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Spieletest: Halo - Xbox-Shooter endlich für PC erhältlich

Bungie und Gearbox brauchen zwei Jahre für Umsetzung. Nachdem der Ego-Shooter Halo bereits vor zwei Jahren als Launch-Titel für die Xbox veröffentlicht wurde und sich für die Konsole mittlerweile über drei Millionen Mal verkaufte, ist nun endlich auch die Umsetzung für den PC fertig. Die hat inhaltlich dieselben Qualitäten zu bieten wie ihr Xbox-Pendant, lässt in technischer Hinsicht aber einige Fragen offen.
/ Thorsten Wiesner
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Die Entwicklung von Halo verlief alles andere als geradlinig: Das zuständige Entwicklerteam Bungie arbeitete zunächst an einem Shooter für PC und Macintosh. Dann allerdings kam Microsoft ins Spiel, kaufte das Entwicklerteam auf und gab die Devise aus, dass Halo zunächst exklusiv für Xbox erscheinen muss – schließlich brauchte man zum Verkaufsstart der Konsole Spiele, die das Potenzial der Hardware auch ausnutzen und auf anderen Plattformen nicht erhältlich sind. Später engagierte man dann das Team von Gearbox, die zusammen mit Bungie an der überfälligen PC-Konvertierung arbeiteten und dafür letztendlich doch noch mal deutlich länger brauchten als zunächst geplant.

Angesichts der langen Entwicklungsphase könnte man nun annehmen, dass der Titel mit zahlreichen Neuerungen gegenüber der Xbox aufwarten kann. Aber: Glatter Irrtum – abgesehen vom jetzt integrierten Multiplayer-Modus, der nur Altbekanntes aufkocht und kaum neuen Ideen zu bieten hat, blieb alles beim Alten. Vielmehr muss man nun sogar eine Verschlechterung gegenüber dem Original hinnehmen, denn der ursprünglich integrierte Kooperativ-Modus ist auf dem PC leider nicht mehr vorhanden.

Trotzdem gibt es gute Gründe, Halo auch am PC eine Chance zu geben. Einer der wichtigsten: Das Spiel wartet mit einer der interessantesten Hintergrundgeschichten auf, die je ein Shooter zu bieten hatte.

In der Rolle des Master Chief, eines mit einem speziellen Schutzanzug ausgerüsteten Marine, befindet man sich an Bord des Kriegsraumschiffes "Pillar of Autumn", als plötzlich ein Angriff von Außerirdischen erfolgt. Der Spieler steigt dabei sofort in die Story ein: Der erste Level an Bord des Schiffes, wo man schon die ersten Aliens killt und versucht zu fliehen, ist gleichzeitig auch das Tutorial. Man landet schließlich auf dem nahe gelegenen Planeten Halo, einer mysteriösen Ringwelt, die ganz offensichtlich nicht natürlich entstanden ist, sondern von irgendwem erschaffen wurde. In den folgenden Missionen deckt man das Geheimnis des seltsamen Planeteten immer weiter auf – und kommt einer ziemlich großen Verschwörung auf die Spur.

Halo setzt einen klaren Fokus auf die Action, nur selten ist man damit beschäftigt, versteckte Ausgänge oder Schalter zu suchen. Um die beständige Ballerei unterhaltsam zu gestalten, haben sich die Entwickler allerdings einige recht wirksame Elemente einfallen lassen. Zunächst einmal ist das Waffenarsenal sehr groß; der Master Chief kann zwar – neben einigen Granaten – immer nur zwei Schießprügel mit sich herumtragen, per Knopfruck lässt sich aber jede Waffe aufheben und mit einer mitgetragenen austauschen. Da jeder besiegte Gegner seine Waffe fallen lässt, hat man also beständig die Möglichkeit zu wechseln, und sollte davon auch Gebrauch machen – die diversen Maschinen-, Laser- und Scharfschützen-Gewehre sind sehr gut ausbalanciert, so dass keine Waffe den anderen haushoch überlegen ist, zudem lassen sich bestimmte Alien-Arten nicht mit allen Waffen gleich gut niederringen.

Der Master Chief befindet sich ebenso ständig unter Beschuss der clever agierenden Gegner, kann auf Grund seines Schutzanzuges aber einiges vertragen; senkt sich die Energie des Schildes, sollte man schleunigst ein Versteck aufsuchen, damit sich die Panzerung regenerieren kann. Mittlerweile haben zahlreiche Shooter diese Idee ebenfalls integriert, Bungie gehörte aber 2001 noch zu den Ersten, die eine derartige Schutzschild-Funktion einführten.

Halo bietet keine teambasierte Action, nichtsdestotrotz wird man bei seinen Aktionen oft von mehreren weiteren Marines begleitet. Deren Intelligenz lässt allerdings zu wünschen übrig – zwar geben sie manchmal hilfreiche Deckung, oft ist man von ihrem hektischen und unkoordinierten Umher-Gerenne aber nur genervt. Die Aliens machen es da weitaus besser, verschanzen sich hinter Objekten, variieren ihre Schussfrequenz und kommen überraschend auch mal aus dem Hinterhalt.

Besonders schön an Halo ist die Möglichkeit, Fahrzeuge zu nutzen – vor allem mit dem Jeep Warthog macht es immens viel Spaß, durch die gelungenen Außenlandschaften zu fahren; Panzer, kleine Raumgleiter oder stationäre Geschütze lassen sich ebenfalls vom Spieler kontrollieren und auch im Multiplayer benutzen. Die Steuerung der Fahrzeuge ist denkbar simpel: In die Richtung, in die man schaut, fährt man auch, per Tastendruck steigt man ein und aus. Generell gibt die Steuerung keinen Grund zur Kritik, denn prinzipiell bedient man Halo wie jeden anderen Ego-Shooter auch.

Die Präsentation von Halo ist gelungen, aber nicht atemberaubend – schöne Landschaften und weitläufige Außenareale stehen den überaus kargen und langweiligen Innenarealen, die sich zudem auch noch beständig wiederholen, gegenüber. Wirklich störend ist aber vor allem die magere Performance: Auch wenn man Details und Auflösung in mehreren Stufen herunterschrauben kann, läuft das Spiel selbst auf High-End-PCs nicht ruckelfrei, die auf der Packung angegebene Mindestanforderung von einer CPU mit 733 MHz kann man getrost als schlechten Scherz auffassen. Bungie sind die Probleme allerdings bekannt, derzeit wird an einem "Performance-Patch" gearbeitet, der das Spiel schneller und flüssiger werden lassen soll.

Noch ein gutes Stück besser als auf der Xbox ist dafür die wirklich hervorragende Soundkulisse – ein pompöser Klassik-Soundtrack untermalt das Geschehen stimmungsvoll, zudem ist die Sprachausgabe wirklich gut gelungen. Besonders hervorzuheben sind hierbei die kleinen feindlichen Drohnen im Gremlins-Stil, die ein leicht komisches Element ins Spiel mit einbringen. Sie sind zwar weder besonders intelligent noch allzu gefährlich, wenn sie aber etwa laut "Nicht schießen" quieken, hat man schon so seine Probleme, trotzdem den Abzug zu betätigen.

Halo ist in Deutschland ab dem 24. Oktober 2003 erhältlich, der Preis liegt bei knapp 50,- Euro. Das Spiel ist ab 16 Jahren freigegeben.

Fazit:
Halo gehört – auch zwei Jahre nach seinem eigentlichen Erscheinen – zu den besten erhältlichen Ego-Shootern. Wunderschöne Außenareale, eine faszinierende Story, intelligente Gegner und die Integration von einfach zu steuernden, aber für viel zusätzlichen Spielspaß sorgenden Fahrzeugen wissen absolut zu überzeugen. Trotzdem müssen sich die Entwickler die Frage gefallen lassen, warum sie die zwei Jahre für die Konvertierung nicht besser genutzt haben – abgesehen vom auf Dauer etwas eintönigen Multiplayer-Modus wurde am Gameplay im Vergleich zur Xbox-Version nichts geändert. Die Performance lässt ebenfalls sehr zu wünschen übrig – bleibt zu hoffen, dass der versprochene Patch dieses Problem auch wirklich beheben kann.


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