Fraunhofer zeigt Digital-Kino auf der CeBIT 2004
Laut der Fraunhofer-Gesellschaft steht das vielversprechende digitale Kino, das "D-Cinema", noch ganz am Anfang, da wichtige Schlüsselkomponenten fehlen würden. Um die digitale Kinokette zu realisieren, müsse vor allem das Problem der Speicherung enormer Datenmengen gelöst werden. So erzeuge ein 90-minütiger Spielfilm bereits eine riesige Datenmenge von mehr als zwei Terabyte (1 Terabyte = 1.000.000 Megabyte). Allein beim Dreh einer Minute digitalen Kinofilms würden etwa 40 Gigabyte Daten entstehen. "Dies stellt für den Umstieg auf die digitale Technik eine erhebliche Herausforderung dar" , betont Siegfried Fößel vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen.
Neben mobilen Speichern werden für die Bearbeitung der Daten auch neue Kompressionsverfahren benötigt. Die Fraunhofer-Forscher setzen dabei auf Motion JPEG2000 (MJPG2000). Das Verfahren speichert die bewegten Bilder in hoher Qualität und ist ein internationaler, offener Standard, an dem das IIS im ISO-Gremium mitarbeitet. Aus den komprimierten Daten sollen so sehr schnell Previews unterschiedlicher Qualität gemacht werden können. Der Regisseur könne sich zudem dank Digitaltechnik die gerade gemachten Aufnahmen anschauen und müsse nicht lange auf eine Tageskopie warten.
Die digitale Distribution von Filmen könnte laut einer Studie der Filmförderanstalt ("Majors planen digitalen roll-out ...") rund 90 Prozent der derzeit auf weltweit 5 Milliarden Euro geschätzten Vertriebskosten einsparen. Anstatt der Produktion und dem Versand von Filmrollen könnten beim D-Cinema die Filme einfach über Breitbandkabel, DVD oder Satellit ins Kino kommen. Der Nachteil: Kinobetreiber müssen viel Geld in neue Projektoren und Infrastruktur investieren, etwa 150.000 bis 300.000 Euro. Ein herkömmlicher Filmprojektor kostet nur etwa ein Zehntel davon und hält Jahrzehnte. "Kein Wunder also, dass bisher weltweit erst etwa 150 Kinosäle mit der neuen Technik ausgestattet sind" , heißt es in einer Fraunhofer-Mitteilung.
An einer preisgünstigeren Alternative arbeiten deshalb die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik FIRST und des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, HHI. Statt eines teuren Projektors sollen mehrere preiswerte elektronische Wiedergabegeräte eingesetzt werden. "Jeder Projektor muss dann nur einen Teil der riesigen Datenmenge übertragen" , erläutert Dr. Ralf Schäfer vom HHI das Prinzip. Damit der Kinobesucher nicht merke, dass mehrere Projektoren im Einsatz sind, müssten die Wiedergabegeräte absolut synchron laufen.
Eine vom FIRST entwickelte Technik kann auch auf unebenen Flächen genutzt werden, entzerrt die Projektion, überlässt die Feineinstellung der Projektoren einer speziellen Software und erlaubt somit das einfachere Zusammenschalten mehrerer Projektoren. "Durch das Herausrechnen geometrischer Diskontinuitäten und Farbnuancen generiert die neue Technologie eine homogene Projektion – unabhängig von der Form der Projektionswände" , beschreibt Ivo Haulsen vom FIRST die Vorzüge des Systems, das die Forscher auf der CeBIT vorstellen. Zusätzlich zur autokalibrierenden Software wurde bei FIRST ein HDTV-Player entwickelt, der es ermöglicht, HDTV-Filme auf herkömmlichen Projektoren zu präsentieren.
"Die Digitalisierung beginnt mit dem Vorprogramm. In einigen Kinos wird bereits digital produzierte Werbung in geringerer Auflösung ausgestrahlt. Bis allerdings das Hauptprogramm auch in digitaler Form über die Leinwand läuft, werden noch einige Jahre vergehen" , erwarten die Fraunhofer-Forscher. Die oben genannten sowie weitere Projekte präsentieren 15 Fraunhofer-Institute sowie die Fraunhofer-Gruppe Informations- und Kommunikationstechnik IuK auf ihrem Gemeinschaftsstand in Halle 11. Dort zeigen Wissenschaftler Forschungsergebnisse und Anwendungen aus den Bereichen Health, Mobility, Business & Production, Home & Entertainment und E-Government.