Microsoft - Kaum Argumente gegen Linux und OSS
So moderierte Franz Neumeier, Chefredakteur des Computermagazins PC Professional, eine Podiumsdiskussion zum Thema "Wert und Nutzen unterschiedlicher Software-Welten – eine Podiumsdiskussion zur Microsoft Plattform im Vergleich zu Open Source Produkten". Dabei lag für Neumeier die Notwendigkeit für eine sachliche Diskussion klar auf der Hand. Nachdem, so Neumeier, beispielsweise Müncher Politiker auf "platte Parolen hereingefallen sind" und sich für den Einsatz von Linux und freier Software entscheiden haben, sei es an der Zeit, eine weniger polemische Diskussion zu führen.
Die Problematik einer möglichen Abhängigkeit, in die sich Unternehmen, die auf Microsofts Technologien setzten, möglicherweise begeben, stand im Zentrum der Diskussionsrunde, die mit Vertretern von Microsoft sowie Partnern und Kunden des Unternehmens sowie Vertretern von Marktforschungsunternehmen wenig ausgeglichen besetzt war. Wolfgang Ebermann, Direktor Mittelstand & Partner bei Microsoft Deutschland, stellte dabei klar, dass man keinen Kunden zwinge, sich für Microsoft zu entscheiden.
Für Joachim Wetzel, Systemadministrator der Stadtverwaltung Rees(öffnet im neuen Fenster) , ist Microsofts Lösung einfach praktikabler, die Administration optimal. Die Frage nach einer Alternative stelle sich daher nicht, schließlich wolle er auch etwas Freizeit haben und kein "Jugend-forscht-Klima". Aus seiner Sicht ist eine Entscheidung von Verwaltungen für Open Source nur dann tragbar, wenn diese mit einer deutlichen Aufstockung des Personals einhergeht.
Darüber hinaus stellte das Podium die Innovationskraft der Linux-Entwickler in Frage. So sei Linux zwar recht schnell, wenn es darum gehe, neue Standards zu implementieren, die Entwicklung neuer Standards gehe aber von Unternehmen aus, so Frank Fischer, Consultant bei Microsoft. Für Moderator Neumeier stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage: "Ist Linux abhängig von Standards des Monopolisten und somit nur scheinunabhängig?"
Darüber hinaus spielte der Punkt der Kosten für Microsoft eine entscheidende Rolle, so dass diesem Thema ein eigener Vortrag unter dem Titel "Kostenvorteile durch den Einsatz von Linux/OSS – Mythos oder Realität? Eine kritische Analyse und Gegenüberstellung in Szenarien und Fakten" gewidmet wurde. Microsofts eigenem Anspruch einer differenzierten Betrachtung vor dem Hintergrund, dass ein pauschales Urteil zur Kostensituation mit Linux/OSS den unterschiedlichen Anforderungen der Unternehmenspraxis nicht gerecht wird, konnte Microsoft dabei nicht halten.
So zitierte Alfons Stärk, Chief Technical Sales Engineer bei Microsoft Deutschland, lediglich eine im Auftrag von Microsoft durchgeführte IDC-Studie zum Thema " Windows 2000 vs Linux für Unternehmensanwendungen(öffnet im neuen Fenster) ", die Windows in den vier von fünf Bereichen geringere "Total Cost of Ownership (TCO)" bescheinigt als Linux.
Daneben stellte Mario Wendt von der Infora GmbH eine von seinem Unternehmen durchgeführte " Studie zur Migration von Windows NT 4.0 auf aktuelle Windows-Versionen bzw. Linux(öffnet im neuen Fenster) vor. Darin vergleicht Infora die anfallenden Migrationskosten, um von bestehender, durch Windows NT 4.0 dominierter Infrastruktur auf eine reine Windows- bzw. Linux-Lösung sowohl auf Server- als auch auf Client-Seite umzustellen. Dabei fällt das Ergebnis einer Kosten-/Nutzenanalyse zwar eindeutig für Windows aus, doch Wendt räumt ein, dass ein solcher Vergleich kaum eine praktische Relevanz besitzt, vielmehr sei hier nach den konkreten Ausgangsbedingungen, Anforderungen und Zielen von Unternehmen und Verwaltungen zu differenzieren. Anhaltspunkte dafür gab Wendt indes nicht.
Insgesamt tat sich Microsoft dabei schwer, den eigenen Kunden und Partnern konkrete und stichhaltige Argumente an die Hand zu geben, die zu einer Entscheidung für Microsofts Lösungen führen, sofern sich Linux und andere Open-Source-Software als Alternative anbietet. Vor diesem Hintergrund kann auch Peter O'Neil, Analyst bei der META Group, kaum überraschen. Er sieht mittel- bis langfristig zwei ernst zu nehmende Plattformen, Windows und Linux. Letzteres werde dabei kurzfristig vor allem Suns Solaris aus den Rechenzentren verdrängen, mittelfristig aber auch andere Unix-Derivate wie IBMs AIX.
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