Spieletest: Enter The Matrix - Don't Believe The Hype
Spiel zum Film bricht alle Verkaufsrekorde. In kommerzieller Hinsicht ist Enter The Matrix, das parallel zum Kinofilm Matrix Reloaded erscheinende PC- und Videospiel, schon jetzt ein voller Erfolg: 4 Millionen vorbestellte Spiele weltweit, Verkaufsrekorde in diversen Ländern und Top-Platzierungen in fast allen Videospielcharts werden den Titel trotz der zweifellos hohen Lizenzgebühren wohl zum größten Geldbringer aller Zeiten für Infogrames/Atari machen. Allerdings sollte man von diesen Zahlen nicht auf die Qualität des Titels schließen, denn spielerisch ist Enter The Matrix in vielerlei Hinsicht eine ziemliche Enttäuschung geworden.
Dabei hatte man im Vorfeld immens viel versprochen: Mit Enter The Matrix sollte es erstmals gelingen, die Handlung von Spiel und Film komplett miteinander zu verbinden, ohne dass der Titel plump die Leinwandvorlage nacherzählt. Ansätze dazu sind auch vorhanden, nur lässt die Umsetzung leider sehr zu wünschen übrig.
Die Hauptrolle im Spiel wird wahlweise - man entscheidet sich gleich zu Beginn des Spiels - von Ghost oder Niobe übernommen, zwei Charaktere, die in der Filmvorlage nicht unbedingt Schlüsselpositionen besetzen. Die Hintergrundgeschichte greift dementsprechend auch das Schicksal dieser beiden Personen auf - in zahlreichen, mal mit den Originalschauspielern gefilmten, dann von der Game-Engine erzeugten Zwischensequenzen kann man miterleben, was die beiden erleben, wenn sie bestimmte Szenen im Film verlassen, die Handlung des Spiels findet also in etwa parallel zu der des Films statt. Die wirklichen Hauptdarsteller bekommt man hingegen nur selten und dann auch meist in Szenen zu sehen, die direkt aus dem Film entnommen wurden.
Zudem ist die Story des Spiels zu schwach, um für sich allein stehen zu können, letztendlich sind die Sequenzen nur Hilfsmittel, um die einzelnen, sehr ähnlichen Spiel-Missionen miteinander verbinden zu können. Die Ankündigung, dass man bestimmte Geheimnisse der Matrix erst durch das Spiel lüften würde, bleibt jedenfalls unerfüllt.
Spielerisch ist Enter The Matrix ein ziemlich gewöhnliches Action-Adventure mit der einen oder anderen guten Idee. Die meiste Zeit bekämpft man diverse Gegner (größtenteils Wachen und Polizisten, teilweise aber auch die berühmten Agenten und andere fiese Mutanten) und greift dabei entweder auf halbwegs ausgeklügelte Kampftechniken zurück oder aber malträtiert sie mit Kugeln aus Pistole, Maschinen- und Scharfschützengewehr oder mit Granaten.
Per Knopfdruck lässt sich der berühmte "Bullet-Time"-Effekt aktivieren, der optisch zwar nett anzusehen ist - einige der Martial-Arts-Sequenzen gewinnen durch die Zeitlupe enorm an visuellem Glanz - der spielerisch aber kaum benötigt wird: Geht man geschickt genug vor, lässt sich praktisch das ganze Spiel ohne diese Option lösen, was den Nutzen der Bullet-Time hier doch stark in Frage stellt.
In einigen Missionen ist man nicht zu Fuß unterwegs, sondern rast im Auto oder im Hovercraft durch die Level. Je nachdem, für welchen Charakter man sich entschieden hat, wird man hier unterschiedlich gefordert: Während man als Niobe die Steuerung der Fahrzeuge übernimmt, darf Ghost sich als Schütze versuchen und aus den Fahrzeugen die Gegner angreifen. Diese spielerischen Unterschiede sorgen dafür, dass Enter The Matrix zumindest einen gewissen Wiederspielwert hat, wenn man nach der (viel zu kurzen) Spielzeit schneller als erwartet die Endsequenz zu Gesicht bekommt.
Sowohl Ghost als auch Niobe verfügen prinzipiell nur über die normalen Bewegungsoptionen wie Laufen, Springen, Spähen und Klettern. Mit Hilfe der Spezialfähigkeiten ist es aber möglich, die Sprungweite deutlich zu erhöhen oder auch an Wänden hinaufzulaufen.
Inhaltlich warten die einzelnen Missionen zwar mit unterschiedlichen Aufgaben auf - mal muss ein Paket gefunden werden, dann sollen Rebellen befreit werden oder man muss ein Energie-Kraftwerk zerstören - spielerisch nehmen sich die Aufträge aber nicht allzu viel, einzig die Fahrzeuge bringen ein wenig Abwechslung in den recht tristen Action-Alltag.
Den Entwicklern von Shiny ist es zudem leider misslungen, wirklich Spannung aufzubauen: Kaum hat man eine Reihe von Gegnern ausgeschaltet und will zum entscheidenden Sprung ansetzen, blendet das Spiel eine Zwischensequenz ein und übernimmt diese Aktion automatisch. Die ständigen Zwischensequenzen - während derer meist automatisch gespeichert wird - nehmen so eine Menge Tempo und Spannung raus.
Enter The Matrix ist zwar für PC, Gamecube, Xbox und PlayStation 2 und somit für recht verschiedene Plattformen erhältlich, die Unterschiede zwischen den einzelnen Versionen sind aber auch auf den zweiten Blick kaum auszumachen. Denn nicht nur inhaltlich sind die Spiele praktisch identisch, auch die technischen Probleme haben alle vier Titel gemeinsam, vor allem die ständig in die Knie gehende Framerate zehrt an den Nerven des Spielers. Von den Konsolen-Varianten zieht sich die Xbox-Version hier noch am besten aus der Affäre, zudem sieht das Spiel auf der Xbox ein klein wenig besser aus als auf PlayStation 2 und Gamecube. Die Tatsache, dass die PC-Version auch mit aktueller Hardware oft ruckelt, spricht allerdings kaum für die Entwickler, zumal die Spiel-Engine kaum mehr als annehmbare Grafiken erzeugt.
Hinzu kommen noch einige unschöne Clipping-Fehler und eine von Zeit zu Zeit unbefriedigende Kollisionsabfrage. Dafür wurde die Steuerung auf die Konsolen-Pads recht gut angepasst, PC-Spieler werden sich dafür an die stellenweise - vor allem bei den Kampfszenen - nicht wirklich geeignete Maus-Tastatur-Steuerung wohl erst gewöhnen müssen.
Fazit: Es gab sicherlich schon schlechtere Spiele zum Film als Enter The Matrix. Bedenkt man allerdings, mit welchen Versprechungen dieses Spiel angekündigt wurde, gibt es eine ganze Reihe von guten Gründen, jetzt enttäuscht zu sein. Einerseits bietet das Gameplay nicht viel mehr als typische Prügel- und Schieß-Action, zumal der an sich ja optisch beeindruckende Bullet-Time-Effekt spielerisch kaum benötigt wird - hier hat das schon zwei Jahre alte Max Payne bereits gezeigt, wie man es besser macht.
Aber auch die zahlreichen Filmsequenzen sind nicht das, was man sich erhofft hatte: Was nützen Original-Schauspieler und -Drehorte, wenn die Story so dünn ist, dass sie nicht wirklich fesseln kann und sich zudem nur um Randschauplätze des Films dreht? Die zahlreichen technischen Bugs und die eher schwache Grafik-Qualität tragen zusätzlich dazu bei, dass Enter The Matrix ein rundum mittelmäßiges Spiel geworden ist, dass sich dank starker Lizenz besser verkauft als es verdient hätte.