Test: USB-DVB-T-Empfänger von TwinHan - Mobiles Digital-TV

Die VisionPlus DTV USB-Ter ist mit Abmaßen von 11,2 x 7 x 3 cm etwa so groß wie zwei Zigarettenschachteln. Während auf der Rückseite USB- und Antennen-Anschluss platziert sind, findet sich an der Front eine Infrarot-Schnittstelle für die mitgelieferte Fernbedienung. Letztere ist handlich und stabil, allerdings sind einige Knöpfe unsauber bedruckt.
Neben terrestrischem Digital-TV (DVB-T) wie es etwa in Großbritannien und in Deutschland (bisher nur regulär in Berlin) ausgestrahlt wird, können auch digitale Radiosender nach DVB-T-Standard empfangen werden; DAB wird nicht unterstützt. In TwinHans VisionPlus DTV USB-Ter arbeiten ein Conexant-Chip und einige Zusatzchips als Empfänger mit Vorfilter, so dass der Prozessor des PCs oder des Notebooks die Hauptarbeit zu erledigen hat. Die dafür erforderliche Prozessorleistung sollte über den von TwinHan genannten 500 MHz liegen, denn ein Test auf einem 500-MHz-Pentium-3-Desktop-Rechner war ernüchternd und von unübersehbaren Rucklern geprägt. Ein Rechner mit 700 oder deutlich mehr MHz erscheint da sinnvoller.
Bisher liefert TwinHan neben Treibern für Windows 98, ME, 2000 und XP eine nicht besonders komfortable Software namens VisionDTV in der Version 2.4a mit. Im Support-Bereich der Hersteller-Website TwinHan.com findet sich allerdings bereits die Version 2.41, bei der nicht nur die Konfigurations-Menüs z.B. bei der Sendersuche etwas leichter zu bedienen sind, sondern auch ein Teil der Berechnungen an "DxVA-fähige" Grafikkarten ausgelagert und so der Prozessor entlastet werden kann. Ist die Hardware-Beschleunigung aktiviert, lässt diese sich nach der Installation nur durch eine Neu-Installation rückgängig machen und sorgt dafür, dass die Standbild-Funktion nicht läuft. Insbesondere für Reisende ist praktisch, dass die Ergebnisse bereits erfolgter Sendersuchläufe in separaten Dateien auf Festplatte gesichert sind und bei Bedarf wieder geladen werden können.
Die Aufzeichnung von Fernsehsendungen erfolgt entweder bei Druck auf die Aufnahme-Taste, den Pause-Knopf – was das Bild einfriert und die Software im Hintergrund aufzeichnen lässt – oder die umständliche zeitgesteuerte Programmierung. Anstatt dafür einfach die per DVB-T-Stream mitgelieferten EPG-Daten, also die vom Fernsehsender mitgesendete "elektronische Fernsehzeitung" zu nutzen, überlässt es TwinHan den Nutzern, Aufzeichnungszeit, -datum und Kanal manuell einzugeben.
Die Bildqualität schwankte im Golem.de-Test recht stark – zwischen grobpixeligem bzw. verrauschtem (schwache Pixel-Wolken um bewegte Objekte) und klarem, scharfem Bild. Leider bietet VisionDTV keine zuschaltbaren, aufwendigeren Filter, um etwa kompressionsbedingte Blockstrukturen zu unterdrücken. Und das obwohl etwa ATIs DirectX-9-fähige Grafikchips Deblocking per Pixel-Shader unterstützen. Die schwankende Bildqualität scheint dennoch weniger in der Hard- oder Software begründet zu sein, sondern mehr in der nicht überall guten Signalqualität von DVB-T sowie dem Einsatz von in der Bandbreite beschränktem MPEG-2.
Mittels eines Software-Entwicklungspakets können für die VisionPlus DTV USB-Ter eigene Anwendungen oder Schnittstellen zu bestehenden Anwendungen programmiert werden. An Linux-Treibern arbeitet TwinHan laut Distributor Enmic bereits, allerdings sei dabei noch kein Beta-Status erreicht. An MacOS-X-Treibern versucht sich hingegen ein deutscher Partner, allerdings konnte Emnic noch nicht sagen, ob entsprechende Treiber letztendlich erscheinen werden.
Fazit:
TwinHan muss die Software der VisionPlus DTV USB-Ter noch ordentlich überarbeiten, bis sie als wirklich gut und komfortabel gelten kann – insbesondere bei den Funktionen, die über das normale Fernsehgucken hinausgehen. Zudem wünscht man sich – zumindest für schnellere Rechner – noch ausgefeiltere Filter für ein besseres Bild auch bei schlechtem Empfang. Für den mobilen Einsatz würde eine Haltevorrichtung für die externe USB-Box und die Antenne praktisch sein, Letztere verfügt aber immerhin schon über einen magnetischen Fuß, der etwa bei Anbringung im Auto hilfreich ist. Der empfohlene Verkaufspreis mit rund 150,- Euro wirkt für das Gebotene etwas hoch, doch im Handel findet sich das Produkt bereits für unter 130,- Euro, was akzeptabler ist. Zumindest, wenn man in Kauf nimmt, dass man für das Geld lediglich eine befriedigende Empfangslösung für digitales Fernsehen (DVB-T) erhält.



