Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Interview: Schwarzenberg - Konkurrenz für Splinter Cell?

Gespräch mit Bernd Beyreuther von Radon Labs. Mit "Schwarzenberg" arbeiten die Berliner Entwickler von Radon Labs derzeit an einem Stealth-Action-Adventure, das in die Fußstapfen von erfolgreichen Titeln wie "Splinter Cell" und "Medal of Honor" treten soll. Golem.de befragte Bernd Beyreuther über das Spiel, die schwierige Suche nach einem Publisher und den Stand der deutschen Entwicklerszene.
/ Thorsten Wiesner
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Man schreibt das Jahr 1945, der Zweite Weltkrieg nähert sich langsam dem Ende. Rund um das Städtchen Schwarzenberg tragen sich allerdings seltsame Dinge zu, die Alliierten sperren das Areal weitläufig ab, warten aber noch mit der Besetzung des Ortes. Gerüchte über mögliche geheime Waffenexperimente der Nazis und große Schätze machen die Runde.

Der Spieler versucht – in der Rolle eines Wissenschaftlers -, Klarheit in das Dunkel zu bringen, und dringt dabei immer tiefer in eine düstere und mysteriöse Geschichte ein.

Golem.de: Wie seid ihr eigentlich auf die Idee gekommen, das kleine Städtchen Schwarzenberg und die mysteriösen Geschehnisse rund um die Stadt als Grundlage für ein Spiel zu benutzen?

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Beyreuther: Die Gründer von Radon Labs stammen aus diesem Städtchen. Die Geschichten aus der Zeit nach dem Krieg waren uns schon als Kindern bekannt, als wir in den verfallenen Schächten und Tunneln jener Zeit (verbotenermaßen) rumkletterten. Damals gab es jedoch nur wenig mehr als Geschichten von den Großvätern und jede Menge Gerüchte. Nach der Wende war der Zugang zu Informationen dann einfacher. Schon damals war klar, dass wir daraus ein Spiel machen möchten. Jetzt erst ist die Technik so weit, dass wir es angehen.

Golem.de: Kannst du eventuell kurz die Hintergrundgeschichte des Spieles skizzieren?

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Beyreuther: Das Gebiet um Schwarzenberg – ein kleines Städtchen dicht an der tschechischen Grenze inmitten des dunklen und unzugänglichen Erzgebirges – blieb am Ende des Zweiten Weltkrieges unbesetzt. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines amerikanischen Wissenschaftlers, der ein Einsatzteam begleitet, welches Berichten über deutsche Geheimwaffen nachgehen soll.

Golem.de: In welchem Verhältnis werden sich beim fertigen Spiel reale Ereignisse und Fiktion gegenüberstehen?

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Beyreuther: Alle bekannten historischen Fakten und Daten werden korrekt wiedergegeben. Das geht so weit, dass die Stadt Schwarzenberg historisch korrekt nachgebaut wird. Wer die Stadt kennt, wird das anhand der ersten Bilder bestätigen können. Die Geschichte selbst ist natürlich reine Fiktion – allerdings Fiktion, die aus Wahrheit, Gerüchten und Wahrscheinlichem zusammengesetzt ist.

Golem.de: Für ein aus Deutschland stammendes Entwicklerteam ist es ja eher ungewöhnlich, ein Spiel zu entwickeln, das Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges und des Nazi-Regimes thematisiert, viele würden sich da wahrscheinlich gar nicht rantrauen. Motiviert euch das zusätzlich, oder spielen derartige Erwägungen für euch überhaupt keine Rolle?

Beyreuther: Dass Schwarzenberg ein "Nazi-Thema" ist, ist für uns eher ein Nebeneffekt. Die Geschichte war da – und spielte eben in dieser Zeit. Das Ganze ist auch als Trilogie geplant, deren zweiter Teil in den Fünfzigern spielt. Allerdings muss man im Zusammenhang mit dem Dritten Reich viele Fragen mit einer gewissen Ernsthaftigkeit angehen, besonders als deutsches Team. Unser Schwarzenberg ist ganz bewusst kein "Nazi-Spiel". Es spielt ja auch kurz vor und kurz nach dem Ende des Krieges. Schon durch die Autoren wurden bestimmte Thematiken – wie das Zeigen von Fahnen etc. – mit großer Sorgfalt und Ernsthaftigkeit angegangen.

Golem.de: Kannst du eventuell etwas mehr zum eigentlichen Gameplay verraten? Wie groß wird der Rätsel-, wie groß der Action-Anteil werden?

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Beyreuther: Schwarzenberg kann am besten als Splinter Cell meets Medal of Honor beschrieben werden. Wir haben einen hohen Anteil an Stealth Action – kurze knackige Action-Passagen und eine kleine Prise Rätsel und Abenteuer.

Golem.de: Die Thematik des Spiels ist so ausgerichtet, dass ihr damit auch auf internationalem Parkett – etwa in den USA – auf großes Interesse stoßen könntet. Wie wichtig ist es euch, ein Spiel zu machen, das nicht nur in Deutschland funktioniert? Denkst du, dass viele deutsche Entwicklerteams den Fehler machen und ihre Spiele zu sehr an den Bedürfnissen des deutschen Marktes ausrichten?

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Beyreuther: Es ist nicht mehr möglich, ein Vollpreis-Spiel zu entwickeln, das nur auf dem deutschen Markt funktioniert. Internationale Ausrichtung und Ausrichtung auf alle großen Zielplattformen sind die Grundlage, um ein gutes Spiel zu entwickeln. Es ist nicht ursprünglich ein Fehler der deutschen Teams, nur für den deutschen Markt zu produzieren. Es gibt eine Menge Teams, die unter schwierigsten Bedingungen versuchen, international taugliche Titel herzustellen. Eine Unzahl von Hemmnissen steht dem jedoch entgegen: Die deutschen Spielefirmen sind in vielen Bereichen einfach nicht so weit entwickelt wie englische oder amerikanische, das wiederum führt zu geringem Interesse an deutschen Entwicklungen, die Budgets betragen ein Viertel der amerikanischen (oder weniger) – das Ergebnis sind Spiele, die international nicht konkurrenzfähig sind. Und damit beginnt der Teufelskreis von vorn. Der einzige Weg aus dieser Schleife sind entweder wirklich große internationale Hits, oder große internationale Publisher eröffnen Studios in Deutschland.

Golem.de: Ihr verwendet für Schwarzenberg eure eigene Nebula-Engine, deren Code ihr allen Interessierten seit einiger Zeit frei zur Verfügung stellt. Hat sich die Entscheidung, die Engine allen frei zugänglich zu machen, aus eurer Sicht bereits als Erfolg herausgestellt?

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Beyreuther: Ja. Die Entscheidung, Nebula als Open Source freizugeben, hat nicht nur zu einem sauberen, stabilen, bugfreien, schnellen, portablen Code geführt, es hat uns eine Menge Kontakte beschert und darüber hinaus eine Anzahl konkreter finanzieller Nebeneffekte generiert. Heute ist Nebula die deutsche Engine mit den meisten kommerziellen Titeln (über zehn) am deutschen Markt, ganz zu schweigen von den internationalen Anwendungen und der Benutzung in Wissenschaft und Forschung.

Golem.de: Ihr befindet euch derzeit in Verhandlungen mit mehreren Publishern. Ist es schwierig, diese von eurem aktuellen Projekt zu begeistern?

Beyreuther: Ja – es ist schwierig. An Begeisterung fehlt es nicht – aber aus oben genannten Gründen ist es schwierig, ein Stealth Action Game aus Deutschland an einen internationalen Publisher zu verkaufen. Das ist wie Eulen nach Athen tragen. Dazu kommt das allgemein schwierige wirtschaftliche Umfeld. Nicht nur in Deutschland sind die Publisher und unzählige Entwickler ins Straucheln oder gar in die Insolvenz geraten – weltweit konnten wir im letzten Jahr Ähnliches beobachten. Nur langsam ändert sich das.

Golem.de: Neben einer PC-Version soll Schwarzenberg auch für Konsolen erscheinen. Gilt das nur für die Xbox oder könnt ihr euch auch Umsetzungen für PlayStation 2 und Gamecube vorstellen?

Beyreuther: Momentan konzentrieren wir uns auf die PC-Version. Alle anderen Plattformen wären dann Portierungen und damit eine Entscheidung des Publishers.

Golem.de: Arbeitet ihr neben Schwarzenberg noch an anderen Projekten? Wenn ja, kannst du dazu schon etwas sagen?

Beyreuther: Selbstverständlich. Wir haben uns zum einen mit kleineren Projekten ein zweites Standbein aufgezogen, das uns erlaubt, die Vorbereitung und Entwicklung großer Projekte mit sehr viel Sorgfalt durchzuführen. Daneben sind wir dabei, ein zweites großes Projekt zu starten. Das ist alles noch sehr geheim, wir sind da leider vertraglich gebunden.

Update: Kaum hatten wir dieses Interview geführt, bekamen wir von Radon Labs auch schon die Nachricht, dass Schwarzenberg vorerst zurückgestellt ist – da der Markt für Stealth-Action-Spiele derzeit überfüllt sei und man weiterhin trotz positiven Feedbacks keinen Publishing-Vertrag für das Spiel ergattern konnte, wolle man sich fortan mehr dem anderen, im letzten Absatz des Interviews genannten Titel zuwenden. Nähere Informationen zu dem neuen Spiel gibt es allerdings vorerst weiterhin nicht. Die Entwicklung von Schwarzenberg wird jedoch nicht völlig eingestellt, sondern mit verringertem Aufwand fortgesetzt.


Relevante Themen