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Spieletest: Silent Hill 3 - Survival-Horror in Vollendung

Spiel ab dem 23. Mai 2003 für PlayStation 2 verfügbar. Bereits zum dritten Mal schickt Konami PlayStation-Spieler mit gestähltem Nervenkostüm in die düstere und furchteinflößende Welt von Silent Hill. Der dritte Teil der Serie kann dabei nicht nur mit den gewohnt gruseligen Horror-Einlagen aufwarten, sondern bietet auch mit die beeindruckendste Grafik, die man je auf der PlayStation 2 zu sehen bekam.
/ Thorsten Wiesner
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Anstelle der männlichen Helden aus Teil 1 und 2 steht diesmal die junge, attraktive Teenagerin Heather im Mittelpunkt des Geschehens. Große Vorworte gibt es allerdings nicht - startet man das Spiel, findet man sich sofort auf einem düsteren, verlassenen Vergnügungspark wieder und muss sich mit ein paar recht ekligen Monstern herumschlagen - ohne dass man wirklich versteht, wieso es einen an diesen unwirtlichen Ort verschlagen hat. Kurz darauf läuft man dann auch noch die Schienen einer Achterbahn entlang und sieht plötzlich Lichter aus dem Dunkel auf sich zukommen - kaum hat das Spiel begonnen, scheint man schon den ersten virtuellen Tod zu sterben.

Die Aufklärung folgt aber, nachdem man die spielbare Intro-Sequenz absolviert hat, denn das Ganze war nur ein böser Albtraum, und Heather findet sich in einem gemütlichen und freundlichen Café wieder. Allzu lange hält die Ruhe aber nicht vor: Kurz nachdem sie vom Einkaufszentrum ihren Vater angerufen hat, wird Heather von einem mysteriösen älteren Mann angesprochen, der sich als Detektiv Douglas Cartland vorstellt und ihr etwas über die Umstände ihrer Geburt erzählen will.

Heather zeigt sich zunächst wenig interessiert, nachdem sie aber plötzlich feststellen muss, dass ihr Traum zur bitteren Realität wird und das Einkaufszentrum zu einem düsteren Ort voller aggressiver Kreaturen mutiert, bleibt ihr kaum etwas anderes übrig, als auf die seltsamen Personen zu hören, die ihr Hilfe anbieten wollen. Und schon bald muss sie erfahren, dass es da ein nicht ganz unwichtiges Geheimnis um ihr wahres Ich gibt.

Silent Hill 3 knüpft inhaltlich eher an das erste denn an das zweite Abenteuer der Reihe an. Abgesehen davon, dass diesmal wieder zahlreiche okkulte Story-Elemente die Geschichte dominieren, gibt es auch viele Anspielungen auf das erste Spiel. Wer den Titel damals auf der PlayStation erlebt hat, dürfte sich über die zahlreichen Hinweise und Verbindungen freuen. Aber auch, wer mit Silent Hill 3 erst in die Serie einsteigt, wird die komplexe Hintergrundgeschichte zu schätzen wissen. Zumal es den Entwicklern gelingt, durch viele Wendungen die Spannung bis zum überraschenden Ende aufrechtzuerhalten.

Hinsichtlich der Bedienung hat sich gegenüber Silent Hill 2 wenig getan: Gesteuert wird Heather per Analog-Stick, Angriffe erfolgen in einer Kombination aus Schulter- und Aktionstaste, und mit der Select-Taste gelangt man in das Menü, um dort die aktive Waffe auszuwählen, Objekte miteinander zu kombinieren oder die eigene Gesundheit mit aufgesammelten Erste-Hilfe-Kästen aufzupäppeln.

Das Waffen-Arsenal ist gewohnt abwechslungsreich und umfasst neben Stahlrohr und Messer auch die bewährte Pistole, eine Schrotflinte und ein Katana (jap. Schwert). Des Weiteren kann Heather unter anderem auf eine Taschenlampe und ein Radio, mit dem sich Gegner orten lassen, zurückgreifen. Zu Beginn ist das Inventar allerdings praktisch leer, erst mit der Zeit findet man nach und nach die einzelnen Objekte.

Nachdem sich Heather durch das mehrstöckige Einkaufszentrum gearbeitet hat, folgen noch eine Reihe weiterer, ähnlich dunkler und schaurig-schön gestalteter Areale. Unter anderem gilt es, auf einer Baustelle, im U-Bahn-Schacht, in einem Büro-Gebäude und einem - Silent-Hill-Fans wohlbekannten - Krankenhaus, das eigene Überleben zu sichern. Karten, die man allerdings in jedem Bereich erst finden muss, sorgen dafür, dass man in den teilweise doch sehr komplexen Arealen nicht den Überblick verliert.

Gespeichert werden kann nicht jederzeit, sondern nur in Räumen, in denen man ein leuchtendes, rotes Symbol entdeckt. Den Schwierigkeitsgrad treibt dies aber dennoch nur begrenzt in die Höhe, denn bereits zu Beginn des Spiels darf man sowohl beim Action- als auch beim Rätsel-Part zwischen drei verschiedenen Stufen wählen und das Spiel so den eigenen Fähigkeiten anpassen. Ebenfalls die Wahl hat man bei der Blutfarbe und den berühmt-berüchtigten grafischen Störeffekten. Wer auf sie verzichten will, kann sie einfach im Menü deaktivieren.

An makaberen und stellenweise fast schon widerwärtigen Szenen ist Silent Hill 3 beileibe nicht arm - mal hängen Überreste zerstückelter Monster an einem Haken aufgehängt, dann wieder darf man dabei zuschauen, wie ein kaum in Worte zu fassender Mutant genüsslich einen Menschenkörper verspeist.

Die Kunst von Silent Hill 3 liegt aber vor allem darin, derbe Schockmomente mit subtilen Horror-Effekten zu kombinieren - wenn man mit zittrigen Händen eine neue Tür öffnet oder sich auf Grund eines seltsamen Geräusches plötzlich ruckartig erschreckt umdreht, möchte man den japanischen Entwicklern fast anerkennend auf die Schulter klopfen für einen derart gelungenen Spannungsaufbau.

Ein fast noch größeres Lob gebührt allerdings der technischen Umsetzung - wenn man nicht wüsste, dass es sich bei Silent Hill 3 um ein PlayStation-2-Spiel handelt, würde man es an manchen Stellen wohl kaum für möglich halten, was für eine Grafikpracht hier auf den Bildschirm gezaubert wird. Die Texturen sind so detailliert wie wohl bei keinem anderem PS2-Spiel zuvor: Die komplett in Echtzeit berechneten Zwischensequenzen unterscheiden sich in ihrer grafischen Brillanz praktisch kaum noch von der eigentlichen Spielgrafik.

Ebenfalls eine Klasse für sich ist der abwechslungsreiche Soundtrack, der mit seinen zahlreichen dramatischen Momenten sein Übriges für die beklemmende Atmosphäre tut. Auch die englische Sprachausgabe - deutsch sind leider nur die Untertitel - sowie die Sound-Effekte begeistern.

Des Weiteren hat Konami alles dafür getan, dass der Titel über einen hohen Wiederspielwert verfügt - mehrere alternative Endsequenzen sorgen dafür, dass man Silent Hill 3 auch nach dem ersten Durchspielen wieder in die PS2 einlegen wird, um an bestimmten Stellen andere Entscheidungen zu treffen und so die Story in eine andere Richtung zu lenken.

Silent Hill 3 ist laut Konami ab dem 23. Mai 2003 für PlayStation 2 im Handel erhältlich. Eine Version für PC folgt voraussichtlich im Oktober 2003.

Fazit:
Es gab ja schon einige Spiele, bei denen man dachte, dass die Entwickler das Letzte aus der PlayStation 2 herausgeholt haben. Silent Hill 3 setzt dem Ganzen aber die Krone auf - was hier mit der nicht mehr ganz taufrischen Hardware realisiert wird, dürfte selbst bei Sony für ungläubiges Augenreiben sorgen. Doch auch spielerisch ist Silent Hill 3 ein nahezu perfekt designter Angriff auf das Nervenkostüm - andere Titel in diesem Segment werden es zukünftig sehr schwer haben, hier auch nur ansatzweise mithalten zu können.


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