beaufsichtigen die Magnetstreifencode-Standards in Europa bzw. der USA. Viele der Unternehmen, die planen, RFID zu verkaufen oder anzuwenden, sind Mitglied dieser Organisation.


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