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Spieletest: Zelda The Wind Waker - Genialer Videospieltraum

Titel für Nintendo GameCube ab dem 3. Mai erhältlich. Shigeru Myamoto hat in seinem Leben schon eine ganze Reihe fantastischer Spiele entworfen, die Super-Mario-Reihe oder das neuartige Strategiespiel Pikmin sind nur zwei aus einer langen Hit-Liste. Die Zelda-Serie stellt aber selbst für ihn immer noch etwas ganz Besonderes dar. Und mit The Wind Waker ist ihm und den Entwicklern von Nintendo einmal mehr ein absolutes Meisterstück gelungen.
/ Thorsten Wiesner
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Dabei erfindet The Wind Waker das Rad nicht unbedingt neu. Wer auf dem N64 "Zelda – Ocarina of Time" gespielt hat – für nicht wenige Zocker das beste Videospiel aller Zeiten – dürfte viele Elemente wiedererkennen. Zwar ist man nun nicht mehr mit einem Pferd unterwegs, sondern reist auf einem (sprechenden!) Schiff über das Meer zwischen verschiedenen Inseln hin und her. Und anstatt einer Flöte, mit der sich die Zeit verändern lässt, trägt man nun einen Taktstock zur Beeinflussung des Windes mit sich.

Das prinzipielle Gameplay ist aber dasselbe geblieben: Auf den verschiedenen Stationen der Reise von Hauptheld Link gerät man immer wieder in große, fantasievoll gestaltete Labyrinthe, wobei es sich mal um eine bedrohliche Höhlenwelt handelt, man in einem riesigen Wald gefangen ist oder das Innere eines Berges durchqueren muss. Dabei wartet am Ende immer ein Boss-Gegner, und auf dem Weg bis zu ihm müssen zahllose kleinere Kämpfe überstanden und viele Rätsel gelöst werden.

Grund für Links Reise ist diesmal die Entführung seiner kleinen Schwester – in einer der zahlreichen und wunderschön animierten Videosequenzen muss man mitansehen, wie die Kleine von einem riesigen Greifvogel entführt wird. Natürlich fackelt Link nicht lange, verabschiedet sich von seiner Oma und seinen Freunden und sticht mit der Hilfe einer Piraten-Braut – das eigene Schiff erhält man erst später – in See. Schon bald muss man dann erfahren, dass der aus früheren Zelda-Spielen bekannte Oberbösewicht Ganondorf mal wieder seine Finger im Spiel hat und man zunächst einmal in den Besitz einiger wertvoller göttlicher Artefakte gelangen muss, um die Familie wieder zusammenzuführen.

Links Bewegungsrepertoire ist in The Wind Waker angewachsen. Rennen und (automatisch) springen konnte er schon früher, nun beherrscht er aber auch in bester Splinter-Cell-Manier das Anpressen an Wände und den unauffälligen Blick um die Ecke. Das wichtigste Hilfsmittel ist und bleibt das Schwert, mit dem einfache Schläge, aber auch mächtige Sprung- und Wirbel-Attacken möglich sind. Im Spielverlauf bekommt man zudem unter anderem einen Greifhaken, mit dem man sich an bestimmten Objekten festhalten und dann über Abgründe hinwegschwingen kann, und ein großes Baum-Blatt, das Link bei einem Sprung über den Kopf halten kann, um so zu schweben und größere Entfernungen in der Luft zurückzulegen.

Ebenfalls hilfreich ist der Bumerang: Bis zu fünf Gegner oder Objekte können mit ihm gleichzeitig anvisiert und dann mit einem Wurf ausgeschaltet werden. Ein nicht ganz so wichtiges, dafür aber sehr amüsantes Item ist der so genannte Tingle-Receiver: Wer über einen Game Boy Advance verfügt, kann ihn mittels Link-Kabel an den zweiten Controller-Port des GameCube anschließen und in bestimmten Situationen das kleine grüne Männchen Tingle zur Hilfe rufen. Auf dem GBA-Screen wird dann eine Karte angezeigt, mit der sich bestimmte Schätze oder andere Informationen ausfindig machen lassen. Zur Lösung des Spieles ist der Tingle-Receiver nicht nötig, wer aber über einen GBA verfügt, sollte sich dieses witzige Feature nicht entgehen lassen.

Das Inventar fasst allerdings noch weitaus mehr Gegenstände – hier kann praktisch ohne Platzbegrenzung alles abgelegt werden, was man im Spielverlauf so findet, etwa Glücksamulette, Futter zum Herbeilocken von Tieren, eine Kamera, mit der sich Schnappschüsse machen lassen, ein Fernrohr, um auch entlegene Objekte zu betrachten oder Flaschen für Wasser und Zauber-Tränke. Trotz der komplexen Steuerungsmöglichkeiten ist man nie überfordert, die vielfältigen Optionen wurden vorbildlich auf das GameCube-Pad gelegt.

Eine zentrale Rolle spielt natürlich der angesprochene Taktstock, für dessen Einsatz man im Spielverlauf bestimmte Melodien erlernt. Mit dem nötigen Rhythmusgefühl lassen sich diese Melodien dann mit dem rechten Analog-Stick spielen, was unter anderem zur Beeinflussung des Windes genutzt werden kann – etwa, wenn er bei den Fahrten mit dem Schiff aus der "richtigen" Richtung kommen soll oder man ein klein wenig Rückenwind für einen weiten Sprung oder den Wurf einer Bombe benötigt.

Die Fahrten mit dem Schiff sind dabei einer der ganz wenigen Punkte im Spiel, die Anlass zu leichter Kritik geben, denn zum Teil ist man doch recht lange auf dem Wasser unterwegs. Wenn man sich die Zeit mit dem Heben von Schätzen oder Gesprächen mit intelligenten Fischen vertreibt, fällt das nur kaum ins Gewicht, will man aber möglichst schnell eine neue Insel am anderen Ende der Welt besuchen, nervt die minutenlange Fahrt doch ein wenig.

Was die Präsentation angeht, ist The Wind Waker märchenhaft schön geworden. Wer angesichts des ungewohnten Comic-Looks von den Screenshots wenig angetan ist sollte abwarten, bis er Link und Co. in Bewegung gesehen hat – die für die Optik verantwortliche Cel-Shading-Technologie ist in keinem anderen Spiel bisher so gut und konsequent eingesetzt worden wie hier. Die Illusion einer Fantasy-Welt ist nahezu perfekt gelungen, vor allem die Animationen und die grandiose Mimik von Link begeistern. Auch die Soundkulisse ist grandios, viele aus früheren Zelda-Spielen bekannte Melodien und Sounds wurden überarbeitet und kommen erneut zum Einsatz, aber auch viele komplett neue Geräusche und Musiken untermalen das Ganze stimmungsvoll. Auf eine Sprachausgabe muss man allerdings erneut verzichten.

Der Schwierigkeitsgrad steigt moderat an, bleibt aber immer sehr fair – nähert sich die eigene Energie dem Ende, kann man sich fast sicher sein, in irgendeinem Gebüsch oder einer Schatztruhe in der Nähe neue Lebensherzen oder andere Power-Ups zu finden. Für die Endgegner und das eine oder andere Rätsel braucht man zwar mitunter ein bisschen Zeit, trotzdem wird man nie an einer unlogischen Stelle hängen bleiben – immer befindet sich irgendwo in der Nähe ein Haken zum Entlanghangeln, eine Vase mit benötigten Hilfsmitteln oder eine andere Lösung des Rätsels. Braucht man dennoch sehr viel Zeit an einem bestimmten Ort, erhält man zum Teil aber auch ganz konkrete Tipps für des Rätsels Lösung. Das umfangreiche Kartensystem sorgt dafür, dass man trotz der immens großen Welten weder auf See noch in den Labyrinthen den Überblick verliert. Gespeichert werden kann jederzeit, allerdings findet man sich in den Labyrinthen nach dem eigenen Ableben immer wieder im Start-Raum wieder – da sämtliche neu erworbenen Gegenstände und Informationen aber erhalten bleiben, lässt sich das verschmerzen.

Noch ein Wort zum Spielumfang: Wer versucht, The Wind Waker so schnell wie möglich zu Ende zu bringen, dürfte in der Lage sein, die Endsequenz nach etwa zwanzig Stunden zu Gesicht bekommen. Wer sich aber auf alle Möglichkeiten des Titels einlässt, wird bedeutend länger brauchen – allein schon auf Grund der zahlreichen und meist sehr amüsanten Mini-Spiele. So gibt es unter anderem die Möglichkeit, Schiffe versenken zu spielen, sich lautlos an kleine Schweine heranzupirschen oder seine Fähigkeiten als Briefträger unter Beweis zu stellen.

Zelda: The Wind Waker soll ab dem 3. Mai 2003 im Handel erhältlich sein. Die ersten ausgelieferten Spiele werden dabei als limitierte Edition eine Bonus-Disc beinhalten, auf der sich zwei weitere Nintendo-GameCube-Spiele der Zelda-Serie befinden: der N64-Klassiker "The Legend of Zelda: Ocarina of Time" sowie das ursprünglich für das N64DD entwickelte und bisher unveröffentlichte "The Legend of Zelda: Ocarina of Time Master Quest". Zudem gibt es ebenfalls ab dem 3. Mai ein spezielles Zelda-Bundle , das neben The Wind Waker auch einen platin-farbenen GameCube enthält. Das Bundle soll 199,- Euro kosten.

Fazit:
Sämtliche Vorschusslorbeeren waren berechtigt, alle Kritik auf Grund der ungewohnten Optik unbegründet – The Wind Waker ist nicht einfach nur ein Spiel, sondern ein traumhaftes Gedicht, das von der ersten Minute an fesselt und bis zur Schlusssequenz perfekt durchkomponiert wirkt. Viel besser kann ein Videospiel kaum sein – Atmosphäre, Gameplay und Präsentation haben allesamt die Höchstnote verdient.


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