Ungewöhnliche Kombination aus Rollenspiel und Aufbaustrategie. Vor einigen Wochen dominierte das PC-Spiel KnightShift die Schlagzeilen in der Spiele-Presse, da der für den Titel verantwortliche Wormser Publisher Zuxxez eine einstweilige Verfügung gegen die Zeitschrift Gamestar erwirkt hatte – auf Grund eines ihrer Meinung nach nicht gerechtfertigten Testergebnisses. Ob das Vorgehen seitens Zuxxez gerechtfertigt war, sei hier mal dahingestellt, sicher ist: Ohne diese Aktion wäre dem Titel mit Sicherheit nicht so viel Aufmerksamkeit zuteil geworden, wie es nun der Fall ist.
Prinzipiell hat das polnische Entwicklerteam von Reality Pump mit KnightShift einen recht interessanten Ansatz verfolgt: Anstelle sich auf ein Genre festzulegen, bietet der Titel sowohl Rollenspiel- als auch Aufbaustrategie-Inhalte. So kann man sich über mangelnde Auswahlmgölichkeiten sicherlich nicht beklagen: Bereits das Eingangsmenü lässt einen auswählen, ob man in der Kampagne antritt, sich einen eigenen Held für das separate Rollenspiel bastelt oder zunächst einmal im "Skirmish"-Modus die Aufbaustrategie ausprobiert.
In der Kampagne tritt man mit einem Prinz Siegfried an, der auf Grund eines gut platzierten Schlages mit der Bratpfanne in irgendeiner Fantasiewelt sein Gedächtnis verloren hat und nun erst mal die Hilfe eines Magiers benötigt, um herauszufinden, wo er ist und was er eigentlich machen soll. Zunächst sucht man sich eine Ausrüstung zusammen, erledigt per simplem Mausklick die ersten Wölfe und Bären und nimmt von den Dorfbewohnern, die man so trifft, unterschiedliche Queste an.
In einem Mix aus Rollenspiel und Strategie schart man dann eine Gruppe von Anhängern um sich, erledigt diverse Feinde und verbessert die Charakterwerte von Siegfried und seinen Mannen; die unterschiedlichen Kampagnenziele sorgen für Abwechslung im auf Dauer etwas drögen und sich wiederholenden Spielablauf.
Wer von dem Mix nicht so begeistert ist, tobt sich entweder in dem vollkommen eigenständigen Rollenspielmodus aus, wo man selbst einen Held auswählen und aufbauen kann, oder aber konzentriert sich voll und ganz auf den Aufbau-Part. Letzterer lässt allerdings Tiefgang und Komplexität deutlich vermissen: Der einzige wichtige Rohstoff ist Milch, was zu Beginn noch recht witzig sein mag – schließlich muss man sich ständig darum kümmern, dass den eigenen Kühen nichts passiert. Erfahrene Strategen wird der Umgang mit nur einem Rohstoff aber auf Dauer kaum genug Motivation bieten.
Was auf Dauer an KnightShift am meisten stört ist allerdings die unentschlossene Atmosphäre: Einerseits versucht man, eine spannende und fesselnde Geschichte zu erzählen, andererseits konterkariert man das durch eine eher komödiantische Sprachausgabe mit bayerischem und sächsischem Akzent und recht ungewöhnlichen Charakteren wie bösen Schwiegermüttern. Wirkliche Stimmung kommt so nicht auf, eher im Gegenteil – schon bald ist man von den nur begrenzt komischen und überzogen gesprochenen Dialogen eher genervt. Zumindest die Grafik-Engine sorgt in allen Modi für eine recht ansprechende Optik, was den nur mittelmäßigen Spielspaß aber auch kaum aufwerten kann. Und auch die Verpackung muss lobend erwähnt werden: Die beiden Spiel-CDs stecken nicht nur in einer sehr stilvollen Hülle, sondern werden auch mit einem äußerst ausführlichen Handbuch ausgeliefert.
Fazit: KnightShift orientiert sich sehr deutlich an den großen Vorbildern Diablo II und Warcraft III, bleibt von deren Klasse aber weit entfernt: Sowohl der Rollenspiel- als auch vor allem der Aufbau-Part lassen Handlungsfreiheit und Komplexität vermissen, die unausgegorene Hintergrundgeschichte und das zum Teil übertrieben auf witzig getrimmte Szenario sorgen meist nur für ein müdes Lächeln. Zumindest der Spielumfang und die Optik stimmen – das reicht aber beileibe nicht, um mehr als solides Mittelmaß zu erschaffen.