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Bruce Perens warnt vor SCOs Linux-Lizenz

Bruce Perens: "Der wahre Feind sind Software-Patente". In seiner Rede auf der Linux-World in San Francisco hat der Open-Source-Aktivist Bruce Perens vor den rechtlichen Konsequenzen gewarnt, die sich für die Unternehmen ergeben, die auf SCOs Linux-Lizenz eingehen. Perens weist aber zudem eindrücklich darauf hin, dass SCO derzeit zwar der sichtbarste Feind für Open Source sei, die größere Gefahr für Open Source sieht Perens aber in Software-Patenten, wie sie jetzt auch in Europa vor der Verabschiedung stehen.
/ Jens Ihlenfeld
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Perens geht nicht davon aus, dass die Öffentlichkeit die von SCO zitierten Beweise für die Verstöße gegen SCOs Rechte durch Linux jemals zu Gesicht bekommen wird. So wie SCO die Beweise jetzt zurückhalte, sei zu erwarten, dass SCO vor Gericht darauf bestehen wird, die Beweise nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorzuführen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Gericht dem Ansinnen entspricht, hält er dabei für sehr hoch, schließlich würde sich anderenfalls im Fall einer Niederlage für SCO ein offensichtlicher Berufungsgrund ergeben, was Richter allgemein gern verhindern möchten.

Die einzige Chance, dass die Öffentlichkeit die Beweise zu Gesicht bekommt, sieht Perens in einem Urteil, das er aber für eher unwahrscheinlich hält. Er geht davon aus, dass SCO, sollten sich die Anzeichen einer Niederlage verdichten, den Fall außergerichtlich beilegen wird. Entsprechend fordert Perens IBM und Red Hat auf, in ihren Verfahren gegen SCO auf ein Urteil zu drängen.

Die Möglichkeiten SCO zu bestrafen, schätzt Perens eher gering ein, schließlich besitze SCO nichts von Wert. Dennoch wäre es ein schöner Abschluss der Geschichte der Unix Rechte, wenn diese am Ende an die Free Software Foundation übertragen werden würden, so Perens.

SCOs Linux-Lizenz bezeichnet Perens als offensichtlich absurd, widmet sich aber den rechtlichen Konsequenzen, die für Unternehmen entstehen können, die auf SCOs Forderungen eingingen. Nach Perens Auffassung würde jeder SCO-Lizenznehmer seinerseits gegen die GPL und somit gegen die Urheberrechte der Linux-Entwickler verstoßen. Daher müsse jeder, der auf SCOs Linux-Lizenz eingehe, damit rechnen, von den übrigen Linux-Entwicklern belangt zu werden. Er könnte also beispielsweise von IBM, Red Hat oder einem der Tausenden Linux-Entwickler und Unternehmen verklagt werden. "Natürlich wird niemand eine Lizenz für eine Software kaufen, die SCO gar nicht besitzt. Das Ganze ist also nur heiße Luft."

Eine ernsthafte Gefahr bringe das Verhalten von SCO aber mit sich. Es versperre den Blick auf die viel größeren Gefahren für Open Source wie etwa Software-Patente. Perens sieht Entwickler von Open-Source-Software durch Software-Patente willkürlicher Verfolgung ausgesetzt. Diesen fehlen in der Regel die Mittel, um sich gegen Anschuldigungen, auch wenn diese unbegründet sind, zur Wehr zu setzen. Letztendlich bleibe ihnen also nichts anderes übrig als die eigene Software an den angeblichen Patentinhaber zu übergeben und den Streit so außergerichtlich beizulegen.

Die Kosten für einen einzelnen Patentrechtsstreit liegen laut der "American Intellectual Property Law Association" bei rund zwei Millionen US-Dollar. Die kürzlich von Red Hat ins Leben gerufene Stiftung verfügt also nicht einmal über ausreichend Geld, um einen entsprechenden Fall zu finanzieren.

In diesem Zusammenhang verweist Perens auch auf die Befürworter der Einführung von Software-Patenten, zu denen unter anderem auch IBM zählt.

Perens fordert die Entwickler von Open Source auf, ihre Lizenzen so zu modifizieren, dass sie einen beiderseitigen Schutz vor Software-Patenten umfassen. Wird ein Open-Source-Entwickler wegen einer Patentverletzung verklagt, enden damit automatisch Lizenzen für alle vom Kläger verwendete Open-Source-Software. "Das Mindeste, was wir gegen Leute tun können, die uns wegen Software-Patenten angehen, ist sicherzustellen, dass diese nicht von unserer Software profitieren."


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