Neues Lara-Croft-Abenteuer für PlayStation 2 und PC. Lange war es still geworden um die Videospiel-Amazone Lara Croft; mit "Tomb Raider – The Angel of Darkness" feiert die wohl bekannteste weibliche Videospielheldin nun ihre Rückkehr auf PlayStation 2 und PC. Publisher Eidos hatte für das insgesamt sechste Abenteuer der Archäologin eine komplette Runderneuerung des Spiels versprochen – ist dabei aber leider auf halber Strecke hängen geblieben.
Die Hintergrundgeschichte von "The Angel of Darkness" ist deutlich düsterer als das, was man bisher aus den Tomb-Raider-Spielen kannte. Gleich zu Beginn wird Lara von ihrem ehemaligen Mentor Werner von Croy nach Paris gebeten. Er bittet sie um einen Gefallen – sie soll eine Reihe mysteriöser Bilder für ihn ausfindig machen. Viel mehr kann er dann allerdings nicht mehr dazu sagen, denn plötzlich ertönen Schüsse und von Croy fällt tot zu Boden. Zu allem Überfluss rückt wenig später auch schon die Polizei an, und Lara Croft findet sich plötzlich in der Rolle der Hauptverdächtigen wieder. Zeit also, Licht in eine verworrene Geschichte aus Ritualmorden und einer mysteriösen Verschwörung zu bringen.
Für die Aufklärung der ungewöhnlichen Umstände stehen Lara diesmal weitaus mehr Möglichkeiten zur Verfügung als bisher. Natürlich kann sie unliebsamen Gegnern auch weiterhin mit ihren Pistolen zu Leibe rücken, zusätzlich beherrscht sie aber nun ganz im Stile eines Sam Fischer zahlreiche Schleich-Aktionen: Lautlos robbt sie sich am Boden entlang, späht um Ecken oder nähert sich Feinden aus dem Hinterhalt. Dabei kommen ihr natürlich vor allem die neuen Nahkampftechniken zugute – per Tritt und Schlag lässt sich so manche Wache schnell ins Reich der Träume befördern.
Neben der Action stehen die typischen, nicht immer ganz logischen Rätsel im Vordergrund des Spiels, und natürlich müssen auch wieder zahlreiche Türen aufgebrochen und viele Objekte verschoben werden. Nette Auflockerung: Zwischenzeitlich steuert man nicht nur Lara, sondern schlüpft auch in die Rolle von Kurtis Trent, einem ebenfalls nicht gerade zimperlichen und Lara oftmals weiterhelfendem Charakter.
So weit, so gut – inhaltlich gibt es an "The Angel of Darkness" sicherlich wenig auszusetzen. Ganz anders sieht es da leider auf der technischen Seite aus. Bei der uns vorliegenden PlayStation-2-Fassung bereitet zunächst einmal die neue Analog-Steuerung viele Probleme. Oftmals ist es nicht wirklich möglich, zwischen Laufen und Rennen zu wählen, die richtige Ausrichtung von Lara gerät zudem zu einem absoluten Geduldsspiel – oft genug schafft man einen kniffligen Sprung nicht, weil Lara zuvor nicht haargenau richtig positioniert wurde. Hinzu kommen die häufigen Perspektivenwechsel, mit denen dann auch immer ein Richtungswechsel des Analog-Sticks verbunden ist. Verwirrung ist da programmiert, schon bald gewöhnt man sich daran, die Kamera mit dem rechten Analog-Stick beständig nachzujustieren, um nicht fortwährend den Überblick zu verlieren. Der an sich schon recht hohe Schwierigkeitsgrad wird durch diese Ungereimtheiten nochmals nach oben getrieben.
Hinzu kommen zahlreiche Bugs: Clipping-Fehler, ungenaue Kollisionsabfragen, Ungereimtheiten bei den Texturen und sogar Systemabstürze sind leider keine Ausnahme, sondern fast schon die Regel. Hinzu kommen Ladezeiten, die einem auf Grund ihrer Länge den Spielspaß doch deutlich verleiden können, und eine oftmals erschreckend niedrige KI der Gegner. Auch grafisch bietet "The Angel of Darkness" leider nicht die erhofften deutlichen Neuerungen, sondern orientiert sich stilistisch größtenteils an früheren Tomb-Raider-Spielen.
Tomb Raider: The Angel of Darkness ist seit Anfang Juli 2003 im Handel erhältlich. Neben der hier getesteten PlayStation-2-Version ist das Spiel auch für PC erhältlich. Die PC-Version lag uns allerdings leider nicht zum Test vor.
Fazit: Angesichts der sehr langen Entwicklungszeit verwundern die vielen Probleme des neuen Tomb-Raider-Spiels doch sehr – stellenweise hat man auf Grund der großen technischen Probleme das Gefühl, eine Beta-Version anstelle eines fertigen Spieles vor sich zu haben. Da können auch die sehr gute Hintergrundgeschichte und die neuen Bewegungsoptionen kaum etwas retten: "The Angel of Darkness" ist weit davon entfernt, ein begeisterndes oder gar Maßstäbe-setzendes Action-Adventure zu sein.