Spiel für Xbox, GameCube und PS2. Während die Medal-of-Honor-Reihe von Electronic Arts bislang nur den europäischen und nordafrikanischen Teil des Zweiten Weltkrieges abgedeckt hat, wird in Medal of Honor Rising Sun (PlayStation 2, Xbox und GameCube) nun das Kriegsgeschehen im Kampf zwischen den USA und Japan thematisiert.
Im Spiel, das mit aufwendigen Animationen die Hintergrundgeschichte der jeweiligen Level einläutet und teilweise sogar echtes Filmmaterial zur Illustration verwendet, übernimmt man die Rolle eines amerikanischen Marinesoldaten, der ungünstigerweise am 7. Dezember 1941 auf einem Kriegsschiff der US-Marine in Pearl Harbor auf der hawaiischen Insel Oahu stationiert ist. Ab diesem Datum, das bekanntlich den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Pazifik markiert, wird die Spielfigur in haarsträubende und gefährliche Abenteuer verwickelt.
Zuerst muss man von den sinkenden Kriegsschiffen aus – wie im Film "Pearl Harbor", aus dem die Szenen fast 1:1 übernommen wurden – mit der Bordflak die anfliegenden japanischen Flugzeuge beharken. Danach geht es an die unterschiedlichsten Kriegsschauplätze, darunter nach Guadalcanal und in geheimer Mission nach Singapur.
In Burma trifft der Spieler auf die Engländer und ihre legendären Flying Tigers, muss die Brücke am Quai zerstören und schließlich dann auch noch einem japanischen Oberst hinterherjagen, der einen großen Goldschatz gestohlen hat. Die Schlusslevel spielen gar auf einem japanischen Flugzeugträger. Üblicherweise muss man sich zu Fuß durch die Level kämpfen, in einigen Bereichen kann man aber auch Fahr- und Flugzeuge besteigen und sogar auf einem Elefanten reiten.
Der Spieler nimmt dabei an insgesamt fünf mehrteiligen Missionen teil, die sich über zehn Level verteilen. Neben einem Einzelspieler-Modus gibt es auch die Möglichkeit, die Missionen zu zweit im Multiplayer-Coop zu spielen, wobei hier ein Splitscreen eingeführt wird. Als weitere Multiplayer-Variante gibt es noch einen Teammodus sowie Deathmatch, bei dem auch bis zu vier Spieler teilnehmen können. Dabei geht es allerdings auf dem Fernsehbildschirm schon sehr eng zu.
Im Gegensatz zu den Vorgängerversionen von Medal of Honor kann man in Rising Sun die Wege in den Leveln ein wenig mehr selbst aussuchen – die Gegner tauchen allerdings scriptgesteuert auf wie eh und je, so dass man, falls man einen Abschnitt nicht gleich beim ersten Mal bewältigt, relativ genau abschätzen kann, wo die Gegner stehen. Genauso vorhersagbar ist die Tatsache, dass jedes Mal, wenn man ein feindliches MG-Nest erobert hat, Sekundenbruchteile, nachdem man das MG bemannt hat, ein Haufen Gegner aus dem Nichts auftaucht, die dann zu bekämpfen sind.
Besonders intelligent verhalten sich die Gegner nicht – sie koordinieren ihre Angriffe nicht, gehen äußerst vorhersagbar aus ihrer Deckung wieder heraus und beherrschen einfachste Infanterietaktiken wie beispielsweise Sperrfeuer nicht. Die eigenen Kameraden, die in manchen Leveln auftauchen, verhalten sich nicht viel besser: Ihre Aktionen sind vom Spieler nicht beeinflussbar, ihre Schießkünste sind äußerst beschränkt und bei Bajonettangriffen der Japaner stehen sie oft teilnahmslos herum und fügen sich ihrem Schicksal.
Das bedeutet allerdings keineswegs, dass Medal of Honor Rising Sun keinen Spaß macht – die Atmosphäre ist auch dank des gelungenen Sounds wirklich gut. Die nur sehr rar verteilten und zudem versteckten Speicherpunkte machen das Spiel manchmal zu einer wirklichen Herausforderung, in einigen Fällen aber auch frustrierend schwer.
Die Grafik ist eine zwiespältige Angelegenheit – sind die Anfangssequenzen noch sehr gut gelungen, ärgert man sich später über verwaschene Texturen und wenig Details. Zudem wurde von EA leider kaum Rücksicht auf die unterschiedliche Konsolen-Hardware genommen, so dass das Spiel auf allen drei Konsolen praktisch identisch aussieht.
Die Spiele-DVD enthält einiges Bonusmaterial wie Interviews mit Veteranen, Hintergrundinformationen und als besonderes Bonbon animierte und vertonte Storybords von zwei Leveln, bei denen man sehr schön erkennen kann, wie stark sich das Spieledesign mittlerweile dem Filmgeschäft angenähert hat.
Fazit: Wieder einmal zeigen die Macher der Medal-of-Honor-Reihe mit Rising Sun, dass das Spielegenre bei weitem noch nicht ausgereizt ist und auch für Spielekonsolen tauglich ist. Allerdings hätte die Kampagne umfangreicher sein können – das Game lässt sich problemlos an einem Wochenende durchspielen, so dass man dann schon weitere Mitspieler rekrutieren muss, um langfristig den Spielspaß zu erhalten.