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Interview: Logitech über Microsoft, Joysticks und Ergonomie

Gespräch mit Katja Schleicher, PR & Marcom Manager Logitech. Nachdem Microsoft Anfang Juli 2003 den Ausstieg aus der Gaming-Hardware bekannt gab und Hans Stettmeier von Microsoft dies im Interview gegenüber Golem.de mit rückläufigen Umsätzen in diesem Segment begründete, fragte Golem.de bei Logitech an, ob dort ähnliche Pläne bestehen würden. Laut Katja Schleicher, PR & Marcom Manager Logitech, kann Logitech derartige Umsatzrückgänge allerdings nicht feststellen.
/ Thorsten Wiesner
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Golem.de: Microsoft hat sich aus der PC-Gaming-Peripherie zurückgezogen, da die Umsätze nach eigenen Angaben in diesem Segment stark rückläufig sind. Verzeichnet Logitech einen ähnlichen Rückgang bei den Absatzzahlen von Joysticks und Lenkrädern?

Schleicher: Nein, die sind im Generellen gleichbleibend. Natürlich gibt es immer wieder Schwankungen, insgesamt passiert da aber nicht so viel. Man muss natürlich ehrlich sagen, dass es sich hier um keinen Boom-Markt handelt – der eigentliche Hype spielt sich derzeit im Konsolenbereich ab, vor allem dank Online-Gaming etc. ist da weitaus mehr los. Trotzdem merkt man, dass zum Beispiel immer mehr Gelegenheitsspieler in den PC-Markt drängen, und die haben natürlich auch mal Lust, zum Beispiel einen Flugsimulator mit dazu passendem Joystick auszuprobieren.

Golem.de: Wenn es also keinen wahrnehmbaren Umsatzrückgang gibt – warum hat Microsoft die Sidewinder-Linie Ihrer Meinung nach dann eingestellt?

Schleicher: Microsoft ist ja hauptsächlich ein Software-Konzern, wir sind im Vergleich zu ihnen da ganz anders aufgestellt. Wir verkaufen eben hauptsächlich Peripherie, wenn ein Bereich stagniert, haben wir genügend andere, die das wieder auffangen.

Golem.de: Man muss also nicht davon ausgehen, dass auch Logitech demnächst keine Joysticks und Lenkräder mehr produziert?

Schleicher: Um Gottes willen, nein. Das ist und bleibt ein festes Standbein von Logitech.

Golem.de: Für die Sidewinder-Linie beschäftigte Microsoft eine eigene Entwicklungsabteilung und investierte sehr hohe Summen in Forschung & Entwicklung. Was denken Sie – arbeitet Logitech in dieser Hinsicht kostensparender?

Schleicher: Nein, ich denke nicht. Microsoft hat das prinzipiell sehr richtig gemacht und viel Geld für die Entwicklung ausgegeben. Wir haben ebenso wie Microsoft eigene Abteilungen im Bereich Forschung und Entwicklung. Anders geht es auch gar nicht – wir können uns das ebenfalls gar nicht leisten, da zu sparen. Gerade Kleinigkeiten, die allerdings oft viel Zeit für die Entwicklung benötigen, spielen hier eine große Rolle.

Golem.de: Microsoft will zukünftig noch stärker im Bereich Tastaturen und Mäuse aktiv werden, die Konkurrenz wird hier also noch zunehmen. Sind die jüngst erfolgten Preissenkungen von Logitech in diesem Bereich bereits erste Reaktionen auf den härteren Konkurrenzkampf?

Schleicher: Nein, es handelt sich hier um eine reine Sales-Entscheidung. Wir wollen die Lager leer räumen, da schon bald neue Produkte anstehen und wir den Platz brauchen.

Golem.de: Muss Logitech nicht dennoch befürchten, ohne weitere Preissenkungen Marktanteile an Microsoft oder neue Mitbewerber wie Creative zu verlieren?

Schleicher: Ich sehe das eher nicht so. Natürlich kann ich nur eine Prognose abgeben, aber ich weiß, was wir in naher Zukunft auf den Markt bringen – und meiner Meinung nach haben wir da wenig zu befürchten, weder hinsichtlich der Technologie noch in Bezug auf die Produktbreite. Wir reagieren nicht, wir agieren.

Golem.de: Hans Stettmeier sagte zu uns im Interview: "Im Bereich der Eingabegeräte – speziell Mäuse und Tastaturen – hat Microsoft maßgebende innovative Technologien wie z.B. das Scroll Wheel, beispielhafte Ergonomie, optische Technologie und Bluetooth-Geräte für den Desktop hervorgebracht." Das sieht Logitech wohl ein wenig anders, oder?

Schleicher: Dazu kann man einiges sagen. Zum Punkt Ergonomie: Es gibt in Deutschland weiterhin keine Richtlinien, was ergonomisch ist und was nicht, hier entscheidet letztendlich der Kunde, was ihm am besten gefällt. Und da bringt es wenig, wenn man als Erster auf dem Markt ist – am Ende zählt, was sich verkauft. Beispiel optische Mäuse: Wir waren zwar ein halbes Jahr später dran als Microsoft, gebracht hat ihnen das aber praktisch nichts, die Kunden haben trotzdem unsere Produkte gekauft. Das Thema Kabellosigkeit, in dem wir führend sind, wird von Microsoft hier auch nicht angesprochen. Und bei Bluetooth hat es Microsoft auch wenig gebracht, schneller auf dem Markt zu sein. Es gilt halt: Erster zu sein heißt nicht unbedingt auch, Sieger zu sein.


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