Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Gestenbasierter PointScreen nutzt Körper als Eingabemedium

Navigation durch Gesten. Die Forschungsgruppe Media Arts and Research Studies des Fraunhofer-Instituts für Medienkommunikation IMK hat ein Interface vorgestellt, das eine gestenbasierte Eingabe ermöglicht. Das System basiert auf dem Prinzip des "Electric Field Sensing" und ermöglicht dem Nutzer, ohne Berührung, Verdrahtung oder Verschaltung zu navigieren.
/ Andreas Donath
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Die Begriffe "Schnittstelle" und "Benutzeroberfläche" führen nicht nur Software-Entwickler häufig im Munde. Auch der Alltagsmensch gibt immer wieder Daten ein und erhält irgendetwas zurück, über den sensitiven Bildschirm eines Automaten beispielsweise eine Bahnfahrkarte. Der Touchscreen ersetzt reale Knöpfe durch virtuelle, was ihre Menge reduziert und die Bedienung der verschiedenen Anzeigeseiten erleichtern soll. Um den Fingerzeig oder -druck mit dem Ort zu verknüpfen – dem Computer also die Eingaben verständlich zu machen -, werden verschiedene sensorische Verfahren eingesetzt.

Eines, das ohne jede Berührung auskommt, haben Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Medienkommunikation IMK entwickelt: Ein ausgestreckter Arm genügt und das System versteht, welches Feld auf dem Bildschirm oder auf einem projizierten Bild ausgewählt werden soll. Die möglichen Anwendungen sind vielfältig – sie reichen vom interaktiven Schaufenster eines Kaufhauses bis zu neuen Computerspielen. Eine mit dieser Electric-Field-Sensing-Methode ausgestattete Anzeigetafel (PointScreen) und ein Info-Jukebox genanntes digitales Kiosk-System für den öffentlichen Raum stellen die Medienforscher am 23. und 24. Oktober auf der e-culture fair in Amsterdam vor.

Die Info-Jukebox, die den PointScreen nutzt, ist eine Video-Archiv-Installation für den öffentlichen Raum. Sie präsentiert Sammlungen von Video-Clips, die aus mehrfach verschalteten Monitoren bestehen. PointScreen reagiert auf Veränderungen eines elektrostatischen Feldes, das durch die körpereigene, elektrische Kapazität des Benutzers beeinflusst wird.

"Das von uns zum Patent angemeldete sensorische Verfahren ist im Prinzip jedem aus dem Alltag bekannt" , meinte Wolfgang Strauss, Co-Leiter der IMK-Abteilung Media Arts and Research Studies MARS. "Wenn Sie sich in die Nähe eines Radios begeben, das über Antenne sein Programm empfängt, kann es passieren, dass der Empfang besser oder schlechter wird. Sehr viel feiner und ortsaufgelöst misst unser System die Änderungen eines oszillierenden und unbedenklichen elektrostatischen Feldes."

Ein Rahmen aus vier Antennen befindet sich vor dem Anzeigegerät. Wenn ein Mensch mit seinem Arm auf eine bestimmte Stelle deutet, ändert sich dort die Feldstärke. Ein Computer übersetzt die analogen Signale und gibt sie digital an die grafische Oberfläche weiter – ähnlich wie eine kabellose Computermaus.

In der momentanen Demoversion des Systems können so 36 Felder identifiziert und ausgewählt werden. Hinterlegt sind Videos, Steuerelemente oder andere multimediale Inhalte. Bereits im Laborbetrieb befindet sich ein System, in dem die Antennen nicht als flacher Rahmen, sondern dreidimensional als Kubus angeordnet sind. Dem Benutzer wird so die Möglichkeit gegeben, mit Computern berührungslos und räumlich zu interagieren.


Relevante Themen