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Interview: Microsoft zum Sidewinder-Ausstieg

Gespräch mit Hans Stettmeier. Anfang Juli 2003 gab Microsoft überraschend den Ausstieg aus der PC-Spiele-Hardware bekannt – die Sidewinder-Linie wird eingestellt, zukünftig werden keine Joysticks, Pads und Lenkräder mehr von Microsoft produziert. Golem.de befragte Hans Stettmeier, Direktor Home Entertainment Division und Mitglied der Geschaftsführung bei Microsoft, zu den Gründen für die Aufgabe der bekannten Produktserie.
/ Thorsten Wiesner
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Golem.de: Herr Stettmeier, die Aufgabe der Sidewinder-Linie kam für die meisten sehr überraschend. Was sind die Gründe für Microsofts Ausstieg aus der PC-Spiele-Hardware?

Stettmeier: Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, da weltweit die Umsätze im PC-Gaming-Controller-Segment seit fast drei Jahren rückläufig sind. Und neben den klassischen Einsatzfeldern von Maus und Tastatur am Arbeitsplatz sehen wir insbesondere auch im Spielebereich ein großes Potenzial für Maus und Keyboard. Schließlich sind die meisten aktuellen PC-Games auf eine solche Bedienung ausgelegt.

Golem.de: Betrachten Sie die derzeit generell schwache Nachfrage nach Spiele-Hardware als konjunkturelles Problem, oder haben sich die Gewohnheiten der Spieler so geändert, dass sie heutzutage generell eher auf Lenkräder und Joysticks verzichten?

Stettmeier: Weltweit gesehen ist jede Hauptkategorie, was den gesamten Gaming-Input-Device-Markt betrifft, rückläufig. Somit sind auch Joysticks und Lenkräder davon betroffen. Sie verzeichnen einen Rückgang von ungefähr 20 Prozent innerhalb der letzten vier Jahre.

Golem.de: Die Sidewinder-Produkte genießen unter Spielern einen sehr guten Ruf – schmerzt es nicht ein wenig, wenn man sich aus einem Segment zurückzieht, in dem man zu den Marktführern zählt und nun das Feld Konkurrenten wie Logitech überlässt?

Stettmeier: Wir verlassen die Kategorie für spezielle Spiele-Controller, aber wir wissen aus Marktuntersuchungen, dass primär Maus und Keyboard als Spiele-Controller dienen. Diese Basis-Controller bieten wir natürlich weiterhin an.

Golem.de: Gab oder gibt es Pläne, die Sidewinder-Lizenz an andere Unternehmen zu verkaufen, die dann unter dem berühmten Namen weiterhin Spiele-Hardware fertigen könnten?

Stettmeier: Wir prüfen gerade, was zukünftig mit "SideWinder" passieren wird. Es ist noch zu früh, hier eine konkrete Antwort zu geben.

Golem.de: In ersten Stellungnahmen zum Sidewinder-Ausstieg hieß es, dass man die nun freigewordenen Mittel in neue Hardware-Bereiche investieren wolle. Heißt das, Microsoft wird die Produktpalette an Tastaturen und Mäusen ausweiten? Oder ist der Einstieg in andere Bereiche geplant?

Stettmeier: Im Bereich der Eingabegeräte – speziell Mäuse und Tastaturen – hat Microsoft maßgebende innovative Technologien wie z.B. das Scroll Wheel, beispielhafte Ergonomie, optische Technologie und Bluetooth-Geräte für den Desktop hervorgebracht. Microsoft wird weiterhin hohe Investitionen im Bereich Research und Development (Forschung & Entwicklung) machen, um fortschrittlichste Entwicklungen für den Desktop aufzusetzen und diese marktfähig zu machen.
Außerdem wird Microsoft in andere Kategorien investieren, die wichtig und bedeutsam für das Arbeiten am PC sind, wie z.B. Broadband Networking. Es ist jedoch noch zu früh, um über konkrete Produkte zu sprechen.


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