Spieletest: Star Wars - Knights of the Old Republic
Rollenspiel-Highlight von den Bioware-Studios. Star-Wars-Spiele gibt es viele, wirklich gute Titel sind aber Mangelware - egal in welchem Genre. Die Zusammenarbeit von Lucas Arts und der renommierten Spieleschmiede Bioware sorgt aber nun dafür, dass sämtliche Rollenspiel-Anhänger - egal ob Stars-Wars-Fan oder nicht - um "Knights of the Old Republic" wohl nicht herumkommen werden.
Das Spiel erzählt keine parallel zu den Filmen bekannte Story, sondern ist zeitlich gut 4000 Jahre vor Darth Vader und Luke Skywalker angesiedelt. Friedlicher ist das Szenario allerdings deshalb noch lange nicht: Ein schwerer Krieg - ausgelöst von den abtrünnigen Sith - erschüttert die ganze Galaxis, die guten Jedis haben große Probleme, sich der Übermacht zu erwehren. Da kommt der Spieler gerade recht: Durch ein stetiges Ausbauen der eigenen Talente und Fähigkeiten soll er die Schlacht entscheiden - und zwar wahlweise für das Gute oder das Böse.
Diese Entscheidung trifft man nicht zu Spielbeginn, sondern erst im Spielverlauf - und selbst da hat man immer wieder die Möglichkeit, seine Geschicke in eine neue Richtung zu lenken. Denn KOTOR gibt einem immens viel Freiheit bei fast allen Aktionen und Gesprächen: Zahlt man beim Händler freiwillig den geforderten Preis, feilscht man oder droht man ihm, um das gewünschte Stück kostenlos zu erhalten? Befreit man einen Gefangenen, oder verschachert man ihn für teures Geld an die Sklavenhändler? Derartige Fragen stellt man sich immer wieder - und die Beantwortung nimmt immer ziemlich direkten Einfluss auf den Spielablauf.
Wer einen der früheren Bioware-Titel wie Baldur's Gate oder Neverwinter Nights gespielt hat, wird zweifellos erkennen, dass hier dieselben Entwickler am Werk waren - die grundsätzlichen Spielelemente wie Reden, Kämpfen, das Abarbeiten von Quests sowie die zahlreichen Rätsel folgen oft einer bereits bekannten Struktur, zudem implementierte man wieder das bekannte D&D-Regelwerk. Die neue Optik - schickes 3D aus der Verfolgerperspektive - kann also nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bioware zum Großteil auf Bewährtes zurückgegriffen hat.
Zu Beginn erstellt man seinen eigenen Charakter, indem man zwischen drei Klassen, dem Geschlecht und diversen optischen Möglichkeiten auswählt. Zu den ersten Aufgaben zählt es dann, ein eigenes Schiff - die Ebon Hawk - zu organisieren, das im weiteren Spielverlauf als Dreh- und Angelpunkt dient und mit dem man die Wege zwischen den einzelnen Planeten und Orten wie Tatooine, Dantooine oder Kashyyk zurücklegt. Im Spielverlauf kann dann praktisch immer per Knopfdruck auf das Schiff zurückgekehrt werden.
Der Rest der eigenen Party - insgesamt schließen sich dem Spieler mit der Zeit neun weitere Charaktere an - versammelt sich ebenfalls auf dem Raumgleiter. Die Crew ist den Entwicklern wirklich gut gelungen: Nicht nur, dass jeder einzelne von ihnen über eine eigene interessante Biografie verfügt, auch die Gespräche zwischen den Team-Mitgliedern sind teilweise immens witzig mit anzuhören. Das liegt auch an der fantastischen und immens umfangreichen Sprachausgabe - praktisch jedes Gespräch wurde professionell und stimmungsvoll vertont.
Unterwegs ist man meist allerdings nicht mit der ganzen Truppe, sondern wird nur von zwei anderen Personen begleitet. Für die einzelnen Aufgaben - vor allem die Kämpfe - empfiehlt sich dabei eine intelligente Auswahl, schließlich hat jeder Charakter andere Stärken, etwa im Nah- oder Fernkampf. Attackiert wird dabei automatisch, sobald ein Gegner ins Sichtfeld kommt, natürlich sollte man den Gefechten meist aber nicht völlig freien Lauf lassen, sondern sie lieber durch geschickten Einsatz der möglichen Waffen und Talente in die gewünschte Richtung lenken. Hierzu kann die Action einfach pausiert werden, per simplem Mausklick werden dann ganz einfach gleich mehrere Aktionen ausgewählt, die dann nach und nach abgearbeitet werden - letztendlich also auch wieder ein rundenbasierter Ablauf.
An verschiedenen Waffen herrscht kein Mangel, unter anderem gibt es Minen oder diverse Blaster, im Spielverlauf - mit wachsenden Jedi-Fähigkeiten - kommt dann allerdings den Lichtschwertern eine immer größere Bedeutung zu. Auch die Jedi-Fähigkeiten wie etwa der Lähm-Zauber oder das "Überreden" lassen sich so mit der Zeit immer effektiver anwenden.
Die Quests sind recht abwechslungsreich, vom Aufstöbern eines gestohlenen Motors bis zur Infiltration von Basen ist praktisch alles dabei. Ein Quest-Buch sorgt dafür, dass man trotz der unzähligen Handlungsoptionen nicht so schnell den Überblick verliert. Wie man die einzelnen Aufgaben löst - beispielsweise mit Waffen-Gewalt, Gehirnwäsche oder auf die freundliche Art und Weise - ist wiederum jeweils dem Spieler überlassen.
Hat man vom umfangreichen Abenteuer erst mal genug, kann man sich in einem Mini-Spiel vergnügen und beispielsweise eine Runde Karten spielen, sich an einem Swoop-Rennen beteiligen oder in kleineren Action-Einlagen den Baller-Finger trainieren. Glücklicherweise kann das Spiel auch jederzeit beendet und an derselben Stellen wieder aufgenommen werden - ein echtes Quicksave sorgt dafür, dass auch nach dem eigenen Ableben ein Neustart ohne größeren Frust möglich ist.
Der spielerischen Pracht steht auch eine begeisternde Optik zur Seite - die 3D-Landschaften überzeugen durch stimmungsvolle Szenarien und zahlreiche Details. Über einen leistungsfähigen PC sollte man allerdings verfügen, um das Spiel wirklich genießen zu können, erst ab einem Pentium 4 und recht aktueller Grafikkarte lässt sich der Titel auch in hohen Auflösungen ruckelfrei mit allen Details anzeigen. Akustisch gibt es ebenfalls nichts zu meckern - die stundenlange Sprachausgabe überzeugt ebenso wie der atmosphärische Soundtrack.
Die Spielzeit hängt stark vom jeweiligen Vorgehen des Spielers ab, selbst eifrige Zocker werden aber mindestens 25 Stunden brauchen, um die komplette Welt zu erkunden. Da der Wiederspielwert auf Grund eines alternativen Endes aber recht hoch ist lohnt es sich zweifellos, erst als böser, dann als guter Jedi das Spiel zu absolvieren.
Auch wer bereits die vor einigen Monaten erschienene Xbox-Version des Spiels kennt, sollte einen Blick auf die PC-Fassung werfen: Viele Charaktere haben detailliertere Textursets bekommen, auch die Szenarien wurden teilweise nachbearbeitet. Zudem wurden eine neue Raumstation und viele weitere Gegenstände wie Rüstungen, Waffen und Lichtschwertkristalle hinzugefügt.
Fazit: Nach Baldur's Gate und Neverwinter Nights hat Bioware auch mit Knights of the Old Republic ganze Arbeit geleistet und eines der besten PC-Rollenspiele der letzten Monate erschaffen. Vor allem die Handlungsfreiheit begeistert - immer hat man mehrere Möglichkeiten, um vorwärts zu kommen, beständig darf mit der dunkeln oder der hellen Seite der Macht geflirtet werden. Sowohl Star-Wars-Fans als auch Freunde guter Rollenspiele dürfen sich den Titel somit eigentlich nicht entgehen lassen.