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Athlon64 offiziell verfügbar - 64-Bit-PCs für alle

Zwei Desktop- und zwei Notebook-Prozessoren vorgestellt. Wie angekündigt, feierte am 23. September 2003 AMDs erster 64-Bit-Prozessor für die breite Masse sein Debüt. Dabei kommt der Athlon64 zunächst in vier Varianten auf den Markt, zwei davon für Desktop-Systeme und zwei für Notebooks. Darunter auch der laut AMD derzeit leistungsfähigste Desktop-Prozessor – der Athlon64 FX-51, den Intel ab November 2003 mit dem Pentium 4 HT Extreme Edition 3,2 GHz kontern will.
/ Jens Ihlenfeld
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Während der Athlon64 FX-51 mit 2,2 GHz getaktet ist, sind es beim Athlon64 3200+ 2 GHz. Auffällig am Top-Modell Athlon64 FX 51 ist nicht nur, dass dessen Aufbau einem abgespeckten Opteron zu entsprechen scheint und dass – anders als beim Athlon64 FX 3200+ – das Quanti-Speed-Rating durch eine neue, leider bisher nicht besonders verständlich erklärte Klassifizierung zum Einsatz kommt. Die eher für rechenstarke als für lange durchhaltende Notebooks gedachten Athlon64-Modelle 3200+ (2 GHz) und 3000+ (1,8 GHz) unterscheiden sich hauptsächlich durch die integrierte PowerNow-Stromspartechnik und eine etwas andere Chipverpackung von den Desktop-Modellen.

Neben seiner x86-kompatiblen 64-Bit-Architektur verfügt der Athlon64 aber über einige weitere Neuerungen gegenüber dem Athlon XP, die Athlon64-Systemen zu einer höheren Leistung verhelfen sollen. Im Vergleich zum Athlon XP mit 54,3 Millionen Transitoren verfügt der Athlon64 mit 105,9 Millionen über fast die doppelte Zahl an Transistoren, was vor allem auf den verdoppelten Level-2-Cache des neuen Prozessors zurückzuführen ist.

Auch wenn AMD durch den 64-Bit-Kern einen Leistungsschub verspricht, ist 64 Bit nicht prinzipiell schneller. Auch die Tatsache, dass viele Operationen, die von 64 Bit profitieren, bereits durch Befehlserweiterungen wie 3DNow! und SSE begünstigt werden, lässt den Vorsprung der 64-Bit-Architektur schrumpfen. Dennoch macht 64 Bit Sinn, erhöht sich doch der adressierbare Speicherbereich erheblich, was auch im Desktop-Bereich schon heute von Vorteil ist, auch ohne dass die 32-Bit-Grenze von maximal 4 GByte Hauptspeicher im herkömmlichen Desktop-PC erreicht ist.

Doch der Athlon64 hat weit mehr zu bieten als nur die neuen 64-Bit-Fähigkeiten: Die neuen Prozessoren verfügen neben der erstmals eingeführten Unterstützung für Intels SSE2-Befehlssatz über einen integrierten DDR-SDRAM-Speichercontroller, der leistungsraubende Flaschenhälse im System umgehen und so für mehr Leistung insbesondere bei speicherintensiven Anwendungen sorgen soll. Dabei kann der Athlon64 3200+ über ein 64-Bit-Interface auf ungepufferte DDR200-, DDR266-, DDR333- und DDR400-DIMMs mit bis zu 3,2 GByte pro Sekunde zugreifen. Bei den mobilen Athlon64-Prozessoren wird maximal DDR333-Speicher unterstützt.

Der Athlon64 FX-51 hingegen verfügt über eine 128-Bit-Speicherschnittstelle (2 x 64 Bit), welche Datentransferraten von bis zu 6,4 GByte pro Sekunde erlaubt, aber Registered DIMMs voraussetzt. Diese sind mit hohen Taktfrequenzen derzeit kaum zu bekommen und sie kosten auch mehr als ungepufferte Speicher. Außerdem braucht der Athlon FX, der im Gegensatz zum Athlon64 über doppelt so viele interne Register verfügt, Mainboards mit dem Prozessor-Sockel 940 des Opteron anstelle des Sockel 754 vom "normalen" Athlon64. Wie die übrigen Athlon64-Prozessoren und Opterons der 100er-Serie verfügt auch der Athlon64 FX-51 nur über einen HyperTransport-Link.

Bei allen Athlon64-Prozessoren gleich ist der System-Link auf Basis von Hyper-Transport, welcher mit 800 MHz getaktet Datentransferraten von 6,4 GByte pro Sekunde zwischen Prozessor und Chipsatz in beide Richtungen erlaubt. Auch die Ausstattung mit integriertem Cache ist die gleiche: Beide Chips verfügen über insgesamt 1.152 KByte Cache, davon entfallen 64 KByte auf einen Level-1-Befehls-Cache, 64 KByte auf einen Level-1-Daten-Cache sowie 1.024 KByte auf einen Level-2-Cache. Der Athlon XP verfügt im Vergleich dazu nur über einen Level-2-Cache mit 512 KByte.

Bei allen Vorteilen der Architektur kämpft der Athlon64 zum Start mit einem großen Manko: einer noch nicht ausreichenden Unterstützung an 64-Bit-Software. Zwar läuft auch herkömmliche 32-Bit-Software auf dem Athlon64 und auch die SSE2-Instruktion des Prozessors kann in Multimeda-Anwendungen und -Spielen Geschwindigkeitsvorteile mit sich bringen, seine Stärken kann er allerdings erst mit entsprechender 64-Bit-Software und vor allem einem 64-Bit-Betriebssystem ausspielen. Zwar soll mit SuSE Linux 8.3 noch im September ein erstes 64-Bit-Betriebssystem speziell für Athlon64 erscheinen, darüber hinaus wird es aber dünn. Microsoft wird sein Windows XP Professional für AMD64 in Kürze Entwicklern zur Verfügung stellen, aber mehr als eine Beta-Version ohne ausreichende Treiber-Unterstützung gibt es bisher noch nicht. Im Server-Bereich will Microsoft mit Erscheinen des Windows Server 2003 Service Pack 1, das noch für 2003 geplant ist, AMDs 64-Bit-Chips direkt unterstützen. Auch Red Hat hat noch keinen Termin für den Verkaufsstart seines Red Hat Enterprise Linux AS 3.0 mit Unterstützung für AMDs 64-Bit-Plattform genannt. An Spielen ist bis jetzt nur eine 64-Bit-Version von Unreal Tournament 2003 angekündigt worden, die laut Epic voraussichtlich als Update für die normale 32-Bit-Version des Windows-Spiels kommen wird, sofern die Ankündigung von Ende 2002 noch Gültigkeit hat.

Nach AMDs Planung wird der Athlon64 den Athlon XP im Mainstream-Bereich ablösen und dort mit dem Pentium-4-Nachfolger mit Codename Prescott konkurrieren, während der Athlon64 FX das obere Ende der Leistungsskala im Desktop-Bereich besetzen soll. Hier hat Intel kürzlich mit dem Pentium 4 HT Extreme Edition angekündigt, der AMDs Goliath dank eines 2-MByte-Level-3-Caches zum David zurechtstutzen soll. Der Athlon XP soll unterdessen im "Value-Bereich" weiter verkauft werden und dort den Duron ersetzen, entsprechende Preissenkungen sollen in Kürze folgen. Für das erste Halbjahr 2004 plant AMD dann unter dem Codenamen "SanDiego" einen Athlon64 im 90-Nanometer-Herstellungsprozess. Auch der Opteron (Codename "Athens") und der mobile Athlon64 (Codename "Odessa") sollen noch vor der Jahresmitte 2004 in einer 90-Nanometer-Variante erscheinen.

Der Athlon64 3200+ kostet zum Start bei Abnahme von 1.000 Stück 417,- US-Dollar, der Athlon64 FX-51 ist mit 733,- US-Dollar hingegen deutlich teurer – allerdings nicht so teuer, wie der bei rund 850,- US-Dollar vermutete Konkurrent Pentium 4 HT EE, der aber dafür mit ungepuffertem, günstigerem DDR-SDRAM auskommt. Die Desktop-Replacement-Modelle für Notebooks schlagen mit 278,- US-Dollar für den 3000+ und mit 417,- US-Dollar für den 3200+ zu Buche. Während der "kleinere" der beiden Athlon64-Chips für Desktop-PCs in Deutschland bereits von einigen Händlern zu Preisen von teilweise unter 500,- Euro als verfügbar gelistet wird, sucht man die FX-Variante noch vergebens. Vobis kündigt bereits ein erstes Komplettsystem mit Athlon64 3200+ für 1.299,- Euro an.


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