Kommandoeinheit im Konflikt auf der koreanischen Halbinsel. Mit Korea – Forgotten Conflict greifen die Entwickler Plastic Reality und Vidis ein bislang recht selten verwendetes Thema auf: den Koreakrieg von 1950 bis 1953 zwischen dem kommunistischen Nordkorea und Südkorea. Ähnlich wie bei Commandos steuert der Spieler dabei ein Team aus maximal fünf Spezialisten, die hinter den feindlichen Linien operieren.
Das Einsatzteam besteht aus Waffenexperte, Techniker, Scharfschütze und Ärztin sowie einem koreanischen Überläufer, der als Spion agiert. Die Fähigkeiten dieser Charaktere muss der Spieler geschickt kombinieren, um in den zwölf Missionen der Kampagne unterschiedlichste Aufgaben erfüllen zu können. Diese reichen von Sabotage – etwa dem Sprengen von Flugabwehrstellungen – bis hin zur Befreiung von Kriegsgefangenen. Jede Mission enthält dabei mehrere Teilziele, die in einer vorgegebenen Reihenfolge erledigt werden müssen. Allerdings stehen die Missionen in keinem logischen Zusammenhang zueinander.
Die ersten zwei Missionen dienen dem Spieler als Tutorial und erläutern die Funktionsweise des Spiels. Leider bleiben hier einige Fragen unbeantwortet, so dass ein Blick ins Handbuch nötig ist. Erschwerend kommt hinzu, dass Korea – Forgotten Conflict nur teilweise lokalisiert wurde. Die Sprachausgabe während des Missions-Briefings und der kurze Zwischenbericht sind auf Englisch und Deutsch untertitelt. Auch die Kommentare der Einheiten sind englisch und lassen sich nicht deaktivieren.
Die Vorgehensweise in den Missionen erinnert sehr stark an das Spiel Commandos. Die gegnerischen Soldaten patrouillieren durch das Gebiet und überwachen einen bestimmten Bereich. Die strategische Aufgabe besteht darin, eine Lücke in der Überwachung zu finden oder mit Hilfe von Zigarettenschachteln und alkoholischen Getränken selbst zu schaffen. So neutralisiert man Gegner für Gegner im Nahkampf. Um virtuelles Blutvergießen kommt der Spieler nicht herum – K.o. schlagen und fesseln gibt es im Spiel nicht.
Wer es lauter mag, kann auf gebräuchliche Schusswaffen jener Zeit zurückgreifen. Allerdings ziehen Lärm und reglose Gegner die Aufmerksamkeit umherstehender Wachen auf sich, weswegen der Spieler sich dem Blickfeld des Gegner entziehen sollte. Zwar kann die Blickrichtung des Gegners eingeblendet werden, aber der Blickwinkel wird nicht dargestellt. Sollte hin und wieder ein koordiniertes Vorgehen der Teammitglieder notwendig sein, kann der Spieler einen Taktik-Modus wählen. Dieser pausiert das Spiel und lässt den Spieler Wegpunkte und Befehle für jede Spielfigur zuweisen.
Größtenteils ist die künstliche Intelligenz der Gegner gut ausgeprägt, aber hin und wieder vergessen alarmierte Wachen den Grund ihrer Aufregung oder sie ignorieren ihre regungslosen Kameraden. Gründe für das Fehlverhalten könnten manchmal Clipping-Fehler sein, wenn zum Beispiel ein Gegner zu Boden stürzt und damit wortwörtlich vom Erdboden verschlungen wird. Leider kann das auch den eigenen Charakteren oder Gegenständen passieren, die dann nicht mehr auffindbar sind.
Die Steuerung der Spielfiguren erweist sich als sehr gewöhnungsbedürftig, da Aktionen manchmal mit der linken, manchmal mit der rechten Maustaste ausgeführt werden müssen. Das Interface ist aufgeräumt, gibt aber in den Tooltipps keinen Hinweis auf Tastaturkürzel. So muss auch hier wieder das Handbuch zu Rate gezogen werden. Die Charaktere können auch Fahrzeuge vom Jeep bis zum Panzer nutzen, sofern sie über die entsprechende Qualifikation verfügen. Die Steuerung der Fahrzeuge ist typenübergreifend identisch. Das bedeutet auch, dass ein Panzer untypischerweise nicht auf der Stelle drehen kann.
Der Bildausschnitt ist auch bei maximaler Zoomstufe ausgesprochen klein, so dass der Spieler immer wieder scrollen muss. Hinzu kommt, dass sich die maximale Höhe der Kamera am Meeresspiegel orientiert. Je höher das Terrain, desto geringer fällt die Übersicht aus. Die Kamerasteuerung ist nicht gerade intuitiv. Beim Scrollen mit gedrückter dritter Maustaste – meist das Mausrad – scheinen die Achsen vertauscht zu sein, denn üblicherweise bewegt sich der Boden parallel zur Maus. Bei zusätzlich gedrückter Umschalt-Taste lässt sich die Kamera nur unkontrolliert drehen. Eine Mini-Karte und Drehungen in 90-Grad-Schritten wären überaus hilfreich.
Die Schwächen in der Steuerung sind wirklich bedauernswert, denn optisch weiß Korea – Forgotten Conflict durch detaillierte Städte, Häfen und Bahnhofsanlagen zu überzeugen. Die großen Gebiete von subtropischer Insel bis zu den verschneiten Regionen im Norden wirken mit ihren Wettereffekten ziemlich realistisch. Laut Entwickler ist die 3D-Umgebung komplett interaktiv, aber im Test war es beispielsweise nicht möglich, auf ein Fass zu feuern.
Der Detailreichtum verlangt nach einem 1,4-GHz-System, einer Grafikkarte mit 64 MByte und 512 MByte Arbeitsspeicher. Auf der Festplatte belegt Korea rund 700 MByte. Dieses empfohlene System bezieht sich auf eine 1.024er-Auflösung ohne Anti-Aliasing. Bei einer 1.600er-Auflösung kommen selbst aktuelle Pentium-4-Systeme ins Stocken.
Das Spiel hat eine USK-16-Empfehlung und ist für etwa 40,- Euro im Handel erhältlich.
Fazit: Korea – Forgotten Conflict ist ein durchaus annehmbarer Strategie-Titel, auch wenn einige Fehler bei der Steuerung hätten vermieden werden können. Das detaillierte dreidimensionale Spielterrain ist schön anzuschauen und die abwechslungsreichen Missionen sorgen auch für eine länger anhaltende Motivation. Fans der Commandos-Reihe könnten auf Grund der Schwächen in der Bedienung und – im Vergleich zu Commandos 3 – fehlenden Aktionsmöglichkeiten enttäuscht werden. Wer auf den dritten Aufguss des Ur-Klassikers keinen Wert legt, kann aber getrost einen Blick auf den Neuling Korea riskieren. [Von Alexander Vock]