Spieletest: Der verborgene Kontinent - Point&Click-Adventure
Erstes Adventure vom Publisher bhv. Nach Jahren mit eher mäßigem Adventure-Nachschub scheint 2003 eine Trendwende eingesetzt zu haben – in den letzten Monaten kommen immer mehr Publisher dem weiterhin stark vorhandenen Interesse der Spielerschaft an intelligenten Grafik-Adventures nach. Auch der Kaarster Publisher bhv veröffentlichte mit dem von Frogware entwickelten "Der verborgene Kontinent" kürzlich erstmals ein Spiel in diesem Segment.
Der englischsprachige Untertitel des Spiels lautet "Journey to the Centre of the World", und folgerichtig orientiert sich die Story des Spiels auch grob an dem gleichnamigen Roman-Klassiker von Jules Verne. Man steuert die Abenteuer der Fotografin Ariane, deren Hubschrauber bei einer Expedition am Rande eines mysteriösen Vulkans abstürzt. Nach ein wenig Suchen entdeckt man aber ganz in der Nähe des Absturzortes eine kleine Höhle, die einen ins Innere der Erde führt – und fortan besucht man diverse seltsame Schauplätze voller ungewöhnlicher Charaktere und teilweise wirklich hübsch gestalteter Landschaften.
Wer das gelungene Syberia gespielt hat, wird zahlreiche Parallelen zwischen diesem Spiel und dem verborgenen Kontinent feststellen. Nicht nur die weiblichen Hauptdarsteller sind sich in ihrer Modellierung recht ähnlich, auch die verwendete Technik – 3D-Charaktere bewegen sich in vorberechneten 2D-Landschaften – ist gleich. Allerdings sind die Render-Hintergründe hier nicht ganz so hübsch wie bei dem Microids-Titel – unter anderem lassen die Szenerien nette Details vermissen, und auch die Animation der Personen wirkt teilweise etwas unbeholfen.
Die Bedienung ist absolut Adventure-typisch: Per Maus steuert man Ariane durch die einzelnen Szenarien; findet man Gegenstände, die sich aufnehmen oder benutzen lassen, verändert sich die Form des Mauszeigers, so dass man immer über mögliche Interaktionsobjekte informiert wird. Zum Inventar gelangt man, indem man den Mauszeiger an den unteren Bildschirmrand bewegt – kurz darauf werden dann sämtliche bisher eingesammelten Gegenstände angezeigt und können miteinander oder mit anderen auf dem Bildschirm befindlichen Objekten kombiniert werden.
Etwas seltsam ist, dass die für Adventurespiele typische "Betrachte"-Funktion fehlt – aufgenommene Gegenstände können somit nicht untersucht werden, ein meist sehr kurzer Text muss ausreichen, um sie zu beschreiben. So wird oft nicht klar, wozu man bestimmte Dinge eigentlich braucht, was noch weiter dadurch erschwert wird, dass Ariane kaum Rückmeldungen der Art "Diese Sache muss zuerst noch bearbeitet werden" gibt – einige Rätsel werden dadurch beträchtlich erschwert. Auch sonst ärgert man sich häufig über den unnötig hohen Schwierigkeitsgrad – mal müssen winzig kleine Gegenstände im Pixel-Sand gefunden werden, dann wieder muss man mehrere Bildschirme zurücklaufen, um ein Objekt aufzunehmen, was zunächst nicht zur Verfügung stand.
Die gute, komplett deutsche Sprachausgabe und die nette Hintergrundgeschichte wissen allerdings den Rätselfrust ein wenig zu mindern. Zudem hatten die Entwickler eine recht witzige Idee für das Inventar: Ariane schleppt beständig einen Laptop mit sich herum, auf dem sie unter anderem von Zeit zu Zeit E-Mails "von außerhalb" empfängt, aber auch in einem digitalen Lexikon gewisse Dinge nachschlagen kann und so erklärt bekommt.
"Der verborgene Kontinent" ist für PC bereits im Handel erhältlich. Der Preis liegt bei etwa 40 Euro.
Fazit: "Der verborgene Kontinent" erinnert stellenweise recht deutlich an "Syberia", kann dessen Klasse aber nicht erreichen – das Spiel von Microids ist dem Frogware-Titel sowohl hinsichtlich der Präsentation als auch in Bezug auf das Gameplay deutlich überlegen. Trotzdem ist die moderne Fassung des Jules-Verne-Klassikers für Adventure-Fans durchaus einen Blick wert, denn die gute Story und die einfache Bedienung entschädigen für die etwas enttäuschende Rätsel-Gestaltung.