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Vorschau: Horizons - Manierliche Drachen und häkelnde Helden

Fantasy-Online-Rollenspiel beweist Potenzial im Beta-Test. Mit "Horizons: Empire of Istaria" will Artifact Entertainment ab Dezember 2003 ein neues Online-Rollenspiel auch in Europa starten, welches sich von der aktuellen Konkurrenz nicht nur durch hübschere Grafik, sondern durch mehr Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung als Held unterscheiden soll. Im Moment steckt Horizons zwar noch in der geschlossenen Beta-Phase, sieht aber schon jetzt recht vielversprechend aus.
/ Christian Klaß
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Die ins Spiel eingebettete Hintergrundgeschichte ist zwar nicht gerade eine Ausgeburt an nie dagewesener Kreativität, schafft jedoch ein konfliktbeladenes Szenario und lässt Spielraum für interessante Events innerhalb des Spiels: Elfen, Drachen, Fiends (Halbdämonen), Gnome, Halb-Riesen, Menschen, Saris (Katzenmenschen), Sslik (Echsenmenschen) und Zwerge kämpfen von ihren letzten Rückzugsgebieten aus gemeinsam gegen Horden von Untoten und versuchen, diesen Stück für Stück wieder die einst fruchtbaren Lande abzuringen.

Dabei sind Drachen nicht nur als unnahbare Wesen im Spiel dabei, sondern können erstmals in einem Online-Rollenspiel auch gespielt werden – inklusive eigener Berufe und Besonderheiten sowie der Aussicht auf die Möglichkeit, irgendwann nicht nur durch die Gegend stapfen, sondern auch fliegen zu können. Ihre Beschränkungen haben jedoch auch Drachen, so dass jede der "lebenden Rassen" ihre Vor- und Nachteile bietet.

Nach der Wahl einer der neun Rassen kann sich der Spieler in einem noch etwas dürftigen Tutorial-Bereich mit Steuerung und den Abenteurer- bzw. parallel zu erlernenden Handwerkerberufen vertraut machen. So ist der Held dann nicht nur ein Meister der Schwertkunst, sondern kann Schwerter etwa auch selbst schmieden oder seine eigenen Rüstungen herstellen.

Unüblich dabei ist, dass Abenteuer- und Handwerker-Berufe beliebig innerhalb des Spiels gewechselt werden können und der Charakter so Erfahrung in verschiedenen Bereichen erlangt. So wird es einem Magier beispielsweise möglich, auch Naturzauber zu wirken, was normalerweise Druiden vorbehalten wäre. Ab bestimmten Fertigkeitswerten ist es dann noch möglich, Spezialisierungsberufe zu erlernen, etwa unter die Elementarmagier, Schamane oder Chaoskrieger zu gehen.

Beim Kampf wurde ein Echtzeit-System gewählt, wie man es z.B. von Dark Age of Camelot gewohnt ist: Angriffs- und Verteidigungsfertigkeiten sowie magische Sprüche unterschiedlichster Art werden nach persönlicher Strategie auf eine Icon-Leiste gezogen, dann bei Bedarf angeklickt und somit ausgeführt. Manaverlust und Erschöpfung werden allerdings nicht berücksichtigt, stattdessen gelten jeweils bestimmte zeitliche Begrenzungen, bis eine Aktion erneut ausgeführt werden kann.

Man darf gespannt sein, ob Horizons noch um mehr Möglichkeiten für Taktik erweitert wird, etwa durch Einflussmöglichkeiten auf die Aktionszeiten. Auch an der Gegner-Intelligenz könnte Artifact noch etwas feilen, um vielleicht auch niedrigstufige Gegner zum Ärgernis werden zu lassen, indem sie vielleicht in bestimmten Regionen als Schwarm angreifen – oder auch mal flüchten. Stirbt ein Horizons-Charakter, taucht er an dem Ort auf, an dem die Seele an einen Schrein gebunden wurde.

Wie es die Handwerkerberufe schon erahnen lassen, ist neben der Zerstörung von Monstern auch die Produktion von Gegenständen nötig, sei es für Aufträge durch Computerspieler, zur Verbesserung des eigenen Charakters oder zum Verkauf an Mitspieler. Neben der Produktion von alltäglichen Werkzeugen, Kleidung, Rüstung und Waffen können Spieler – auch im Team – ganze Häuser bauen, sofern sie die entsprechenden Gerätschaften, Materialien, Fertigkeiten und – beim Hausbau – auch eigenes Land haben.

So können Spielergrüppchen eigene Städtchen errichten, allerdings nur auf dafür vorgesehenen Flächen, so dass ein wirklich willkürliches Siedeln nicht möglich ist. Die gefertigten Gegenstände sollen sich irgendwann auch mit persönlicher Note versehen lassen sowie Charaktere mit Tattoos und Haarschnitten verziert werden können. Für magische Gegenstände sollen gar eigene Grafikeffekte per einfacher Shader-Sprache gebastelt werden können, in der Beta konnten wir davon aber noch nichts sehen. Selbst in der Beta können jedoch schon genügend viele, unterschiedliche Gegenstände hergestellt werden, durch Kombination verschiedener Erweiterungen sollen sich Millionen Variationen ergeben.

Die Grafik der Beta-Version des Spiels kann aber – trotz einiger kleiner Clipping- und Effekt-Fehler – auch ohne diese netten Dreingaben überzeugen: Die Image Alchemy Engine von Intrinsic sorgt mit DirectX-8-Effekten dafür, dass sehr hübsche Landschaft und die detaillierten, gut aussehenden 3D-Geschöpfe dem Rechner einiges abverlangen. Nicht ohne Grund empfehlen die Entwickler ein Pentium-4- oder Athlon-XP-System mit 512 MByte Speicher und mindestens eine GeForce3-Grafikkarte.

Auch der schnellste Rechner kann jedoch nicht verhindern, dass Horizons während der Beta-Phase an unangenehmen Netzwerkproblemen krankt, was inbesondere im Gefecht mit einer Gruppe von Spielern Aktionen erschwert und einen mitunter beim Rennen die Gruppenmitglieder aus den Augen verlieren lässt. Man darf gespannt sein, wie das in der Verkaufsversion aussehen wird und ob das Versprechen, dass das Spiel auch für Modembenutzer spielbar sein wird, nicht gleich zu Anfang durch riesige Update-Downloads ad absurdum geführt wird.

Kommentar:
Bereits in der Beta zeigt "Horizons: Empire of Istaria" das Potenzial, zu einem der Großen im Online-Rollenspiel-Markt werden zu können. Noch müssen die Entwickler allerdings einiges an Arbeit leisten, bis alle auf der Website versprochenen Möglichkeiten im Spiel erlebbar sind. Bis zum 11. Dezember 2003 , der Termin, an dem Atari das Spiel in Europa verkaufen wird, ist – auch wenn das Spiel jetzt schon Spaß macht und fesseln kann – also noch einiges zu tun.

Nachtrag vom 12. November 2003:
Atari hat das Veröffentlichungsdatum überraschender Weise um wenige Tage vorverlegt. Nun soll das Spiel bereits am 5. Dezember 2003 erhältlich sein, um das Weihnachtsgeschäft stärker nutzen zu können.


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