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Spieletest: Lock On - Jetflugsimulation mit Anspruch

Komplexes Flugspiel von Eagle Dynamics. Von der russischen Softwareschmiede Eagle Dynamics ist nun nach den richtungsweisenden Flugsimulatoren Flanker und Flanker 2 das ebenfalls in diesem Genre angesiedelte Lock On – Modern Air Combat erschienen. Die Jetsimulation beinhaltet acht fliegbare Modelle und Dutzende von Computer-kontrollierten Flugzeugen, Hubschraubern, Schiffen, Panzern und anderes Kriegsgerät.
/ Andreas Donath
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Lock On – Modern Air Combat ermöglicht das Fliegen in dem Erdkampfflugzeug A-10A Warthog und dem russischen Gegenstück Su-25 Frogfoot sowie in dem F-15C Eagle, dem Su-27 Flanker B, der MiG-29 Fulcrum A und C sowie in Su-33 Flanker D und einer "deutschen" MiG-29. Nach Herstellerangaben sind zudem 180.000 Gebäude, 21 Städte und 1.700 Dörfer sowie 500 Brücken, 18 Flugfelder und 8 Marinestützpunkte im Spiel vorhanden.

Das Spiel-Szenario ist in der Region rund um das Schwarze Meer angesiedelt und beinhaltet neben der Krim den östlichen Kaukasus. Das Terrain und auch die zahllosen 3D-Objekte wirken realistisch und das erste Mal sind auch dreidimensionale Bäume zu sehen, die gerade im Tiefflug deutlich mehr Realismus vermitteln als plattgewalzte Texturen, wie man sie sonst bei Flugsimulationen sieht.

In Lock On – Modern Air Combat wird außerdem ein erhebliches Gewicht auf realistische Funkkommunikation sowohl in der Luft als auch am Boden gelegt – und zwar je nachdem, auf welcher Seite man spielt, in der jeweiligen Landessprache, was dem nicht allzu sprachgewandten Spieler Schwierigkeiten bereiten dürfte.

Ebenso sind die russischen Cockpit-Beschriftungen, Waffensysteme und Ähnliches nicht übersetzt worden, was viel Einarbeitungszeit verlangt. Leider ist das unglaublich detaillierte Cockpit auch nicht mit der Maus zu bedienen, sondern lediglich optisches Beiwerk. Eine herausnehmbare Übersicht der Tastatur-Belegung fehlt leider völlig – die im Handbuch hinterlegte Liste in Miniaturschrift ist dafür kein Ersatz.

Das Spiel beinhaltet neben rund drei Dutzend Missionen und Kampagnen für jedes Flugzeug auch einige Trainingsmissionen, einen Schnellstart sowie einen ausführlichen Missionseditor, mit dem man die Szenarien selbst festlegen, speichern und mit anderen Spielern austauschen kann. Dazu kommt ein Multiplayermodus für bis zu 32 Spieler, die sich im LAN oder zumindest zu sechst über das Internet aneinander messen können – entweder mit- oder gegeneinander.

Die Flugsimulation bietet fein regulierbare Schwierigkeitseinstellungen, so dass man eigentlich auch als Anfänger keine Probleme mit dem Spiel bekommen sollte. Leider ist dies nur theoretisch der Fall – tatsächlich wird der Spieler mit einer schier unglaublichen Tastenkombinationsflut überfordert.

Leider erlauben auch die Trainingsmissionen nicht wirklich eine Erlernung der Handhabung der Flugzeuge – dafür sind sie viel zu anstrengend, wenig pädagogisch und schlicht langatmig. Auch das beigelegte 50-Seiten-Kurzhandbuch oder das auf der CD versteckte PDF-Handbuch helfen dabei leider nur unzureichend. So dürfte Lock On – Modern Air Combat für viele Käufer ein Frusterlebnis werden. Dies bedeutet allerdings nicht, dass das Spiel je nach Bemühung nach einer rund ein- bis zweiwöchigen Eingewöhungszeit nicht doch Spaß machen kann.

Die Grafik des Spiels belohnt den Spieler mehr als nur einmal für die Mühen. Die Landschaften und die Flugzeuge sowie die Fahrzeuge sehen sehr realistisch aus – wobei allerdings bei den Waffeneffekten doch sehr auf Hollywood-Effekte gesetzt wurde. Ein besonderes Kapitel sind die Wettereffekte, die bislang vor allem bei den Wolken, bei Regen und in der Nacht kaum so wirklichkeitsgetreu in einer militärischen Flugsimulation nachgeahmt wurden.

Die Hardwareanforderungen des Spiels sind dann auch enorm hoch. Ohne einen 1,6-GHz-Rechner mit einer Grafikkarte wie einer Radeon 9500 kann man nicht erwarten, einen flüssigen Spielverlauf in höheren Auflösungen zu erreichen. Empfohlen wird ein 2,8-GHz-Rechner mit mindestens 512 MByte RAM und einer Grafikkarte in der Leistungsklasse einer Radeon 9700, damit man auch in Auflösungen von über 1.024 x 768 in allen Details flüssig spielen kann.

Fazit:
Lock On – Modern Air Combat hätte ein gutes Spiel werden können, wenn sich die Entwickler etwas mehr den Anfängern gewidmet und dem hohen Komplexitätsgrades der Flugsimulation mit sinnvollen Tutorials, einem besseren und gedruckten Handbuch und mehr Hilfefunktionen auch während des Spiels entgegengekommen wären. Diejenigen, die sich dennoch aus dem Einsteigerstadium lösen konnten, wird der hohen Realismusgrad und die unglaubliche Grafik entschädigen – für die Thematik gibt es zurzeit einfach keinen besseren Simulator.


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