BKA-Studie zum Account-Missbrauch im Internet
Das Verfahren wurde von einem wissenschaftlichen Projekt begleitet, mit dem Tätertypologien in diesem kriminologisch noch weitgehend unerforschten Deliktsbereich herausgearbeitet werden sollten. Es konnten drei deutlich abgrenzbare Tätertypen identifiziert werden.
Die Anzahl der weiblichen Tatverdächtigen war danach erheblich kleiner als die der männlichen Tatverdächtigen. Das Verhältnis liegt bei 15,7 : 1 bei immerhin 599 betrachteten Fällen. Das liegt vermutlich auch daran, dass die Anzahl der Frauen mit Interessen im Computerbereich wesentlich geringer ist als die der Männer.
Diese 35 weiblichen Tatverdächtigen waren im Durchschnitt erheblich älter als die männlichen Tatverdächtigen. Waren die Männer im Mittel 22,2, so waren die Frauen bereits 34,7 Jahre alt. Die weiblichen Tatverdächtigen benutzten allerdings auch nur etwas mehr als die Hälfte der gehackten Accounts (hier durchschnittlich 6,8 für die weiblichen Tatverdächtigen) als die männlichen Tatverdächtigen (durchschnittlich 14,1). Die Motive der weiblichen Tatverdächtigen konzentrierten sich weitestgehend auf das "Ausprobieren" oder es wurden wirtschaftliche Gründe angegeben. Nur zwei Frauen (5 Prozent) wussten offenbar, dass sie eine strafbare Handlung begingen, bei den männlichen Tatverdächtigen waren es rund 32 Prozent.
Geschlechtsneutral gesehen waren die Täter ca. 23 Jahre alt. Die Altersgruppe der 16 bis 21-Jährigen war mit 65,8 Prozent am häufigsten vertreten. Auffallend ist nach den statistischen Auswertungen, dass insgesamt 72,2 Prozent der Tatverdächtigen während der Tatbegehung bei ihren Eltern lebten.
Bei der Schadenshöhe hatten die älteren Tatverdächtigen einen durchschnittlich höheren Schaden angerichtet. Bei der Untersuchung der Motivation der Täter stammen in 301 Fällen, bei denen als ein Motiv wirtschaftliche Gründe angeführt wurden, 251 aus der Gruppe der Tatverdächtigen unter 22 Jahren, nur 50 aus der Gruppe der Tatverdächtigen von über 22 Jahren. Das Ausprobieren scheint bei jüngeren Tätern ebenfalls weiter verbreitet zu sein. Von 192 Tatverdächtigen, die diese Motivation angaben, waren 151 Tatverdächtige (79,7 Prozent) unter 22, 39 (20,3 Prozent) waren über 22 Jahre alt.
Ein wesentliches Hauptmotiv waren "wirtschaftliche Gründe", was auch in den Kombinationen am häufigsten auftauchte. Demnach spielte "Bereicherung" die größte Rolle.
Der typische Täter ist demnach männlich, zwischen 16 und 21 Jahre alt, lebt noch bei seinen Eltern und gibt als Motiv eine Bereicherungsabsicht an oder will ausprobieren, ob es funktioniert. Auf Grund der Altersstruktur ist er eher Schüler oder Auszubildender. Er kommt mit dem Geld, das ihm zur Verfügung steht, eher mit Mühe oder nicht aus und hat eine mittlere bis gehobene Schulbildung (zwischen Real- und Oberschule). Seine Computerkenntnisse liegen im mittleren bis hohen Bereich und seine Computerkenntnisse hat er als Autodidakt erworben. Das Einzelgängerbild ist nicht, wie man vielleicht erwarten kann, zutreffend. Zwar beschäftigt sich der typische Täter oft in der Freizeit mit dem Computer, er trifft sich jedoch auch öfters in Cliquen oder beschäftigt sich oft mit Fernsehen, Videos und Musik. Er wurde schwerpunktmäßig über Chats oder alternativ durch Freunde oder Websites auf die Möglichkeit des Accountdiebstals aufmerksam. Die durchschnittlich verursachte Schadenshöhe liegt bei 388 Euro.
Der Bericht hebt hervor, dass es auf Täterseite eine unerwartet hohe Naivität hinsichtlich der Strafbarkeit und der Aufklärbarkeit der Handlungen gibt, auch bei denjenigen, die über gute Computerkenntnisse verfügen.
Diese Naivität ließe sich durch Aufklärungskampagnen im Rahmen von Präventionsmaßnahmen in sicheres Wissen verwandeln, raten die Autoren des BKA-Berichts. So könne auch vermittelt werden, dass der Account-Klau mit einem hohen Entdeckungsrisiko verbunden ist. Als Medien dafür werden Chats und Hacker-Sites vorgeschlagen, durch die die Tatverdächtigen auch die notwendigen Informationen für die Tat bezogen hatten.
Dort würden die Tatverdächtigen ihre schlechten Erfahrungen ("ich bin erwischt worden") oft veröffentlichen. Dies führe dazu, dass potenzielle Täter abgeschreckt werden.



