Fiktiver Seekrieg unter und über Wasser. In der Simulation Enigma: Rising Tide kann man als Kapitän das Kommando über zahlreiche fiktive Über- und Unterwasserfahrzeuge übernehmen und sich in mehreren Szenarien und Kampagnen Gefechte mit gegnerischen Schiffen liefern.
Das Spiel ist in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts angesiedelt und hat als Hintergrund einen Sieg Deutschlands im Ersten Weltkrieg. Danach wird Deutschland zur führenden Seemacht der Weltmeere und durch die USA sowie eine Allianz der restlichen Länder bekriegt. Das fiktive Geschehen wird in der Kampagne, die man auf einer der drei Seiten spielen kann, durch ausgedachte Zeitungsausschnitte und Funksprüche weiter gesponnen.
Die Auswahl der Schiffe umfasst neben Torpedobooten, Kreuzern und Zerstörern auch mehrere U-Boot-Typen. In der Kampagne arbeitet man sich zu den besseren Schiffstypen vor, während man in den Einzelszenarien frei wählen kann. Nach einer kurzen Darstellung der taktischen Situation steigt man in das Spiel ein.
Die unterschiedlichen Stationen wie Brücke, Radar/Sonar, Geschütze und Flakstände wählt man mittels einer Schiffsübersicht aus. Die bei manchen Schiffen vorhandenen Wasserbomben-Abwurfeinrichtungen kann man von der Brücke aus ferngesteuert abwerfen und dabei die Detonationstiefe einstellen.
Da man natürlich nicht überall gleichzeitig sein kann, übernimmt die virtuelle Mannschaft auf Wunsch die restlichen Gefechtsstände. Da automatische Zieleinrichtungen fehlen, ist das Ausrichten der Geschütze eher Glückssache, vor allem weil durch den Seegang das Ganze auch erheblich schwankt. Die Computerbesatzung hingegen landet Treffer auf Treffer, was den Schluss zulässt, dass man sich selbst besser um die Navigation und Taktik kümmert. Der wichtigste Arbeitsplatz des Skippers ist dann auch der Radarschirm, auf dem eigene und feindliche Schiffe und Flugzeuge zu sehen sind.
Kämpft man gegen Unterwassereinheiten, ist das Ausweichen von Torpedos sehr wichtig, vor allem wenn man mit einem Fächer beschossen wird. Glücklicherweise haben die Torpedos keinerlei Suchsensorik, so dass sie nur geradeaus schwimmen können und so leicht auszutricksen sind. Während ein einzelnes U-Boot noch recht leicht zu bekämpfen ist, kann man bei einem ganzen Rudel schon alleine wegen des begrenzten Vorrats an Wasserbomben froh sein, wenn man mit trockenen Füßen davonkommt.
Als U-Bootfahrer sollte man seine Möglichkeiten nutzen, sich möglichst nahe und unentdeckt lediglich auf Seerohr-Tiefe an den Gegner heranzutasten und nicht mit Torpedos zu geizen, da diese lediglich wie Pfeile in eine Richtung verschossen werden können.
Das Spiel erhebt nicht den Anspruch, eine akkurate Simulation zu sein, bei dem auch noch die Stellung der letzten Schraube geändert werden kann. Man kann vielmehr ohne dickes Handbuch sofort lossegeln. Eine witzige Möglichkeit der Spielsteuerung ist die Spracherkennungsfunktion, mit der man englische Befehle von der Brücke aus an seine Mannschaft geben kann. Alternativ lässt sich natürlich auch die Tastatur verwenden, aber wer weckt seinen Nachbar nicht einmal mitten in der Nacht mit dem lautstarken Kommando zum Nottauchmanöver "DIVE-DIVE-DIVE", weil man mal wieder übersehen hat, dass ein feindlicher Zerstörer mit voller Fahrt auf das eigene U-Boot zufährt. Die Spracherkennung erfolgt recht akkurat, wenn man erstmal die Aussprache richtig hinbekommt.
Die Grafik ist recht annehmbar gestaltet, wenngleich die Explosionen und Raucheffekte noch etwas mehr Details vertragen würden. Besonders gelungen ist die Animation der Meeresoberfläche, die sich so stark bewegen kann, dass der Gegner durchaus in einem Wellental verschwindet oder sich der Skipper schon mal seekrank vom Monitor abwenden muss.
Der Sound ist ebenfalls annehmbar, wenngleich kaum Meeres- und Windgeräusche zu hören sind, die noch wesentlich zur Atmosphäre beitragen würden. Auch kriegt man gar nichts von der Besatzung mit, die leider ganz und gar stumm bleibt.
Zurzeit ist das Spiel nur als Single-Player-Version spielbar, doch der Hersteller hat für den Winter 2003 eine Multiplayer-Erweiterung angekündigt, mit der dann Massenschlachten auf rauer See veranstaltet werden können. Auch selbst zu steuernde Flugzeuge sollen dann hinzukommen.
Fazit: Enigma: Rising Tide ist in mehrerlei Hinsicht ein interessantes Spiel: Zum einen gibt es nur sehr wenige aktuelle Marinesimulationen, die vom Gameplay her überzeugen, zum anderen ist die Sprachsteuerung nach einigem Üben eine stilvolle Ergänzung zur Tastatur. Der im ganzen genommen leider wenig abwechslungsreiche Spielverlauf wird spätestens mit dem Multiplayer-Patch hoffentlich eine Aufwertung bekommen.