Spieletest: Jak II Renegade - Action-Adventure mit GTA-Flair
Fortsetzung von Jak & Daxter. Das Team von Naughty Dog vermag es wie nicht viele andere Entwickler, mit jedem neuen Spiel einen weiteren Hit zu landen: Erst etablierten die Briten Crash Bandicoot als einen der populärsten Jump&Run-Helden, dann bescherten sie der PlayStation 2 mit Jak & Daxter einen der witzigsten und besten Plattformtitel. Letzterer erhält mit Jak II nun eine Fortsetzung, die allerdings mehr ein vollkommen neues Spiel als schlicht ein Aufguss von Altbekanntem ist.
Eingeleitet wird das Spiel von einer der zahlreichen, sehr gut inszenierten und witzig synchronisierten Zwischensequenzen: Der Held Jak und sein vorlauter pelziger Freund Daxter entdecken ein seltsames Zeitportal, sind nicht vorsichtig genug – und finden sich urplötzlich in einer anderen Zeit an einem recht unwirtlichen Ort, dem Gefängnis der Stadt Haven City wieder. Damit nicht genug: Jak wird auch noch von den Truppen des bösen General Praxis gefangen genommen und verhört. Daxter gelingt es zwar, ihn aus dieser misslichen Lage zu befreien – wie die beiden aus Haven City wieder fortkommen, wissen sie aber trotzdem vorerst nicht.
Zunächst muss aus dem feindlichen Palast geflohen werden, was noch sehr stark an das Gameplay aus Jak & Daxter erinnert: Mit Hilfe von unterschiedlichen Sprüngen und Wirbelattacken bahnt man sich seinen Weg vorbei an tiefen Abgründen und kampflustigen Wachen. Ist es einem dann aber gelungen, die zunächst einmal rettenden Gassen der belebten Stadt zu erreichen, beginnt ein fast vollkommen neues Spiel – und das ist recht offensichtlich von der GTA-Serie beeinflusst.
In Haven City warten verschiedene Charaktere darauf, von dem dynamischen Helden-Duo angesprochen zu werden, um ihnen dann diverse Aufgaben zu stellen. Um zu den einzelnen Einsatzpunkten zu gelangen, kann man entweder zu Fuß die Straßen durchstreifen oder aber man schnappt sich einfach per Tastendruck einen der herumfliegenden Gleiter, schmeißt den Besitzer aus dem Cockpit und rast durch die engen Gassen. Allerdings ist Vorsicht geboten: Feindliche Truppen patroullieren durch die City, eckt man mit seinem Gefährt also zu oft an oder fährt zu viele Passanten über den Haufen, wird Alarm ausgelöst und man wird zum Freiwild. Ähnliches gilt natürlich auch, wenn man sich einen der Polizeiwagen schnappt und damit auf Spritztour geht.
Insgesamt gibt es in Haven City drei Parteien, die um die Vorherrschaft kämpfen – denkt man zunächst noch, dass die Bekanntschaft einer geheimen Untergrundbewegung den Schlüssel zum Sieg gegen Praxis darstellt, sorgen zahlreiche Story-Wendungen für interessante und unterhaltsame Verwirrung. Die unterschiedlichen Missionen, die teilweise parallel absolviert werden können – das Spiel ist also nicht vollkommen linear – warten dabei auch immer mit sehr unterschiedlichem Gameplay auf: Mal muss eine Fahne gestohlen werden, dann soll man einen wichtigen Mann eskortieren oder einen versteckten Wasserhahn aufdrehen.
Neben den Geschicklichkeitseinlagen sind hierbei unter anderem der Einsatz von Waffen (Jak bekommt verschiedene Schießprügel in die Hand gedrückt) oder auch Skate-Action in bester Tony-Hawk-Manier gefragt; zahlreiche Mini-Spiele sorgen darüber hinaus für weitere Abwechslung. Selbst in den letzten Missionen lernt man noch neue Fähigkeiten hinzu, den Entwicklern gelingt es bravourös, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten und fast nie mit Wiederholungen zu nerven.
Eine wirklich interessante Fähigkeit steht allerdings schon von Beginn an zur Verfügung: Jak verfügt dank der "Behandlung" durch die Schergen von Baron Praxis über in ihm schlummernde böse Kräfte, die sich nach und nach aufladen und dann per Knopfdruck entfacht werden können. In dieser Wutphase richtet er bei seinen Attacken deutlich mehr Schaden an, ist allerdings auch etwas schwieriger vom Spieler zu kontrollieren.
Trotz des grandiosen Gameplays wird man immer mal wieder zwischendurch ein paar heftige Flüche in Richtung Naughty Dog losschicken – der Schwierigkeitsgrad hat es nämlich wirklich in sich und dürfte Einsteiger schier zur Verzweiflung treiben. Vor allem die Missionen, die durch ein Zeitlimit zusätzlich erschwert werden, haben einen hohen Frustfaktor, der durch die seltenen Checkpoints noch erschwert wird – stirbt man am Ende einer haarigen Passage, muss man nicht selten den Level wieder ganz von vorne beginnen.
Aufgeben will man dennoch nicht, schließlich bringt fast jede neue Mission entweder den Zugang zu weiteren Stadtteilen oder außerhalb der Stadt liegenden weiteren Arealen wie Wiesen, Minen, Kanälen, Ruinen oder Stränden mit sich – und deren Besuch lohnt sich nicht nur spielerisch, sondern auch optisch.
Denn was hier grafisch geleistet wird, gehört mit zum Besten, was man auf der PlayStation 2 bis dato zu sehen bekam: Äußerst detaillierte Landschaften, eine beeindruckende Weitsicht und farbenfrohe, kreativ gestaltete Charaktere machen Jak II zum absoluten Augenschmaus. Allerdings merkt man stellenweise, dass die Konsole hier auch an ihre Grenzen stößt, gelegentliche Ruckler trüben den ansonsten hervorragenden Eindruck ein wenig.
Fazit: Sicherlich ließe sich den Entwicklern der Vorwurf machen, dass sie an einigen Stellen doch sehr deutlich bei GTA abgekupfert haben. Da Jak II aber letztendlich viele bekannte Elemente aus diversen Spielen aufgreift und zu einer unglaublich abwechslungsreichen Mixtur kombiniert, spielt sich der Titel doch nie wie ein Plagiat. Abgesehen vom etwas zu hohen Schwierigkeitsgrad hat dieses Spiel alles, was ein gelungenes Action-Adventure braucht – die über 20 Stunden, die man zum Durchspielen benötigt, wird man jedenfalls auch noch lange später in sehr guter Erinnerung behalten.