Spiel für Xbox, PlayStation 2 und GameCube. Seit 1990 bereichern die Simpsons nun schon die TV-Landschaft, und obwohl seitdem eine nahezu unüberschaubare Flut an Videospielen rund um die gelben Cartoon-Helden erschienen ist, findet sich darunter bis heute praktisch kein einziger Titel, der sein Geld auch wert gewesen wäre. Radical Entertainment ist es nun gelungen, mit The Simpsons: Hit & Run den Bann zu brechen und den ersten Simpsons-Titel zu entwickeln, der dem Flair der Vorlage auch gerecht wird.
Seltsame Dinge spielen sich ab in Springfield: Ein Heer von Killerbienen tyrannisiert die Stadt, überall tauchen schwarze Kleinlaster auf und überwachen die Bewohner, und eine neuartige Cola – mit lobenden Worten von Krusty dem Clown beworben – scheint seltsame Dinge mit demjenigen anzustellen, der sie trinkt. Klar, dass Homer, Bart und Co. da nicht tatenlos zusehen können und ihrerseits nun aktiv werden, um den seltsamen Geschehnissen auf den Grund zu gehen.
In sieben sehr umfangreichen Leveln, die jeder wiederum mit sieben Hauptmissionen und zahlreichen Bonusaufgaben aufwarten, steuert man nacheinander erst Homer und dann Bart, Lisa, Marge sowie den Supermarktbesitzer Apu. Das prinzipielle Gameplay ist recht offensichtlich von GTA entlehnt: Die meiste Zeit verbringt man in Autos, fährt durch Springfield und erfüllt eine Mission nach der anderen. Die Aufgaben ähneln sich dabei zum Teil und folgen prinzipiell immer einem gewissen Schema: Mal muss Homer in einem vorgegebenen Zeitrahmen eine Hausaufgabe bei Lisa in der Schule abliefern, ein anderes Mal gibt es ein Wettrennen in der Stadt oder eine Einsammel-Aufgabe.
Man ist natürlich nicht immer im selben Fahrzeug unterwegs, sondern steuert je nach Charakter unterschiedliche Autos, die allesamt der TV-Serie entnommen sind. Zudem kann man weitere Fahrzeuge kaufen, was für manche Missionen auch unabdingbar ist – etwa, um einen mächtigen Truck zu ergattern und mit diesem dann eine Absperrung platt zu machen.
Das Geld für neue Autos verdient man sich durch das Einsammeln von Münzen, die man wiederum für mutwillige Zerstörung erhält – fährt man etwa Briefkästen, Verkehrschilder oder Laternenpfähle um, spült das immer wieder Geld in die Kasse. Allerdings muss man aufpassen, es mit der Randale nicht zu sehr zu übertreiben – sonst ist einem schnell die Polizei auf den Fersen. Zudem nimmt der eigene Wagen mit jedem Crash Schaden und fängt später dann sogar an, kräftig zu qualmen, so dass man zum Teil die Strecke kaum noch sieht. Durch das Einsammeln herumliegender Schraubenschlüssel kann das Fahrzeug aber wieder repariert werden.
Die Simpsons können ihr Geld aber nicht nur für neue Autos ausgeben, sondern es auch in andere Kleidungsstücke investieren, was mal eher zum Spaß geschieht, ein anderes Mal aber zum Fortkommen unausweichlich ist. Auch hier stand die TV-Serie Vorbild – so darf man unter anderem Marge mal wieder in der Polizei-Uniform begutachten.
Nicht nur mit fahrbarem Untersatz, auch zu Fuß lässt sich Springfield erkunden. Dabei trifft man nicht nur viele bekannte Gesichter wie Ned oder Barney, die ein paar Extra-Aufträge zu bieten haben und so Wahlmöglichkeiten in das an sich recht lineare Gameplay einbringen. Auch viele Gebäude lassen sich betreten, etwa das Wohnhaus der Simpsons, die Schule, der Supermarkt oder das Kernkraftwerk. Wer sich da etwas genauer umsieht, kann eine Reihe zum Weiterkommen nicht unbedingt notwendiger, aber zum Teil wirklich sehr spaßiger Extras und Gags entdecken, wie etwa einen in der Gefriertruhe des Supermarktes eingeschlossenen Jasper.
Pfeile auf der Straße sowie ein am rechten unteren Bildschirmrand angezeigter Kartenausschnitt sorgen dafür, dass man eigentlich nie den Überblick verliert. Löst man eine Aufgabe dennoch nicht in der vorgegebenen Zeit, kann jederzeit neu gestartet werden, gespeichert wird automatisch in den Leveln nach jeder erfolgreich absolvierten Mission.
Die Grafik ist sicherlich eher zweckgemäß als beeindruckend schön, fängt den eigenwilligen Charme der TV-Vorlage aber sehr gut ein. Noch besser weiß die Sprachausgabe zu gefallen: Da man die Original-Synchronsprecher engagieren konnte und diese sich mit einigen wirklich spaßigen Kommentaren wirklich ins Zeug legen, wird man nicht selten mit einem breiten Grinsen den (Selbst-)Gesprächen der Charaktere lauschen. Grund zur Klage gibt eigentlich nur die zickige Kamera: Während der Autofahrten fällt sie kaum störend auf, ist man zu Fuß unterwegs, wird einem allerdings oft der bestmögliche Blick versperrt.
The Simpsons: Hit & Run ist für GameCube, PlayStation 2 und Xbox ab dem 31. Oktober 2003 im Handel erhältlich. Die Versionen unterscheiden sich nur minimal voneinander und sind somit alle gleich empfehlenswert.
Fazit: Gratulation an Radical Entertainment – das Team hat bewiesen, dass ein Spiel mit Simpsons-Lizenz nicht automatisch ein Reinfall sein muss, wie man nach den zahlreichen misslungenen Titeln fast schon versucht war anzunehmen. Auch wenn das Gameplay sehr offensichtlich bei GTA abgekupfert ist und sich viele der Aufgaben doch sehr ähneln, hat noch kein anderes Spiel den Humor und Stil der Simpsons so gut eingefangen wie Hit & Run. Vor allem Fans der TV-Vorlage dürften von diesem Videospiel wirklich begeistert sein.