Test: N-Gage - Nokias Spiele-Handy enttäuscht
Neben einem integrierten UKW-Radio kann das N-Gage auch als portabler Musikspieler genutzt werden, da die Wiedergabe von MP3- und AAC-Dateien möglich ist. Abgelegt werden die Songs – oder wahlweise auch andere Daten – auf der mitgelieferten MMC-Karte, die über eine Speicherkapazität von 32 MByte verfügt. Etwas seltsam: MP3-Files können über die Lautsprecher des N-Gage ausgegeben werden, zur Nutzung des Radios hingegen muss das mitgelieferte Headset angeschlossen sein. Zwar ist es verständlich, dass das Headset als Antenne benötigt wird, trotzdem erklärt das aber nicht, warum nicht zumindest bei angeschlossenem Headset zusätzlich eine Radio-Wiedergabe über die Lautsprecher möglich ist. Per USB-Kabel lässt sich das N-Gage mit dem PC verbinden und so mit Musik füttern. Nachteil des Ganzen: Der Bootvorgang des N-Gage dauert deutlich länger als bei anderen Handy-Modellen, da beim Starten unter anderem wohl auch immer der Inhalt der Speicherkarte geprüft wird.
Auch ansonsten wird nahezu alles unterstützt, was man sich als Handy-Besitzer wünschen kann: Neben SMS können MMS verschickt werden, das interne Bluetooth-Modul erlaubt zudem das Abgleichen von Daten mit anderen Bluetooth-fähigen Endgeräten. Einzig eine Kamera – mittlerweile ebenfalls Standard in gut ausgerüsteten Mobiltelefonen – gehört nicht zum Funktionsumfang.
Mit Abmessungen von 133,7 x 69,7 x 20,2 mm (L x B x T) ist das Gerät zwar deutlich größer als normale Standard-Handys, aber immer noch schmal genug, um problemlos in der Jackentasche zu verschwinden. Das Gewicht von 137 Gramm ist ebenfalls angenehm niedrig. Der interne Speicher des N-Gage beträgt – ohne MMC-Card – beachtliche 3,4 MByte.
Während des Spielens sind die Telefonfunktionen übrigens nicht deaktiviert: Bei einem eingehenden Anruf schaltet das N-Gage automatisch in den Pause-Modus und fängt an zu klingeln; nach Beendigung des Gesprächs kann man dann einfach an der Stelle weiterspielen, wo man zuvor unterbrochen wurde.
Via Bluetooth ermöglicht es das N-Gage, auch Multiplayer-Titel gegeneinander zu spielen. Nokia hat sogar eigens für den Mehrspieler-Modus mit der N-Gage Arena einen eigenen Online-Service ins Leben gerufen. Wenn Nokia behauptet, dass man so gegen Spieler in der ganzen Welt antreten kann, ist das allerdings nur bedingt richtig – schließlich spielt man nicht in Echtzeit gegeneinander, sondern lädt sich zum Beispiel einen "Geist" eines anderen Zockers aufs eigene Handy, versucht den zu übertrumpfen und verschickt das eigene Ergebnis dann wieder an den zentralen Server.
Dass das N-Gage neben dem Telefonieren vor allem zum Spielen da ist, macht bereits das Äußere unmissverständlich klar. Neben dem 8-Wege-Steuerkreuz auf der linken Seite ist auch das Ziffernfeld rechts außergewöhnlich gestaltet: Die Tasten 5 und 7 sind leicht hervorgehoben und werden in den Spielen daher meist auch als Haupt-Funktionstasten benutzt, da man sie leichter trifft und sich so selten verdrückt. Die Form des Screens verwundert allerdings: Während in der Vergangenheit praktisch jede Spielekonsole auf ein breites Bild setzte, ist es beim N-Gage hochkant, was nicht nur ungewohnt, sondern manchmal auch unpraktisch ist. Bei einem Spiel wie SonicN etwa sorgt es nur dafür, dass recht breite Balken oben und unten das Sichtfeld einschränken und der Spielbildschirm so doch wieder auf das Breitbildformat zurechtgestutzt wird.
Das N-Gage liegt gut in der Hand und lässt sich recht bequem bedienen, allerdings ist das Steuerkreuz zu schwammig – vor allem bei Geschicklichkeitsspielen wie Super Monkeyball fällt es schwer, den Spielcharakter so zu dirigieren wie man möchte. Viel mehr stören allerdings einige grobe Design-Schnitzer: So hat Nokia den Telefonlautsprecher nicht etwa auf der Vor- oder Rückseite, sondern seitlich angebracht – wer seinen Gesprächspartner optimal verstehen will, muss sich das Telefon also recht ungewöhnlich ans Ohr halten. In der Praxis kann der N-Gage-Benutzer so recht unvorteilhaft aussehen, so dass sich bereits Fan-Sites wie www.sidetalkin.com(öffnet im neuen Fenster) formiert haben, auf denen recht unterhaltsame Bilder von mit dem N-Gage telefonierenden Personen präsentiert werden.
Das ist zwar in ein paar Sekunden erledigt, nichtsdestotrotz aber deutlich unkomfortabler als etwa beim Game Boy, bei dem einfach das alte Spielemodul herausgezogen und das neue hereingesteckt wird. Vor allem, wenn man sich unterwegs etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln wie U-Bahn oder Bus befindet, wird man sich gut überlegen, ob man wirklich die Spiele austauschen will – schließlich braucht man genug Platz, um die neue, kleine Spielekarte, den Akku, die Abdeckung und das Handy kurzzeitig abzulegen.
Wer das N-Gage übrigens nur als Spielekonsole und nicht als Telefon nutzen will, hat Pech: Das Gerät funktioniert nur bei eingelegter SIM-Karte, was etwa das Spielen im Flugzeug unmöglich macht. Auch die Option, das Gerät seinen Kindern in die Hand zu drücken, nachdem man die SIM-Karte entfernt und so ungewollte Telefonate verhindert hat, steht so natürlich nicht zur Verfügung.
Wichtiger als die Technik waren bei jeder Konsole schon immer die erhältlichen Spiele. In diesem Punkt ist es Nokia durchaus gelungen, eine Reihe bekannter Publisher – und damit auch einige bekannte Spiele-Marken – zum Produkt-Launch zu verpflichten. Allerdings finden sich unter den Spielen bisher nur ein paar wirklich gelungene Titel.
Sieht man mal davon ab, dass der Umfang aller hier präsentierten Spiele eher bescheiden ist und man kaum mehr als ein paar Stunden braucht, um sie durchzuspielen, setzt auch der Akku dem unbegrenzten Spielspaß eine deutliche Grenze: Die Stand-by-Zeit liegt mit 150 Stunden im akzeptablen Bereich, bei dauerhaftem Spielen ist die Batterie allerdings schon nach drei bis vier Stunden am Ende – im Vergleich zu den über zehn Stunden, die der GBA schafft, eine ziemlich ernüchternde Laufzeit. Wie andere Kombi-Geräte enttäuscht also auch das N-Gage mit einem zum Telefonieren sicherlich ausreichenden, für weitere Optionen wie längere Zeit spielen oder Musik hören aber zu schwachem Akku.
Da das N-Gage auf der Series-60-Plattform aufsetzt und Java unterstützt, ist man hinsichtlich des Spiele-Angebotes nicht nur auf die teuren MMC-Karten angewiesen, sondern kann natürlich auch die gängigen Java-Spiele herunterladen. Auch wenn ein Großteil dieser meist 3,- bis 5,- Euro teuren Titel eher unterdurchschnittlich ist, gibt es durchaus ein paar Perlen wie das Rennspiel Formula BMW oder den Puzzle-Titel Gem Jam. Im Gegensatz zu den meisten derzeit erhältlichen N-Gage-Vollpreis-Titeln stimmt hier dann auch das Preis-Leistungs-Verhältnis.
Das N-Gage ist seit Oktober 2003 im Telekommunikations-, Elektro- und stellenweise auch im Spielzeug-Fachhandel erhältlich, der Gerätepreis liegt ohne Vertrag bei 299,- Euro. Diverse Netzbetreiber bieten das Gerät bei Abschluss eines Mobilfunkvertrages allerdings bereits für 1,- Euro an. Die Preise für Spiele liegen wie bereits angesprochen zumeist zwischen 40,- und 50,- Euro.
Fazit:
Die Idee, die Nokia mit dem N-Gage verfolgt, ist prinzipiell gut: Ein Handy, das gleichzeitig als MP3-Player und vollwertige Spielekonsole dient und so mehrere Funktionen in einem Gerät vereint, hat eine Reihe positiver Vorzüge. Leider ist die praktische Umsetzung in vielen Punkten mangelhaft: Warum ist es so aufwendig, die Spiele zu wechseln? Wieso muss man beim Telefonieren so aussehen als ob man nicht weiß, wie man ein Handy richtig in der Hand hält? Und weshalb ist das Spielen nur mit eingelegter SIM-Karte möglich?
Hinzu kommt, dass der Großteil der derzeit erhältlichen Vollpreisspiele sein Geld nicht wert ist, die meisten Hersteller haben einfach recht lieblos bekannte Marken portiert, ohne sich zu bemühen, wirklich hochwertige Programme für das N-Gage zu schreiben. Von der Qualität und dem Umfang, den gute GBA-Titel wie etwa Golden Sun, Advance Wars oder Super Mario Advance erreichen, ist man noch meilenweit entfernt. Zudem bleibt auch weiterhin unklar, wie Nokia das Problem lösen will, dass Produktlebenszyklen beim Handy im Allgemeinen deutlich kürzer sind als bei einer Spielekonsole – man wird also schon bald ein neues N-Gage-Modell vorstellen müssen, um den immer wieder nach neuen und besseren Handy-Modellen dürstenden Markt zu befriedigen. Neue Spiele würden dann eventuell aber nur auf diesem Modell und nicht mehr auf dem ersten N-Gage richtig gut laufen, wenn sie die neue Technik richtig nutzen wollen.
Kurzum: Gute theoretische Ansätze, aber eine mangelhafte praktische Umsetzung – zum jetzigen Zeitpunkt muss sich Nintendo wohl kaum Sorgen machen, mit dem GBA SP allzu bald in ernste Bedrängnis zu geraten.
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