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Digitalkino in Europa in der Sackgasse?

Etwas anders stellt sich die Situation für Mike Christmann dar, Gesellschafter von Flying Eye, der geeignete Business-Modelle für das digitale Abspiel vermisst: "Das digitale Kino befindet sich gegenwärtig im Stillstand". Ganze neun Digitalprojektoren stehen in Europa zur Verfügung, einer davon im Berliner Zoo-Palast, subventioniert durch den amerikanischen Verleih Buena Vista und die UCI-Kinokette. Abgesehen davon, dass große amerikanische Blockbuster nur in Ausnahmefällen auf digitalen Trägern erscheinen, ist auch für Alternative Content kein rechtes Geschäftsmodell in Sicht. Allein von der Werbung verspricht sich Mike Christmann Rettung: "Ohne digitale Werbung ist Werbung tot." So können bereits 2.750 europäische Leinwände mit Werbung in einer so genannten Electronic-Cinema-Qualität bespielt werden, wofür mindere Projektoren ausreichen. Firmen wie die österreichische Cinecom, die in großem Stil Kinowerbung vermarkten, erreichen bereits fünfzig Prozent der Zuschauer mit digitaler Kinowerbung, die mittels ADSL-Leitungen in die Lichtspielhäuser übertragen wird. Für dreißig Sekunden Werbezeit werden rund sechzig Megabyte benötigt.

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Von einem Projekt ganz anderer Machart berichtete Tom Remlov, Produzent der norwegischen Produktionsfirma Dinamo Story. Nachdem sich der Start des digital produzierten und nachbearbeiteten Films "Play" mehrfach verzögert hatte und sich nicht leicht in den nationalen Startkalender eintakten ließ, entschieden sich die Produzenten, den Film einfach digital zu distribuieren. Norwegen ist in der glücklichen Situation, dass fast alle Kinos mit einem Videoprojektor ausgestattet sind, einzig DVD-Player waren nicht überall vorhanden. Fehlende Geräte wurden den Kinos kurzerhand gespendet.

Von anderer Größenordnung ist die "European Docu Zone" (EDZ), ein Zusammenschluss von 175 europäischen Kinos in acht Ländern, mit dem Ziel, Dokumentarfilme auf digitalem Weg ans Publikum zu bringen. Björn Koll von der Salzgeber und Co. Medien GmbH und Kees Ryninks, in der Dokumentarfilmabteilung des Dutch Film Fund tätig, erläuterten am Nachmittag das Business-Modell der 2004 startenden EDZ. Die Kinobetreiber mussten sich verpflichten, einen wöchentlichen Termin, eine Minimumgarantie von 100 Euro und ein zeitlich bemessenes Entgelt für die Projektorbenutzung zur Verfügung zu stellen. Dafür erhalten sie einen 50.000 Euro teuren DLP-Projektor samt Übertragungstechnologie. Innerhalb von fünf Jahren soll sich das System zu dreißig Prozent durch die Programme, zu zehn Prozent durch die Projektornutzung, zu je 25 Prozent durch das europäische MEDIA-Programm und über nationale und regionale Fördergelder refinanzieren. Zehn Prozent entfallen auf Sponsoren und private Investitionen.

Anschließend stellte Frank Hellmann von der Hamburger Post-Production-Firma Optical Art GmbH am Beispiel der zu weiten Teilen im Studio Babelsberg entstandenen Hollywood-Großproduktion "Around the World in 80 Days" den Workflow bei der Erstellung von Digital Dailies" vor. Damit die Produzenten und der Regisseur beim Dreh im fernen Thailand die Muster des Vortags begutachten konnten, wurde in einer logistischen Meisterleistung das Filmmaterial am frühen Abend per Flugkurier nach Babelsberg geschickt, dort entwickelt und ein Positiv-Muster erstellt. Im Anschluss entstand ein High-Definition-Kodierung im MPEG2-Format, das auf einer Festplatte per Flugkurier wieder nach Bangkok auf den Weg ging und auch in minderer Qualität über eine Daten-Standleitung dorthin versandt wurde. Die Vorteile solcher Digital Dailies gegenüber dem Versand von herkömmlichen Filmmustern auf Zelluloid liegen auf der Hand: eine schnellere Begutachtung der Arbeitsergebnisse und ihrer Qualität und der einfache Einsatz von digitalen Projektionssystemen selbst in den Konferenzzimmern von ausländischen Hotels. Wie Frank Hellmann versicherte, können auf diesem Weg auch Unregelmäßigkeiten, die häufig durch den Zoll im Ausland entstehen, umgangen werden.

Einigkeit herrschte beim Abschlusspodium darüber, dass, obwohl in der digitalen Entwicklung für das Kino derzeit ein Stillstand zu verzeichnen sei, man die zukünftigen Chancen nicht verschlafen dürfe. Mike Christman sprach davon, dass sich die Digitalisierung des Kinos eher als Evolution denn als Revolution zu vollziehen scheint.

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professor 09. Okt 2003

GENAU!!! Endlich mal einer der meine Meinung teilt: Es geht aber nicht nur um schlechte...

betamurx 01. Sep 2003

du bist nicht zufällig kinobetreiber? wenn ja dann würde ich dich gesetzlich verpflichten...

tz 30. Aug 2003

Wer braucht 5.1 Sound? Stereo reicht vollkommen. Den geringen (für viele wohl unhörbare...

Raiden 30. Aug 2003

mann, wenn es nach manchen Leuten geht hätten wir heute noch Schwarz/Weiß Fernsehen und...

Puzzie 29. Aug 2003

Womöglich ... irgendwann ... : Das klingt gut, und sollte so auch für die Kinos gelten...


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