Breitbandzugänge beflügeln Absatz von Bezahlinhalten
PricewaterhouseCoopers (PwC) erwartet, dass im Jahr 2007 bereits 23 Prozent der europäischen Internetnutzer bereit sein werden, für die angebotenen Inhalte und Dienstleistungen Geld auszugeben – beispielsweise für die Übertragung qualitativ hochwertiger Videoformate. Bis zum Jahr 2007 soll das europäische Marktvolumen für kostenpflichtige Inhalte und Anwendungen wie interaktive Filme, Multimedia-Messages (MMS), Video-Spiele und Überwachungssysteme auf 3,1 Milliarden Euro ansteigen. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle PwC-Studie "The Broadband Future: Interactive, Networked, and Personalized", in der die Chancen und Herausforderungen analysiert werden, die mit der Vermarktung von Internet-Angeboten verknüpft sind.
In Europa wird der Studie zufolge der Anteil an Breitband-Verbindungen in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht das Niveau von Kanada oder gar Südkorea erreichen, wo dank einer homogenen Telekom-Infrastruktur und der konsequenten Förderung durch Regierungsprogramme bereits heute knapp 80 Prozent der Bürger über einen schnellen Internet-Zugang verfügen. Marktforscher erwarten jedoch, dass die Umsätze der europäischen Internet Provider aus Breitband-Zugängen von rund drei Millionen Euro in 2003 auf knapp 22 Milliarden Euro in 2008 steigen werden. Antriebsfeder soll dabei vor allem die wachsende Zahl an DSL-Anschlüssen in den europäischen Metropolen sein.
Ende 2002 verfügten in Deutschland nach der Studie 33 Prozent der Haushalte über konventionelle Internet-Anschlüsse und zehn Prozent über Breitband-Zugänge. Damit liegt Deutschland im europaweiten Vergleich zwar nur im Mittelfeld, jedoch verdoppelte sich der Anteil der Breitband-Zugänge im Vergleich zum Jahr 2001 auf 3,8 Millionen Haushalte.
Preissenkungen für DSL-Flatrates haben viele Internet-User zum Umstieg auf die neue Technologie motiviert. Insgesamt wird für die europäischen Länder jedoch nicht erwartet, dass die Kosten für einen schnellen Internet-Zugang wie in Japan und Südkorea unter 20 Euro pro Monat sinken werden. Wahrscheinlicher ist, dass für den Massenmarkt Preismodelle mit einem Mix aus Grundgebühr und nutzungsabhängigen Gebühren entwickelt werden.
Beim Transfer von TV-Programmen und Spielfilmen in hoher Qualität werden Breitband-Verbindungen den Vorhersagen nach den klassischen Verbreitungskanälen Kabel und Satellit auf absehbare Zeit technisch unterlegen sein. Der Sprung vom VHS-Format zur Qualität von DVD und High Definition Television (HDTV) ist an höhere Internet-Transferraten gebunden.
"Sobald jedoch die Datenleitungskapazitäten ausgebaut sind, werden sich den Medienunternehmen neue Geschäftsfelder und Kostenvorteile erschließen. Die Produktionskosten für DVDs und CDs entfallen, Zwischenhändler werden bei der Distribution überflüssig. Der Erfolg von Apple mit iTunes zeigt, dass sogar Medienformate verkauft werden können, die zuvor von Internet-Usern illegal kopiert und verbreitet wurden, wenn Aufmachung und Preisstruktur stimmen. Damit auch bei Videoformaten die Urheberrechte effektiv geschützt werden können, ohne die Flexibilität der Nutzer zu stark einzuschränken, sollte sich die Filmindustrie deshalb dringend um die Schaffung digitaler Vermarktungskanäle kümmern" , rät Werner Trattnig, Direktor des PwC Global Technology Centre Menlo Park und Leiter der deutschen Zweigstelle.
Der Wertigkeit von Inhalten, die primär über traditionelle Kabel- und Satellitenkanäle oder Kinos verbreitet werden, lässt sich durch Breitband-Internetzugänge steigern. Für Content Provider bietet sich die Entwicklung interaktiver Premium-Angebote an. Ein Musterbeispiel für die Bindung einer Zielgruppe durch kreatives Merchandising ist die Online-Vermarktung des TV-Formates "Deutschland sucht den Superstar". Ergänzendes Video-Material, Abstimmungen, Chat Rooms und Download-Möglichkeiten erhöhen nicht nur die Aufmerksamkeit des Publikums, sondern erschließen den Marktforschern nach auch neue Einnahmequellen.
Die meisten Konsumenten aber sind nach den Studienergebnissen durch die frühen Jahre der Internet-Nutzung geprägt und weigern sich, für Web-Angebote Gebühren zu entrichten. Die Inhalte sind aus ihrer Sicht weder exklusiv noch hochwertig. "Wir empfehlen den Content Providern und ihren Kooperationspartnern, das Angebot an kostenlosen Inhalten zu reduzieren und Schritt für Schritt innovative Anwendungen hinzuzufügen, für die von Anfang an gezahlt werden muss" , sagte Werner Trattnig.
"Einzelne Premium-Angebote haben sich bereits etabliert, zum Beispiel Video-Sequenzen, spezialisierte Nachrichtendienste, personalisierte Suchmaschinen oder Hintergrundinformationen für Geldanleger. Erfolg versprechen aber auch Online-Spiele und die Vermarktung semi-professioneller Tools für Web-Konferenzen oder die Produktion von Videofilmen."
Die PwC-Studie "The Broadband Future: Interactive, Networked, and Personalized" kann kostenlos als PDF(öffnet im neuen Fenster) heruntergeladen werden.