Spieletest: Castle-Strike - Burgenstrategie im Mittelalter
Aufbau-Strategiespiel mit Dauerspaß. Das Aufbau-Strategiespiel Castle-Strike stammt von Related Designs Software, die auch schon für das im Wilden Westen spielende No Man's Land verantwortlich zeichneten. Die Story ist diesmal im Mittelalter angelegt, wo man drei Kampagnen als Deutscher, Franzose oder Engländer bestreiten darf.
Der Spieler wird zunächst mit der einleitenden Geschichte konfrontiert. Daraufhin öffnet sich das Spielinterface: Je nach Szenario muss man nun entweder mit einem bestimmten Satz von Spielfiguren die Mission bestehen oder sich niederlassen, um Gebäude zu bauen und sein Volk vor der jeweiligen endgültigen Schlacht zu vergrößern.
Die Zivilbevölkerung ist für den Rohstoffabbau und die Errichtung von Gebäuden sowie für die mehr oder minder freiwillige Feuerwehr zuständig, während man für die unvermeidlichen kriegerischen Konflikte, die sich wie ein roter Faden durch das Spiel ziehen, entsprechende Krieger heranziehen und ausbilden kann.
Neben Lanzen- und Schwertträgern gibt es Bogen- und Armbrustschützen, berittene Kämpfer und einige Spezialeinheiten, die sich beispielsweise als Brandstifter, Tunnelgräber und Heiler verdingen. Das Spiel beinhaltet auch mehrere Technologiebäume, die zum Ausbau von Fähigkeiten dienen und eng an die Errichtung bestimmter Gebäudetypen gekoppelt sind. Natürlich gibt es auch die zeittypischen Belagerungstürme, Kanonen, Katapulte und Rammböcke.
Ohne Belagerungswaffen sind Angriffe auf Burgen ein sinnloses Unterfangen, da normale Einheiten außer den Brandstiftern und den Sprengeinheiten nicht in der Lage sind, Mauern zu beschädigen oder Häusern Schaden zuzufügen.
Die Verteilung der Arbeitskräfte lässt sich komfortabel steuern. Über einen Button können Arbeiter jederzeit zwischen dem Bautrupp (der automatisch Bauaufträge ausführt, Schäden repariert und Feuer löscht) und dem Sammlertrupp, der für den Nachschub von Ressourcen zuständig ist, versetzt werden. Die Gewichtung des Ressourcenabbaus, und damit die Verteilung der Arbeiter, wird entweder über einen Schieberegler oder einen direkten Befehl festgelegt.
Dem Burgenbau wird ein besonders breiter Raum eingeräumt. Neben Mauern, Türmen, Zinnen und Pechnasen kann man auch zahlreiche Verbesserungen einbauen, wenn man die dafür notwendigen Upgrades einkauft. Die Upgrades erhält man in Verbindung mit dem Wirtschaftssystem, das einige Rohstoffe kennt, die man entweder durch den Abbau mit den Arbeitern einfahren kann oder im Tausch auf Marktplätzen erhalten kann.
Mit einem zweistufigen Bauprozess für Burgen kann man die Bauabschnitte erst planen und dann den endgültigen Bauauftrag erteilen, was Fehlkonstruktionen verhindert.
In den Missionen ist jederzeit eine Zwischenspeicherung erlaubt, so dass man nicht jedes Mal von vorne beginnen muss, wenn man die Missionziele, die zu Beginn vorgestellt werden, nicht erreicht hat. In allen Szenarien muss der oder die Hauptfiguren überleben, die für den Fortgang der Geschichte notwendig sind.
Die gegnerische künstliche Intelligenz ist ausreichend gut, um dem Spieler in allen Schwierigkeitsgraden Paroli bieten zu können, ohne unfair zu werden. Leider ist es mit dem kontrollierten Eigenverhalten der eigenen Truppen nicht so weit her: Hier bleiben Spielfiguren in unzugänglichen Ecken hängen, laufen mitten in Feindesland, um Holz zu hacken und helfen ihren Kameraden trotz unmittelbarer Bedrohung oft erst durch die Interaktion des Spielers.
Castle Strike bietet die üblichen Steuerungsfunktionen bei Aufbaustrategiespielen, die zum Beispiel ein Gruppieren und die Tastatursteuerung der Truppen erlaubt. Hier wird nicht von üblichen Mustern der Rechts- und Linksklickbewegung abgewichen. Eine kleine Übersichtskarte hilft, die teils riesigen Karten zu überschauen und versprengte Einheiten zu finden.
Im Spiel kann man die Bildansicht in alle Richtungen zoomen und zudem drehen. Das ist zwar nicht unbedingt notwendig, zeigt aber, wie detailliert das Spiel ist – sogar die Gesichtsausdrücke der Figuren und Glasfenster in den Gebäuden wurden eingearbeitet. Im Spiel wird allerdings eine derart hohe Zoomstufe eher hinderlich sein – die Vogelflugperspektive ist immer noch das Beste, um den Kampf zu lenken.
Aus den Lautsprechern tönen neben einer mittelalterlich angehauchten Melodie die Meldungen der angeklickten Einheiten, die am Anfang zwar lustig und einfallsreich, nach zunehmender Spieldauer jedoch eintönig werden, da sie sich recht oft wiederholen.
Neben den Kampagnen gibt es auch Einzelspielermissionen und einen Multiplayermodus, der leider nicht gerade durch Kartenreichtum glänzt und über LAN und das Internet mit der Gamespy-Vermittlungssoftware gespielt werden kann. Einen Karteneditor sucht man leider vergebens.
Fazit: Castle Strike ist ein dauerhaft unterhaltendes Spiel, das durch sein Thema aus der Masse der Aufbau-Strategiespiele heraussticht und nur kleine Mankos beinhaltet, die durch einen Patch gelöst werden könnten. An der Einheitenintelligenz muss noch etwas gefeilt werden, damit sie sich nicht verlaufen oder teilnahmslos in der Gegend herumstehen. Auch wäre ein Karteneditor ein nettes Add-on, um die Multiplayer-Karten zu erweitern.