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Studie über Auswirkungen "intelligenter" Alltagsgegenstände

Technikfolgenabschätzung über allgegenwärtige Mikrochips. Die Allgegenwart von Mikroprozessoren in unserem Alltag jenseits der klassischen PCs und PDAs bahnt sich an. Nutztieren werden schon heute winzige Chips unters Fell gepflanzt, um sie auf ihrem weiteren Lebensweg sicher identifizieren zu können. Nun ist eine Studie zur Abschätzung der Folgen der durchdringenden Computerisierung unseres Alltags erschienen.
/ Andreas Donath
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"Intelligente", mit Funkchips versehene Kinderkleidung wird entworfen, um die lieben Kleinen jederzeit und überall orten zu können. Supermarktprodukte bekommen versuchsweise Funketiketten aufgeklebt. Passiert die Kundschaft am Ausgang eine elektronische Schranke, werden diese Etiketten angefunkt und die Rechnungen drahtlos zusammengestellt und abgebucht.

IT-Konzerne wie IBM, Hewlett-Packard und Rank Xerox arbeiten mit Hochdruck daran, die Vision einer Welt der drahtlos vernetzten Mikrochips zu verwirklichen. Im Jahr 2013 könnte für eine Milliarde Menschen, gemäß einer Schätzung von IBM, bereits eine Billion elektronisch aufgerüsteter, vernetzter Gegenstände zur Verfügung stehen.

Eine Studie bewertete nun systematisch die Chancen und die Risiken dieser Computerisierung von Alltagsgegenständen – in den Anwendungsfeldern Wohnen, Arbeit, Verkehr, Gesundheit und Kleidung. Zu den möglichen Risiken gehören Auswirkungen auf den Material- und Energieverbrauch. Auch stellen sich ganz neue Recyclingfragen. Die Studie gibt auch Empfehlungen für einen frühzeitigen und vertieften Umgang mit den technologischen Trends.

Die Untersuchung entstand im Auftrag des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung beim Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat in Bern (kurz: TA-SWISS). Unter Leitung von Prof. Lorenz M. Hilty (St. Gallen) war das IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (Berlin) an der Forschungsarbeit beteiligt. Der Berliner IZT-Projektleiter und Zukunftsforscher Siegfried Behrendt: "Die Durchdringung unseres Alltags mit 'schlauen' Gegenständen könnte unser Leben weitaus mehr verändern, als es das Internet bereits getan hat. Denn nahezu alle Gegenstände des Alltags kommen in Betracht, um sie mit Miniaturchips zu versehen und zu vernetzen. Jacken, Brillen, Kühlschränke, Autos und gar menschliche Körper selber könnten mit Mikroprozessoren bestückt werden."

Die sich heute abzeichnenden Möglichkeiten durch immer kleiner werdende Mikroprozessoren sind im Bereich der Pflege und der Medizin vielversprechend, so die Studie. Insbesondere chronisch kranke Menschen könnten dereinst von den Möglichkeiten der Fernüberwachung bis hin zum implantierbaren Chip profitieren. Aber auch in der Chirurgie wecken Eingriffsmöglichkeiten mit mikroskopisch kleinen Operationsrobotern oder elektronischen "Sinnesprothesen" für Gehörgeschädigte und Blinde große Hoffnungen. Wie sich allerdings die Belastung durch Signale des drahtlosen Datenaustausches – die nichtionisierenden Strahlen (NIS) – auf unsere Gesundheit auswirken wird, ist heute noch zu wenig bekannt, so die Autoren.

Mit dem Vordringen der "schlauen" Gegenstände in den Alltag wird die Anzahl der NIS-Quellen markant zunehmen. Zwar handelt es sich dabei um schwache Strahlungsdosen, aber die Exposition wird häufig sehr nahe am menschlichen Körper und rund um die Uhr erfolgen. Deshalb bestünde großer Bedarf für die weitere Erforschung der gesundheitlichen Auswirkungen nichtionisierender Strahlung.

Die immer kleiner und leichter werdenden elektronischen Bestandteile der Computer versprechen Einsparungen beim Materialverbrauch. Dies sei aus ökologischer Sicht begrüßenswert. Unter dem Strich könnte aber dieser Einsparungseffekt kompensiert oder gar überkompensiert werden, durch die riesige Zahl der mit Elektronik durchsetzten Gegenstände. Diese Entwicklung sei heute noch schwer absehbar. Die Fachleute sprechen dabei von einem Rebound-Effekt. Die Verkleinerung und Einbettung der Komponenten in andere Gegenstände wie z.B. Verpackungen würde zudem die ohnehin anstehende Entsorgungsproblematik für den zukünftig anfallenden Elektronikschrott weiter zuspitzen. Ein Rebound-Effekt könnte sich ebenso beim Energieverbrauch anbahnen. Zwar sei absehbar, dass elektronische Geräte, die ihren Energiebedarf auf die gegebenen Umstände optimal abstimmen, als Einzelne weniger Strom fressen als ihre weniger smarten Vorgängermodelle. Werden indes immer mehr Gegenstände drahtlos vernetzt, wird hierfür eine unterbrechungsfrei betriebene Netzwerk-Infrastruktur benötigt, deren Stromverbrauch zunimmt.

Die individualisierten digitalen Dienstleistungen durch elektronische Gegenstände sind nach Ansicht der Studienautoren in ihren Wirkungen zweischneidig. Den einen werden sie einen Gewinn an Sicherheit und Lebensqualität bieten, bei anderen hingegen die Befürchtung vor Überwachung und digitaler Bevormundung wecken. Die TA-SWISS-Studie zeigt, dass wir in der zukünftigen Informationsgesellschaft noch verwundbarer sein werden. Absehbarer Handlungsbedarf bestehe beispielsweise beim Haftpflichtrecht und beim Datenschutz. Dieser Trend zur Computerisierung des Alltags wird die Zusammenhänge zwischen einer Handlung und deren Folgen mehr und mehr verschleiern. Auch sollte dafür gesorgt werden, dass sich die Menschen der totalen Vernetzung nach Bedarf entziehen können. Die TA-SWISS-Studie enthält eine Reihe von weiteren Empfehlungen für Politik, Forschung, Ausbildung sowie private und öffentliche Unternehmen. Durch Anwendung des Vorsorgeprinzips kann die Entwicklung hin zum "alles durchdringenden Computer" in Bahnen gelenkt werden, welche die zahlreichen positiven Möglichkeiten erst voll zum Tragen kommen lassen.

Von der Studie sind zwei Versionen erschienen: 14-seitige, allgemeinverständlich formulierte Kurzfassung TA 46A/2003 "Unser Alltag im Netz der schlauen Gegenstände" (Bern 2003) und eine 351-seitige Langfassung TA 46/2003 "Das Vorsorgeprinzip in der Informationsgesellschaft. Auswirkungen des Pervasive Computing auf Gesundheit und Umwelt" (Bern 2003). Beide Fassungen sollen unter http://www.izt.de(öffnet im neuen Fenster) kostenlos verfügbar sein.


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