Gigabit-Ethernet soll schon 2004 abheben
Schon im Jahr 2004 soll die Mehrzahl der Desktop-Systeme von Hause Ethernet-Geschwindigkeiten bis einschließlich 1000 Mbps unterstützen, jedoch meist noch in Fast-Ethernet-LANs (100 Mbps) genutzt werden. Mit den sinkenden Kosten für GbE-Infrastruktur und wachsender Nachfrage werden schließlich auch GbE-Switches immer stärker Fast-Ethernet-Switches ablösen und moderneren PCs den schnelleren Weg ins LAN ebnen. Für eine stärkere Verbreitung von GbE im PC werde zudem die in diesem Jahr eingeführte PCI-Express-Schnittstelle sorgen, welche GbE im Gegensatz zum betagten PCI-Bus nicht ausbremst.
"Obwohl Broadcom und Marvell den Ethernet-Markt dominieren, ist dessen enormer Umfang für größere Kommunikationsanbieter zu verlockend, um ignoriert zu werden", so Bob Wheeler, einer Autoren der Linley-Studie "A Guide to Gigabit Ethernet Silicon". Neue Wettbewerber würden neue Technik vorstellen, was das Ermitteln der Gewinner im Rennen um Marktanteile nicht einfacher mache.
Die Linley Group befasst sich in ihrer Studie mit kupferbasierten GbE-Netzwerk-Chips (PHY), mit GbE-Switches und Ein-Chip-Controllern (MAC/PHY) für Adapter (NIC) sowie "LAN-on-Motherboard"-Chips (LOM). Neben Broadcom, Marvell und Vitesse/Cicada wurden auch die GbE-Switch-Chip-Entwickler SwitchCored Fujitsu, die PHY-Chips von National Semiconductor, die Controller-Produkte von Intel und Realtek sowie weitere Anbieter in den verschiedenen Segmenten berücksichtigt.
Die erste Übernahmewelle im Gigabit-Ethernet-Markt wollen die Linley-Analysten bereits ausgemacht haben: Große Hersteller würden sich Start-ups einverleiben, um vorhandene Lücken in ihrem Lösungsportfolio zu stopfen, so die Nachfrage decken zu können und um den Anschluss an ihre Konkurrenten nicht zu verlieren. Der stetig wachsende Durst nach Bandbreite treibe die Nachfrage nach entsprechenden Geräten beständig in die Höhe, so Linley-Analyst Jag Bolaria.
Marktführer bei den GbE-Controllern ist laut Linley der Prozessor-Hersteller Intel, der seit 2001 Ein-Chip-Controller (MAC/PHY) ausliefert – viele davon werden eigentlich von Marvell gefertigt – und dank des Wechsels zu PCI Express auch im Gigabit-Bereich große Chancen habe. Broadcom sei zwar bei den GbE-Controllern Zweiter nach Intel, führe dafür aber im rasant wachsenden GbE-Switch-Segment. Obwohl Broadcom aber als erster Hersteller einen 1000BaseT-PHY lieferte und sich durch Aufkäufe und strategische Partnerschaften stärkte, konnte doch Marvell als erster Hersteller mit einem Quad-PHY-Chip für Switches aufwarten und bei den GbE-PHYs als Hoflieferant von Cisco Marktführer werden. Seine GbE-Controller verkauft Marvell nicht nur an Intel, sondern mittlerweile auch unter eigener Marke.
Das Unternehmen Vitesse hat sich Anfang 2004 bereits das Start-up Cicada Semiconductor eingekauft, um sein Portfolio um GbE-PHYs zu erweitern und nun eine komplette, besonders stromsparende GbE-Produktpalette bieten zu können. Erst durch die Übernahme soll Vitesse sich laut Linley Chancen auf größere Marktanteile eröffnet haben, da weder Vitesse noch Cicada alleine nennenswerte Marktanteile auf die Waage gebracht hätten.
Ebenfalls ein Stück vom Gigabit-Ethernet-Kuchen abhaben will das schwedische Unternehmen SwitchCore, welches zwar den ersten 16-Port-GbE-Switch liefert, aber noch kein eigenes GbE-PHY und somit noch kein komplettes GbE-Produktportfolio vorweisen könne, so Linley. Auch der Hersteller Agere plane, ab der zweiten Jahreshälfte 2004 sowohl im Endgeräte- als auch im Infrastruktur-Bereich des GbE-Markts Fuß zu fassen und hat sich dafür bereits die Start-ups Massana und TeraBlaze wegen derer PHY- und Switch-Technik einverleibt.
Unter den taiwanesischen Anbietern soll Realtek dank eigener PHY-Technik und der Marktführerschaft bei den 10/100-Mbps-Ethernet-Controllern mit seinen GbE-Controllern am besten positioniert sein. Im Gegensatz zu VIA und Realtek sollen die weiteren taiwanesischen Mitbewerber Asix, F3 und IC Plus zwar GbE-Switch-Chips bieten, jedoch auf Grund fehlender eigenständiger PHYs nur begrenzt wettbewerbsfähig sein.
Die komplette Studie "A Guide to Gigabit Ethernet Silicon" kann von der Linley Group bezogen werden.
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