Spieletest: Railroad Tycoon 3 - Wirtschaft auf Schienen
Fortsetzung der Wirtschaftssimulation fährt auf ausgetretenen Gleisen. Wie in den Vorgängerversionen wird auch in Railroad Tycoon 3 von PopTop Software die Eisenbahngeschichte in verschiedenen Regionen der Welt nachempfunden. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Industriellen im vorigen Jahrhundert auf der Jagd nach Profit und führt die Züge auf drei Kontinenten und 25 Szenarien bis in die Zukunft.
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Die Szenarien innerhalb der Kampagnen können in beliebiger Reihenfolge gespielt werden, jedoch empfiehlt sich ein chronologisches Vorgehen. So beginnt das Spiel Mitte des 19. Jahrhunderts im amerikanischen Osten. Die Wirtschaft boomt und Fabriken müssen mit Gütern versorgt werden. Insgesamt gibt es 35 Gütergruppen, die in einer Produktionskette vom Rohstoffproduzenten über die Weiterverarbeitung bis hin zum Verbraucher transportiert werden wollen. Railroad Tycoon 3 bietet hier ein neu überarbeitetes Wirtschaftssystem, das auch ohne den Einsatz der Eisenbahn tadellos funktioniert.
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Wie schon in der Zeit vor der Erfindung der Dampflok existiert ein Netz aus Zwischenhändlern und Verteilern, die auf herkömmlichen Wegen die Fracht über Land oder Wasser transportieren. Aus Vereinfachungsgründen muss aber nicht jedes einzelne Gut in einer Produktionskette bewegt werden. Eine Gießerei beispielsweise produziert Stahl auch ohne Eisenzufuhr. Das Spiel sorgt auch automatisch dafür, dass anstelle der teuren Bahnstrecke entlang eines Flusses der Wasserweg selbst genutzt wird.
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Ausführliche Übersichtskarten informieren den Spieler über Angebot und Nachfrage sowie verfügbare Güter und deren Preise. Während das Spiel pausiert, kann der Spieler die lukrativsten Strecken erkunden, bevor auch nur eine Schwelle gelegt worden ist. Einzige Ausnahme bilden so genannten Expressgüter wie Passagiere und Post, die möglichst direkt von A nach B befördert werden sollen. Hier entsteht die Nachfrage erst mit der Existenz der Bahnstrecke. Zusätzlich kann der Spieler unter anderem Hotels und Restaurants in Bahnhofsnähe bauen, um den Personenverkehr anzukurbeln.
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Das typische Ziel eines Szenarios lautet zum Beispiel: "Bauen Sie bis 1860 eine Bahnstrecke von Boston nach Buffalo". Für dieses Ziel erhält der Spieler eine Bronzemedaille. Silber- oder Gold-Auszeichnungen gibt es, wenn das Hauptziel in kürzerer Zeit erreicht und dabei mehr Geld erwirtschaftet wurde. Aber das große Geld wird in Railroad Tycoon 3 nicht auf der Schiene, sondern mit der Industrie verdient, denn die Fabriken profitieren am meisten vom schnellen Warenumschlag. Der clevere Tycoon kauft folglich Fabriken, bevor sie ans Streckennetz angeschlossen werden und sorgt im Anschluss dafür, dass seine eigenen Güter schnell transportiert werden. Mit diesem doppelten Profit werden dann selbst anspruchsvollere Ziele erreicht.
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Beim Interface wurden zwar Überarbeitungen vorgenommen, Kennern des mittlerweile fünf Jahre alten Railroad Tycoon 2 sollte es jedoch außerordentlich bekannt vorkommen. Mit wenigen Klicks werden Gleise verlegt oder Versorgungstürme, Wartungshallen und Bahnhöfe platziert. Das Verlegen der Gleise ist ausgesprochen einfach, wenn auch das Terrain häufig die Platzierung erschwert und im dichten Wald die Industrie schwer auszumachen ist. Glücklicherweise bietet Railroad Tycoon 3 die Möglichkeit, Bäume auszublenden und ein Gitternetz über die Oberfläche zu legen. Zusätzlich werden die Steigungen an der Strecke dargestellt, damit der Spieler den sinnvollsten Streckenverlauf abschätzen kann.
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Je nach Szenario und Spielzeit stehen bis zu 40 originalgetreue Lokomotiven von der ersten Dampflok bis zum Hochgeschwindigkeits-Triebwagen zur Auswahl. Grundsätzlich gilt: Je höher die Geschwindigkeit, desto schlechter die Steigleistung. So gibt es für fast jede Strecke die passende Lokomotive.
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Die Einflussmöglichkeiten des Spielers auf den Fahrplan beschränken sich darauf, welche Bahnhöfe angefahren und wie viele Waggons angehangen werden sollen und ob die Ladung den Typen "Fracht", "Express" oder "gemischt" entsprechen soll. Welche Fracht im Einzelnen transportiert und wo sie verkauft wird, regelt sich durch Angebot und Nachfrage selbständig.
Wie bereits erwähnt, liegt der Schwerpunkt von Railroad Tycoon 3 bei der Erzielung von Profiten. Der Zugverkehr ist dabei rein symbolisch als Frachttransport zu verstehen. Nur so lässt sich erklären, dass der Spieler keine Waggons kaufen muss, dass Züge auf der Stelle umkehren und gelegentlich ineinander fahren ohne einen Unfall zu verursachen, und dass es keine Weichen oder Signale gibt. In der Hinsicht nimmt es das ebenfalls neu veröffentlichte Railroad Pioneer etwas genauer. Dieses Verhalten mag den Enthusiasten stören – man sollte allerdings berücksichtigen, dass mit der Animation nur der Warenverkehr symbolisiert, nicht aber naturgetreu simuliert wird.
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Die vom Spiel gesteuerten Kontrahenten stellen eigentlich keine ernstzunehmende Konkurrenz dar. Meist beweist nur einer von ihnen wirtschaftliches Geschick. Die anderen dümpeln vor sich hin und können im weiteren Spielverlauf an der Börse vom Spieler übernommen werden. Dieser Handelsplatz bietet neben der Möglichkeit des Kapitalzuflusses auch die Option, sein privates Guthaben zu vervielfachen oder schlimmstenfalls in Rauch aufzulösen. Für echten Konkurrenzkampf sorgt der Multiplayer-Modus, der auch via Internet für Spannung sorgt.
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Optisch hinterlässt Railroad Tycoon 3 einen sehr guten Eindruck. Die riesigen 3D-Karten lassen sich stufenlos aus einer Satellitenperspektive bis auf Bodenhöhe zoomen und geben zunehmend Details preis. Die detaillierten Gebäude, die Vegetation sowie das animierte Gewässer mit Reflexion und Lichtbrechung sind sehr schön anzusehen. Die Umsetzung der Lokomotiven und Wagons mit dem aufsteigendem Rauch und der nächtlichen Beleuchtung ist ebenfalls tadellos. Leider fehlt auf der Karte jegliches Leben – es gibt weder Tiere noch Banditen, die einem genretypisch das Leben schwer machen könnten. Auch die Städte sind unbelebt.
Wie in der Vorgängerversion ist der Soundtrack ein stimmiger Mix aus Banjo-Musik und Mundharmonika-Solos, der hervorragend in die amerikanischen Szenarien passt, aber in Europa oder Asien schon recht deplatziert wirkt. Passend zur Bewegung der Züge ertönen EAX3-Soundeffekte, aber ansonsten geht es im Raumklangbereich recht ruhig zu. Eine Sprachausgabe gibt es nur im Kampagnen-Menü und zu Beginn eines Szenarios.
Die Installation auf Windows 98/ME/2000/XP verlangt satte 1,2 GByte Festplattenplatz. Die minimalen Systemanforderungen gibt der Hersteller mit 400 MHz-Prozessor, 128 MByte Arbeitsspeicher und einer Grafikkarte mit 16 MByte an.
Fazit: Railroad Tycoon 3 ist ein recht gut gelungener Mix aus Wirtschafts- und Zugsimulation, wobei der Schwerpunkt deutlich im Bereich Wirtschaft liegt. Die intuitive Bedienung, die weitestgehende Automatisierung des Warenverkehrs und die drei Schwierigkeitsgrade machen das Spiel für Genre-Einsteiger und Profis gleichermaßen spielbar und interessant. Wer mehr Wert auf eine realistische Zugsimulation in der Pionierzeit der Eisenbahn legt, sollte auch einen Blick auf Railroad Pioneer werfen – ein Test zu diesem Titel folgt. [von Alexander Vock]