SCO: Open-Source-Entwickler sind chancenlos
Nach Ansicht von McBride verstößt die GNU General Public License gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika und ist auch mit dem europäischen Recht nicht zu vereinbaren. Er argumentiert, die US-Verfassung erlaube dem Kongress die Einführung von Patent- und Urheberrechtsgesetzen, von denen die US-Wirtschaft profitiere. Dies sei zuletzt durch die Verabschiedung des Digital Millennium Copyright Act ("DMCA") geschehen, da ohne ausreichenden Schutz digitale Technologien genutzt werden könnten, um US-Unternehmen zu bestehlen und so der US-Wirtschaft zu schaden, so McBride. Der DMCA sei durch gewählte Vertreter des US-Kongresses beschlossen worden und sollte daher respektiert werden.
Doch, so McBride, eine Gruppe von Softwareentwicklern aus den Vereinigten Staaten und anderen Teilen der Welt glaubt nicht an den vom Kongress abgesegneten Schutz von Urheberrechten. Seit mehr als 20 Jahren versuche die Free Software Foundation wie auch andere, das in den USA und Europa existierende System von Urheber- und Patentrechten zu untergraben.
Die GPL fordere freien und offenen Zugang zu Linux und anderen Software-Quelltexten und verhindere deren proprietäre Nutzung. Damit versuche sie genau den gegenteiligen Effekt zu erzielen, für den Gesetze zum Schutz von Urheberrechten in den USA und Europa geschaffen wurden. Auch andere Unternehmen wie Red Hat würden die Position vertreten, dass Gesetze zum geistigen Eigentum den Fortschritt verhindern.
SCO hingegen nehme eine gegensätzliche Position ein und glaube daran, dass die vom US-Kongress und der Europäischen Union verabschiedeten Gesetze dem Wachstum und der Entwicklung der Software-Industrie und von Technologie im Allgemeinen fördere. Es laufe letztendlich auf eine Frage hinaus, so McBride: "Unterstützt man Urheberrechte und geistiges Eigentum oder unterstützt man 'frei' im Sinne von 'frei von Eigentum', wie es die Free Software Foundation, Red Hat und andere vertreten. Es gibt wirklich nichts dazwischen".
SCO stütze sich auf die mächtigsten Stimmen im demokratischen Prozess, die ihre klare Unterstützung für die Gesetze zum geistigen Eigentum geben, auf die sich SCO nun berufe. Dabei verweist McBride zum einen auf den US-Kongress, zum anderen auf den United States Supreme Court, insbesondere dessen Entscheidung im Fall "Eldred v. Ashcroft". In einem nicht einstimmigen Urteil(öffnet im neuen Fenster) hatte der Supreme Court einer Klage gegen die Verlängerung des urheberrechtlichen Schutzes abgewiesen.
Das Urteil bedeutet in der Auslegung von SCO, dass Profit der beste Motor ist, um die Weiterentwicklung der Wissenschaft zu sichern. Dem würden die FSF und auch Red Hat widersprechen. Verfechter der GPL hingegen seien der Meinung, dass die Eliminierung von Profit und der freie unreglementierte Zugang zu Software Innovation am besten fördere. Dem stehe aber die Entscheidung des Supreme Court entgegen, so SCO weiter.
Es sei auf Basis der Entscheidungen des US-Kongresses wie auch des Supreme Court ein großer Fehler von Software-Unternehmen, auf die GPL zu setzen. Die Positionen der FSF und von Red Hat basierten auf falschen Annahmen und kontraproduktiv in Bezug auf das System des Urheber- und Patentrechts. Verantwortungsvolle Unternehmen würden die GPL nur nutzen, da sie deren langfristige Konsequenzen für die Ökonomie falsch einschätzen würden. "Wir sind uns sicher, dass diese Unternehmen ihre Unterstützung für die GPL zurückziehen und auf einen verantwortungsvolleren Kurs einschwenken werden", so McBride.
Vor diesem Hintergrund werde SCO mit Hilfe des DMCA seine Rechte gegen alle verteidigen, die ihr geistiges Eigentum verbreiten, SCOs Urheberrechtshinweise aus Quelltexten entfernen, es in Linux nutzen oder unter der GPL anbieten. Dieses Vorgehen sei durch die US-Verfassung geschützt. "Wir tun dies, da wir wissen, dass tausende von Open-Source-Entwicklern, die glauben, 'Software sollte frei sein', nicht gegen den US-Kongress und sieben Richter des US-Supreme-Court bestehen können, die glauben, dass 'Profit der beste Motor ist, um die Weiterentwicklung der Wissenschaft zu sichern'", so Darl McBride.
Kommentar: Mc Bride gibt mit seiner Ankündigung weitere Briefe und einen Ausblick auf SCOs weitere Strategie, die offenbar darin besteht, den Rechtsstreit über lange Zeit in der Öffentlichkeit präsent zu halten. Die Antwort von FSF, Red Hat und anderen GPL-Verfechtern auf diesen ersten Brief wird unterdessen wohl nicht lange auf sich warten lassen, enthält McBrides Brief doch konkrete, direkte und harte Vorwürfe an die FSF und Red Hat. Zudem erweckt McBrides Darstellung den Anschein, die GPL sei gegen das Urheberrecht gerichtet, obwohl sie nur auf Basis des Urheberrechts funktionieren kann.
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