Unabhängigkeits-Tag für die Xbox? Aufschwung für Xbox-Linux

Die mittlerweile vom nicht mit Free-X verbandelten Xbox Linux Projekt erfolgreich überprüfte Sicherheitslücke findet sich im Dashboard – der beim Xbox-Start geladenen Benutzeroberfläche. Normalerweise überprüft die Xbox bei zu ladenden Dateien einen intern gespeicherten SHA1-Hash-Wert, nur beim Dashboard hat Microsoft laut Free-X übersehen, dies auch bei Audio- (.WAV) als auch bei Schriftart-Dateien (.XTF) durchzuführen. Bringt man die Xbox nun dazu, entsprechend veränderte Daten zu laden, kann ein Puffer-Unterlauf erzeugt werden und danach – vom Sicherheitssystem der Xbox unbehelligt – beliebiger Code ausgeführt werden.
Mit einem im Netz veröffentlichten(öffnet im neuen Fenster) Beispielcode wurde dies auch schon demonstriert. Er soll mit bisher allen veröffentlichten Xbox- und Dashboard-Versionen laufen. Dabei müssen zwei Schrift-Dateien im Font- oder Hauptverzeichnis (je nach Dashboard-Version) umbenannt, durch die Dateien "ernie.xtf" und "bert.xtf" ersetzt werden und danach noch eine entsprechend präparierte "default.xbe"-Startdatei – eine Kopie von xbeboot – in das Hauptverzeichnis kopiert werden, um schließlich Linux damit installieren zu können.
Da das Dashboard seine Schriftarten gleich nach der Xbox-Startanimation lädt, soll dafür nicht einmal Nutzerinteraktion vonnöten sein. Während mittels der Sicherheitslücke nicht-autorisierter Code gestartet wird, soll nur ein Teil des Dashboard-Hintergrunds zu sehen sein.
Um den Beispielcode in die Xbox zu bekommen, gibt es derzeit nur zwei Möglichkeiten: Entweder man baut die Xbox-Festplatte aus, verliert seine Garantie und kopiert die Daten mittels PC auf diese. Oder man nutzt einen Fehler in den Spielen 007 oder MechAssault, um zuvor mittels Zubehör auf eine Speicherkarte gepackte Dateien auf die Xbox zu kopieren. Allerdings gibt es derzeit noch keine einfache Möglichkeit, Linux danach auch wieder von der Xbox zu entfernen und das Grundsystem wieder herzustellen.
Können im Moment nur Xbox-Linux-Fans von dieser Xbox-Lücke profitieren, so wird es nicht mehr lange dauern, dass durch Veränderung am Beispielcode auch andere unsignierte Programme ausführbar werden. Das bedeutet wohl nicht nur Hoffnung für nichtkommerzielle Software-Projekte, welche die Xbox etwa zum netzwerkfähigen DivX-Player wandeln, sondern leider auch für Raubkopierer. Genau diese wollte das Free-X-Team eigentlich draußen halten, als man – auch über ZDNet Australien – versuchte, in Gespräche mit Microsoft zu treten. Erst als kein Interesse seitens des Redmonder Softwareriesen sichtbar wurde, habe man sich entschlossen(öffnet im neuen Fenster) , die Sicherheitslücke publik zu machen – passend zum heutigen 4. Juli 2003, dem US-amerikanischen Unabhängigkeitstag.



