Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Spieletest: Prince of Persia - The Sands of Time

Schweres Action-Spiel, famos präsentiert. Eine Legende kehrt zurück: Mit "Prince of Persia" für DOS machten viele PC-Besitzer vor über zehn Jahren ihre ersten Computerspielerfahrungen, spätere Versuche einer Neuauflage – allen voran das missglückte "Prince of Persia 3D" – konnten allerdings nie so richtig an den Charme und die Klasse des Originals anknüpfen. Mit "The Sands of Time" veröffentlicht Ubi Soft nun allerdings einen neuen Titel mit dem persischen Prinzen, der den legendären Namen absolut zu Recht trägt.
/ Thorsten Wiesner
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Der Prinz sitzt ziemlich tief in der Patsche: Nachdem er auf der Suche nach mächtigen Artefakten eine magische Sanduhr zerstört hat, versinkt das persische Königreich im Chaos. Die Bewohner des ganzen Reiches verwandeln sich in seltsame Bestien, und nur der Prinz, der Wesir und die schöne Prinzessin Farah können der Verwandlung entgehen. Jetzt heißt es, wieder zur zerstörten Sanduhr zu gelangen – und dabei das Unglück so gut es geht rückgängig zu machen. Der Weg dorthin ist allerdings lang und für Action-Einsteiger auch fast schon zu beschwerlich – als Prinz muss man sich nämlich nicht nur unzähliger Feinde erwehren, sondern auch diversen Fallen entgehen, kleinere Denkrätsel lösen und viele Geschicklichkeitspassagen überwinden.

Die Kämpfe sind dabei meist noch das geringste Problem – zwar stellen sich einem auch mal sechs Feinde gleichzeitig in den Weg, mit ein bisschen Übung wird man aber selbst mit einer derartigen Übermacht auf Grund der vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten fertig. Zum einen ist der Prinz sehr wendig – akrobatische Mehrfachsprünge, gekonnte Angriffe mit Dolch und Schwert und kurzzeitige Wandläufe im Matrix-Stil helfen dabei, die Gegner zu verwirren. Des Weiteren verfügt man aber auch über die Fähigkeit, die Zeit zu beeinflussen – und so etwa im besten Max-Payne-Stil eine Bullet Time zu aktivieren oder aber auch die Kontrahenten kurzzeitig einzufrieren.

Zusätzlich lässt sich die Zeit sogar um einige Sekunden zurückdrehen. Ist man in einem Kampf etwa unterlegen, kann man kurz nach dem finalen Dolchstoß die letzten Aktionen zurückkurbeln und es noch einmal versuchen. Natürlich steht diese Funktion nicht unbegrenzt zur Verfügung, durch das Besiegen feindlicher Zombies oder an bestimmten Sammelpunkten lässt sich die hierfür benötigte Sand-Energie aber wieder auffüllen.

Wirklich haarig wird es bei den unzähligen Geschicklichkeitsherausforderungen: Da muss man an sich bewegenden Sägebrettern vorbeispringen, schwankenden Holzbalken ausweichen oder aber auf rotierenden Plattformen landen. Als wäre das nicht schon schwer genug, macht einem auch noch die oftmals störrische Kamera zu schaffen. Zwar lässt sie sich manuell nachjustieren, an vielen Stellen bleibt sie aber trotzdem hängen und man muss sich auf sein Glück verlassen – was meistens schief geht.

Da sind die kleinen Knobeleinlagen, in denen man etwa ein Labyrinth durchqueren oder einen Lichtstrahl umlenken muss, schon deutlich angenehmer. Auch hier kommt durch Zeitvorgaben aber oft Hektik ins Spiel: Hat man das Ziel nicht innerhalb eines vorgegebenen Limits erreicht, schließt sich zum Beispiel ein Tor und man muss die Aufgabe von vorne beginnen. Die relativ fair verteilten Speicherpunkte sorgen allerdings dafür, dass man nicht allzu viel vom Spiel wiederholen muss.

Über weite Strecken des Spiels ist man übrigens nicht alleine unterwegs, sondern wird von Prinzessin Farah begleitet. Die handelt fast vollkommen selbstständig, ist für das Vorwärtskommen aber unabdingbar – so quetscht sie sich etwa durch dünne Vorsprünge und öffnet so neue Wege, die dem Prinzen sonst nicht offen stehen würden. Zudem sorgt sie für zahlreiche erheiternde Spielmomente – die sich im Spielverlauf immer stärker abzeichnende Liebesgeschichte und die bissigen Kommentare, die sich die beiden zuwerfen, sind teilweise schon eine Klasse für sich.

Überhaupt ist die Präsentation durch und durch gelungen: Die wunderschönen Render-Sequenzen, die immer wieder die Story vorantreiben, überzeugen voll und ganz, aber auch die Spielgrafik ist äußerst liebevoll, detailreich und atmosphärisch – sowohl auf der PlayStation 2 als auch auf dem PC. Auf Dauer nervt allerdings der etwas übertriebene Weichzeicher-Look ein wenig, weniger Verwisch-Effekte hätten es sicherlich auch getan.

Abgesehen von der oftmals unglücklichen Kamera geht die Steuerung per Tastatur und Maus am PC oder per Pad an der PlayStation 2 sehr gut von der Hand. Xbox- und Gamecube-Besitzer haben übrigens Pech: Während die Versionen für ihre Konsolen in den USA bereits erhältlich sind, muss man sich hier zu Lande bis 2004 gedulden, da Publisher Ubi Soft einen Exklusiv-Vertrag mit Sony unterzeichnet hat und somit erst mal nur die PlayStation 2 von den aktuellen Konsolen bedient wird.

Fazit:
Prince of Persia – Sands of Time tritt ein würdiges Erbe des PC-Klassikers an – das Spiel ist hinsichtlich der Atmosphäre und der Präsentation ein wirklicher Hit geworden, und auch das Gameplay begeistert weitgehend. Der hohe Schwierigkeitsgrad macht den Titel in Verbindung mit der etwas unglücklichen Kameraführung allerdings zu einer wirklichen Profi-Sache – Gelegenheitsspieler werden wohl schon bald gefrustet den Prinzen alleine seines Weges ziehen lassen.


Relevante Themen