dmmv: Interaktives Fernsehen in Deutschland ausgebremst
Einen Ausweg aus der Misere könnte dem dmmv zufolge eine verstärkte Aufklärungsarbeit für den Standard Multimedia Home Platform (MHP) für interaktive Digital-TV-Anwendungen liefern. Allerdings ist weniger eine Aufklärung der Verbraucher gemeint, sondern vielmehr für Hersteller und Kabelnetzbetreiber. "Ohne die Bereitschaft der Hardwareanbieter, in MHP-fähige Set-Top-Boxen zu investieren, bleibt der deutsche iTV-Markt in den Kinderschuhen" , argumentierte Marcus Garbe von der interacT!V GmbH und Leiter des Arbeitskreises iTV des dmmv.
"Ein Standard wie MHP (Multimedia Home Platform) kann den Nutzern garantieren, dass alle denkbaren, interaktiven Angebote aus einer Box kommen. Gleichzeitig haben alle Marktbeteiligten vom Gerätehersteller über die Entwickler und Inhalteanbieter bis hin zum Sender und Netzwerkbetreiber Investitionssicherheit, weil sie alle mit demselben Standard arbeiten können" , so Garbe weiter. Doch im Moment sorge das Reichweitendefizit vor allem bei Werbetreibenden, Entwicklern und Inhalteanbietern nur für Zurückhaltung.
Dabei sind laut Hardy Heine, dem Leiter des Arbeitskreises Broadband des dmmv, den konkreten MHP-Anwendungen kaum Grenzen gesetzt: "Shopping, Home Banking oder Entertainment wie etwa interaktive TV-Shows oder Werbung – alles ist möglich" . Die Frage nach der alles entscheidenden Killerapplikation gehe hingegen am Kern vorbei und lenke leider immer wieder von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ab, rügte Heine die Zurückhaltung der Wirtschaft in Bezug auf Digital-TV und MHP.
Könnte ein Beispiel des Mobilkommunikationsmarktes aus der Misere helfen? "Die Mobilfunkanbieter haben für einen gewaltigen Push gesorgt, indem sie die Endgeräte subventioniert haben. Denkbar ist, dass – in Analogie zur Mobilfunkbranche – Endgeräte, in diesem Fall also die Set-Top-Boxen bei Abo-Modellen von Plattformbetreibern mitvertrieben werden" , appelierte Heine an den Pioniergeist der Marktpartner. Wichtig sei es, die Massenverträglichkeit der Anwendungen im Auge zu behalten, eine einfache Navigation und Bedienung könne den Content- und Werbepartnern völlig neue Zielgruppen erschließen, prophezeit Heine.
Nur wenige Betreibermodelle würden sich jedoch auf dem Markt entsprechend und vor allem unter MHP-Flagge aufstellen. So gehe derzeit nur ein einziges norddeutsches Unternehmen das Thema mit einem auf MHP-Set-Top-Boxen basierten Abonnement-Modell an, mache auf Geschäftspartnerschaften aufmerksam und schaffe so Mehrwerte für Content-, Geräte- und Reichweitenpartner auch zu Gunsten der Verbraucher. Das kritischste und am dringlichsten zu lösende Problem benennt Garbe wie folgt: Es fehle bei allen Betreibermodellen noch der integrierte Rückkanal, ohne den der Konsument nicht direkt auf Angebote reagieren kann.
Der dmmv hofft nun, mit seinem neugegründeten Arbeitskreis iTV Abhilfe schaffen zu können, indem vor allem Anforderungen und Perspektiven des TV-Nutzers in den Vordergrund gerückt sowie passende Geschäftsmodelle ins Auge gefasst werden. Indem keine technischen Spezifikationsdebatten geführt werden, sollen auch Multimediagenturen, Produzenten, Vermarkter und Softwarehersteller angesprochen werden.
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