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Spieletest: Chrome - Halo meets Deus Ex

PC-Shooter vom polnischen Entwicklerteam Techland im Handel erhältlich. Nach den üblichen mehrfachen Release-Verschiebungen steht der vom polnischen Entwicklerteam Techland programmierte Ego-Shooter Chrome seit kurzem nun im Handel zur Verfügung. Bereits im Vorfeld zeichnete sich ab, dass Techland sich recht offensichtlich von Titeln wie Halo oder Unreal inspirieren ließ. Das fertige Spiel lässt trotzdem – oder gerade deswegen – leider einigen Feinschliff vermissen.
/ Thorsten Wiesner
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Der Spieler übernimmt die Rolle von John Logan, einem gut ausgebildeten Söldner, der in einem Planetensystem am äußersten Rand des Universums in das Machtgefüge zweier großer Konzerne gerät und zunächst für deren Zwecke eingespannt wird. Bei seinen Aufträgen ist er allerdings nicht vollkommen auf sich allein gestellt: Gleich in der ersten Mission, die "nebenbei" auch das Tutorial darstellt, befreit man die junge und attraktive Carrie, die fortan hauptsächlich über Funk wichtige Ziele und Tipps durchgibt und so neben dem Radar eine wichtige Quelle zum Aufspüren von Gegnern oder Fluchtmöglichkeiten darstellt.

Logan kann bei seinen Missionen zwar auf eine Vielzahl von Waffen zurückgreifen, auf Grund des äußerst beschränkten Inventars steht ihm in der jeweiligen Situation aber immer nur ein großes Gewehr zur Verfügung – mehr passt von den Schrotflinten, Maschinen- und Scharfschützengewehren nicht in den eigenen Rucksack. Zumindest ist aber Raum genug, um noch eine Pistole sowie diverse Granaten und Health-Packs mitzunehmen. Besiegte Gegner können per Mausklick durchsucht werden, so dass jederzeit Nachschub sichergestellt und das Wechseln der Schießprügel möglich ist.

Allerdings ist man nicht nur auf Waffengewalt angewiesen, Logan kann nämlich – ähnlich wie in Deus Ex – durch Implantate, die man im Spielverlauf bekommt, zusätzliche Fähigkeiten erlangen. So greift man später unter anderem auf einen Infrarot-Blick, besonders dicke Schutzschilde oder eine hohe Treffergenauigkeit zurück. Der Einsatz der Implantate ist allerdings eingeschränkt – aktiviert man sie zu lange, wird das Immunsystem von Logan überlastet und er verliert infolgedessen Lebensenergie, zudem stehen immer nur bestimmte Implantate zur Verfügung.

Beim Missionsdesign waren die Entwickler sichtlich um Abwechslung bemüht, so dass man nicht nur an äußerst verschiedenen Schauplätzen kämpft – mal auf einem Wüstenplaneten, dann wieder im dichten Dschungel und in grafisch etwas eintönigen Katakomben -, sondern auch sehr unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen hat. Da gilt es zum Beispiel, eine Basis zu infiltrieren, später muss ein Wissenschaftler aus den Klauen der Bösewichte befreit werden – wilde Verfolgungsjagd durch feindliche Lager inklusive. Zumeist ist man dabei zu Fuß unterwegs, von Zeit zu Zeit nimmt man aber auch mal in einem Buggy oder einem Raumgleiter Platz. Am Ende der recht umfangreichen Missionen warten oftmals dann noch recht pompöse Endgegner wie etwa riesige Mechs auf den Spieler.

Die Story vermag allerdings auf Dauer nicht zu fesseln – dafür präsentiert sich die Geschichte schon recht früh zu zusammenhanglos und konstruiert. Auch spielerisch offenbaren sich bald die ersten Mängel, vor allem die niedrige Gegner-KI enttäuscht – nur selten verschanzen sich die immergleichen menschlichen Feinde in einem Versteck, meist rennen sie vielmehr recht planlos und unkoordiniert hin und her. Der Schwierigkeitsgrad ist trotzdem alles andere als niedrig, da die Kontrahenten über eine sehr hohe Treffergenauigkeit verfügen.

Leider bleibt auch der Multiplayer-Modus weit hinter den Erwartungen zurück, auf gerade mal acht Karten kann man sich in sattsam bekannten Modi wie Deathmatch oder Capture The Flag austoben. Zumindest ist die Optik stellenweise eine wirkliche Augenweide – gerade die Dschungel-Szenarien wirken mit ihrem sich realistisch im Wind wiegenden Gras und der üppigen Flora äußerst gelungen. Dafür hat Chrome ein ähnliches Problem wie Halo: Während die Outdoor-Szenarien durchweg begeistern, enttäuschen die Innen-Areale mit arg langweiligen Texturen und wenig Details.

Fazit:
Angesichts der Masse an Shootern, die in diesen Monaten auf PC-Spieler einprasseln, hätten sich die Entwickler von Techland schon ein wenig mehr einfallen lassen müssen als es bei Chrome der Fall ist. Vor allem die schwache KI enttäuscht, zudem sind viele Spiele-Elemente recht offensichtlich von Deus Ex, Halo und Unreal übernommen, ohne dass allerdings die Klasse der Vorbilder erreicht wird. Ein schlechtes Spiel ist Chrome sicherlich nicht, dem Titel fehlt aber das gewisse Etwas, das auch auf längere Sicht die Motivation aufrechterhalten würde.


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