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Spieletest: Pro Evolution Soccer 3 - Purer Fußball-Realismus

Spiel für PlayStation 2 erhältlich, PC-Version folgt im November 2003. Konami darf sich rühmen, seit Jahren die wohl beste Fußballsimulation auf den Markt zu bringen – die bisherigen Versionen von Pro Evolution Soccer (PES) sind in puncto Realismus und Spieltiefe weiterhin unerreicht. Auch der dritte Teil – ab sofort für PlayStation 2 erhältlich, die PC-Version folgt im November 2003 – setzt einmal mehr Maßstäbe im Sportspiel-Genre.
/ Thorsten Wiesner
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Anstelle eines einfachen Updates haben sich die Entwickler wiederum die Mühe gemacht, große Teile des Spiels deutlich zu überarbeiten. Das beginnt bereits bei den Spiel-Modi: Neben den Pokal-Wettbewerben und Freundschaftsspielen wurde nun eine vierteilige "Meister-Liga" eingeführt, die die Dauer-Motivation zusätzlich anhebt. Ebenfalls eine nette Erweiterung: Spieler können Punkte sammeln, die dann in einer Art "Shop-Modus" in neue Stadien mit speziellen Publikumseffekten, neue Teams und Spieler oder wahlweise auch neue Frisuren getauscht werden können.

Wichtigster Pluspunkt von PES ist aber seit jeher der unübertroffene Realismus, der auch diesmal wieder keine Wünsche offen lässt: Die korrekte Ball-Physik lässt einen – nach der nötigen Einarbeitungszeit – wirklich alles mit dem Ball machen, was auch auf dem realen Spielfeld möglich ist, inklusive Hacken-Tricks, Bananenflanken oder unzähligen Freistoß-Varianten. Eine Garantie fürs Gelingen der eigenen Aktionen gibt es aber natürlich nicht, oftmals legt man sich den Ball zu weit vor, bleibt an einer Unebenheit im Rasen hängen, verstolpert die 100-prozentige Torchance oder bekommt beim Fernschuss zu viel Rückenlage – eben ganz wie im richtigen Leben.

Der Gegner agiert je nach Einstellung des fünfstufigen Schwierigkeitsgrades unterschiedlich intelligent, auf der höchsten Stufe ist es dabei schon beeindruckend anzusehen, wie taktisch klug hier auch mal auf Zeit gespielt oder einfach nur gezaubert wird, auf der einfachsten Stufe können Einsteiger dafür vom Gegner nahezu ungestört die ersten Spielzüge proben. Der Schiedsrichter passt sich der hohen spielerischen KI an und lässt unter anderem nun auch die Vorteilsregel gelten. Jeweils in der Halbzeitpause und nach dem Spiel bekommt man die Höhepunkte der Partie nochmals in einer Zusammenfassung angezeigt.

Konami hat sich nicht die Lizenz für ganze Clubs, sondern nur für ein paar Spieler geleistet – so kommt es, dass man zwar mit Ze Roberto im rot-blauen Trikot aufs gegnerische Tor zustürmt, dies allerdings nicht für den FC Bayern, sondern einen unmissverständlich vom Programm als "Rekordmeister" benannten Club tut. Den Spielspaß schmälert dies allerdings nur unwesentlich, alleine durch die unzähligen Einstellungs- und Statistik-Menüs – man kann nicht nur die Taktik bis ins kleinste Detail vorgeben, sondern sich nach einem Spiel für jeden einzelnen Spieler detaillierte Infos über Torschüsse und Ballkontakte anzeigen lassen – wird man für die fehlenden Original-Team-Namen entschädigt.

Wenn es an den ersten Pro-Evolution-Soccer-Spielen etwas auszusetzen gab, dann sicherlich die vor allem im Vergleich zur Fifa-Reihe nur mäßige Präsentation. Leider hinkt Konami in diesem Punkt immer noch der Konkurrenz von Electronic Arts hinterher: Zwar spendierte man dem Spiel eine neue Grafik-Engine, die für deutlich schönere Animationen der Spieler und realistischere Gesichtszüge sorgt, insbesondere die Stadion-Umgebung enttäuscht allerdings weiterhin, die Zuschauer-Kulisse wirkt äußerst detailarm und billig umgesetzt. Und die an sich gut gesprochenen deutschsprachigen Spiel-Kommentatoren können leider nicht mit der Spieler-KI mithalten – anders lässt es sich sonst kaum erklären, dass man etwa beim Stand von 4:0 in der 90. Minute Sätze wie "Wenn jetzt nicht aufgepasst wird kann das Spiel noch kippen" mitanhören muss.

Pro Evolution Soccer 3 ist ab sofort für PlayStation 2 im Handel erhältlich. Die PC-Version folgt im November, wobei es spannend werden dürfte zu sehen, ob Konami nicht nur die spielerische Qualität des Titels portiert, sondern eventuell auch die Grafik den erweiterten technischen Möglichkeiten des PCs anpasst.

Fazit:
Abgesehen von der nicht voll und ganz überzeugenden Präsentation hat Konami mit Pro Evolution Soccer 3 wieder einmal eine Meisterleistung vollbracht – viel realistischer lässt sich Fußball auf einer Spielekonsole wohl kaum umsetzen. Nahezu perfekte Ballphysik, ein unglaublich gutes Spielgefühl, diverse Modi und unzählige Einstellungs- und Statistik-Optionen: Wer sich für Fußball begeistert, kommt um dieses Spiel nicht herum. Bleibt zu hoffen, dass auch die PC-Version im November so begeistern kann wie ihr PS2-Pendant.


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