Spieletest: Tony Tough - Click-Adventure mit schrägem Held
Bekannte Comedy-Stars wie Monty Arnold als Sprecher engagiert. Vom Erfolg des grandiosen Runaway motiviert hat der Hamburger Publisher dtp eine ganze Reihe neuer Adventures ins Programm aufgenommen, die Anhänger klassischer Point&Click-Spiele begeistern sollen. Mit Tony Tough steht seit kurzem einer dieser Titel im Handel, der auf Grund seines teils recht drastischen Humors schnell viele Freunde finden dürfte.
Tony Tough ist nicht gerade der Held, dem allzu bald ein Coolness-Preis verliehen wird – wer erst im Alter von 30 Jahren bei seinen Eltern auszieht, von Yoko Ono träumt und eine Brille mit untertassengroßen Gläsern trägt, kann sich des Spotts seiner Mitmenschen sicher sein. Den guten Tony stört das allerdings herzlich wenig, schließlich ist er Privatdetektiv, und da gewöhnt man sich schnell daran, von seinen Mitmenschen schräg angeschaut zu werden.
Tonys bester Freund ist folgerichtig auch kein Mensch, sondern ein rosafarbener Tapir. Und als der in einer Halloween-Nacht entführt wird, rückt Tony natürlich sofort aus, um ihn wieder ausfindig zu machen. Dabei stößt er noch auf eine ganze Reihe weiterer Ungereimtheiten – unter anderem werden den kleinen Kindern alle ihre Süßigkeiten geklaut. Blöd nur, dass die ganzen Charaktere, die Tony helfen sollen, mindestens genauso skurril sind wie er selbst – eine bärtige Frau und eine beständig nach Süßigkeiten gierende Oma gehören noch zu den harmlosesten Typen im Spiel.
Was folgt, ist recht typische Adventure-Kost im Stile früher Lucas-Arts-Titel: Man bewegt sich von Bildschirm zu Bildschirm, sucht die jeweiligen Hintergründe nach aufnehmbaren Objekten ab und kombiniert diese dann munter miteinander, um zahlreiche Rätsel zu lösen. Die simple Maussteuerung, mit der sich per Klick Gegenstände aufheben, untersuchen und benutzen lassen, ist intuitiv und einfach gelöst und geht einem schon nach wenigen Minuten in Fleisch und Blut über.
Verantwortlich für den teilweise recht deftigen Humor sind die zahlreichen Gespräche mit den unterschiedlichen Charakteren – Witze unter der Gürtellinie sind dabei an der Tagesordnung, zudem hat Tony zu fast jedem Gegenstand und Ereignis immer noch einen recht trockenen und meist witzigen Spruch parat. Dtp hat hier viel Geld in die Synchronisation gesteckt und eine Riege bekannter Comedy-Stars wie Monty Arnold, Markus Maria Profitlich, Ingo Appelt und Marco Rima verpflichtet – eine Investition, die sich definitiv ausgezahlt hat, denn die Sprachausgabe ist eine Klasse für sich.
Über die Grafik lässt sich das nicht so ohne weiteres sagen, man merkt dem Spiel recht deutlich an, dass die italienischen Entwickler es in ihrem Heimatland bereits 1999 auf den Markt brachten. Man fühlt sich unweigerlich in die Zeit von Day of the Tentacle und Sam & Max zurückversetzt, was allerdings dem Spielspaß keinen Abbruch tut: Trotz eher mickriger Optik, die von dtp durch Schärfung der Bilder des italienischen Originals minimal aufgewertet wurde, ist die Atmosphäre und die Stimmung rundum gelungen.
Einzig negativ fällt im späteren Spielverlauf der heftig ansteigende Schwierigkeitsgrad auf – kann man zu Beginn noch recht logischen Denkmustern folgen, um die einzelnen Aufgaben zu lösen, sind später schon sehr verquere Gedankengänge gefragt, um weiterzukommen, was doch für einigen Frust sorgt.
Tony Tough ist ab sofort für PC zum Preis von knapp 40 Euro im Handel erhältlich. Die USK-Freigabe liegt auf Grund des nicht immer jugendfreien Humors bei 16 Jahren.
Fazit: Sicherlich ist Tony Tough nicht ein derartiges Highlight wie Runaway oder Syberia – dafür fehlt dem Titel einfach in puncto Präsentation und Atmosphäre noch das gewisse Etwas. Für Fans klassischer Point&Click-Adventures ist das Spiel dennoch eine wirkliche Empfehlung, denn trotz antiquierter Optik sorgen die einfache Bedienung, die gelungene Synchronisation und die abgedrehte Handlung für ein sehr vergnügliches und auch recht umfangreiches Abenteuer.