Spieletest: Strike Fighters Project One - Arcade-Flugspiel
60er- und 70er-Jahre-Jets im Luftkampf. In der 60er- und 70er-Jahre-Jet-Simulation Strike Fighters Project One kann man einmal mehr Luftschlachten und Bodenangriffe führen – diesmal in Veteranen-Flugzeugen wie der F-4 Phantom II, F-104 Starfighter, F-100 Super Sabre und der A-4 Skyhawk. Für die Umsetzung des Spiels zeichnete das Programmierteam verantwortlich, das schon Simulationen wie "European Air War" und "Longbow 2" entwickelte.
Das frühe Jetzeitalter war gekennzeichnet durch grobe und unpräzise Radarabtastungen und unzuverlässige und kaum als intelligent zu bezeichnende Luft-Luft-Raketen. Die Bordkanonen wurden, nachdem die Raketen und Bomben verschossen waren, noch recht häufig eingesetzt. Intelligente Bomben waren ein Fremdwort, vielmehr setzte man auf Masse statt Klasse und warf auch auf Grund der damaligen Taktik und der technischen Möglichkeiten lieber einen Bombenteppich auf ein Ziel oder setzte gar Napalm ein.
So stehen in dem Spiel auch nicht wie bei anderen Jet-Simulationen die Pre-Flight-Planung und komplizierte Abschuss- und andere Bediensequenzen im Mittelpunkt des Spielgeschehens, sondern vielmehr Dogfights und einige Bodenangriffsmöglichkeiten. Beim Radar kann man beispielsweise nur eine Boden- oder Luft-Einstellung vornehmen und die Reichweite festlegen.
Mit den infrarotgestützten Luft-Luft-Raketen muss man sich an die Gegner geradezu heranpirschen und aus kurzer Distanz direkt von hinten in ihre Triebwerke feuern, um die kruden Sensoren auch ein Ziel finden zu lassen. Die radargesteuerten Raketen treffen zwar besser, aber von Fire-und-Forget kann man realitätsgetreu keinesfalls sprechen.
Die Steuerung sollte auch Anfängern erlauben, schnell Erfolge zu erzielen, da man sich kaum Tastenkombinationen merken muss, um das Flugzeug zu bedienen. Darüber hinaus kann man mit drei einstellbaren Schwierigkeitsgraden definieren, wie realistisch das Spielgeschehen sein soll. Auf der einfachsten Stufe sind Munition und Treibstoff beispielsweise unbegrenzt verfügbar.
Dennoch ist das Spiel keinesfalls eine richtige Flugsimulation mit detaillierter Nachbildung der Flugmodelle der erwähnten Flugzeuge, sondern vielmehr auf Ebene einer gehobenen Arcade-Fliegerei anzusiedeln. Zwar werden die Höchstgeschwindigkeiten und Flughöhen der Vorbilder erreicht, doch beispielsweise sind Rollraten, Langsamflugeigenschaften, die Steigraten und die Geschwindigkeitsverluste durch Überziehen der Flugzeuge oder Einsätze von Klappen, Fahrwerk oder Speed Brakes sowie die ihnen zuzumutenden G-Kräfte einfach nur unrealistisch.
Zudem unterscheiden sich die eigentlich grundverschiedenen Flugzeuge Phantom und Starfighter praktisch überhaupt nicht in ihren wesentlichen Flugeigenschaften, vor allem bei hohen Fluggeschwindigkeiten gelingen Wende-Manöver mit dem Starfighter, die zwar traumhaft, aber schlichtweg nicht erreichbar waren. Dies sind leider auch Gründe, die dem Gelegenheitsspieler den Spielspaß rauben dürften, da auch die Joystick-Eingaben derart überbewertet werden, dass an ein genaues Zielen kaum zu denken ist.
Die künstliche Intelligenz der Gegner ist recht brauchbar, aber die Anwendung von bestimmten Taktiken und Rottenverhalten ist nicht wirklich erkennbar. So manches Ausweichmanöver in niedriger Höhe endet allerdings beim Gegner ungespitzt im Boden. Die Flak- und FlaRak-Einwirkung ist recht gefährlich geworden, vor allem Boden-Luft-Raketen muss man schon sehr geschickt ausweichen. Die Flak schießt überaus akkurat, wenngleich sich auch der Eindruck breit macht, als würden die Staffelkameraden weit weniger unter Feuer genommen als ausgerechnet das Flugzeug des menschlichen Spielers.
Das Spiel basiert zwar auf amerikanischem und russischem Kriegsgerät, dennoch wurde eine neutrale Kampagne rund um das "Ödland" kreiert und kein tatsächlicher Konflikt nachgebildet. Neben dieser Kampagne kann man auch einzelne Missionen spielen oder sich mittels Instant-Action direkt ins Kampfgeschehen hineinversetzen lassen. Eine weitere Spielart bietet die Möglichkeit, sich als Söldner zu verdingen. Je mehr Aufträge man zufrieden stellend ausführt, desto mehr Geld erhält man für die Ausrüstung seiner Flugzeuge und deren Bewaffnung. Ein detallierter Missions-Editor ist leider nicht vorhanden, sehr wohl aber ein Multiplayermodus, doch funktionierte dieser bei unserem Test nicht, was kein Sonderfall ist, wenn man sich diverse Supportforen(öffnet im neuen Fenster) einmal ansieht.
Die Grafik des Spiels ist auf der Höhe der Zeit, kann aber gegenüber so herausragenden Titeln wie IL-2 Sturmovik oder dem angekündigten Lock On, das sich ebenfalls mit Kampfjets beschäftigt, nicht bestehen. Die Grafikeffekte sind – bis auf die Explosionen – sehr gut gelungen, sogar die typische Rußschleppe der Phantoms wurde nachgebildet. Die Schadensdarstellung ist manchmal arg einfach – ein vollständig abbrechender Flügel mit gerader Bruchkante spricht hier deutliche Worte. Auch Bombentreffer und Krater sind nicht gerade besonders gut modelliert. Besonders der Bombenabwurf ist mit keinerlei Hilfestellungen verbunden, das heißt man "probiert", das Ziel zu treffen.
Der Sound wirkt recht realistisch und vermittelt durch das Triebwerksdröhnen und zahllose Funksprüche zumindest etwas Atmosphäre, was die Grafik leider kaum vermag. Die Maschinen selbst sind zwar detalliert sogar mit 3D-Cockpits ausgestattet und auch die Bodenziele selbst sind ansprechend dargestellt und animiert, doch ist die Landschaft, wie der Name schon sagt, schlichtweg Ödland oder Wüste.
Da das Spiel aber mit einer offenen System-Architektur ausgerüstet ist, wird die Fangemeinde wie auch schon bei European Air War in der Lage sein, Add-Ons und Mods zu erstellen, die für mehr Abwechslung, weitere Flugzeuge, Bodendetails und Ähnliches sorgen könnten. Ob auch mehr Realismus zu erzeugen ist, indem das Spiel modifiziert wird, ist aber ungewiss. Einige Projekte sind schon in Arbeit(öffnet im neuen Fenster) und zeigen erste Ergebnisse.
Das Spiel kostet ungefähr 40,- Euro und besitzt eine USK-Einstufung von 12 Jahren.
Fazit: Die hochgesteckten Erwartungen, die man an Strike Fighters Project One auf Grund des gewählten Programmiererteams und deren bisherigen Leistungen aufgebaut hatte, konnten leider nicht erfüllt werden. Es wirkt vielmehr so, als sei das Spiel schnell in den Markt hinein gedrückt und nicht ganz zu Ende entwickelt worden.
Das fällt besonders bei der praktisch fehlenden Landschaftsausstattung auf, die dringend erweitert werden sollte. Es ist angesichts der simulierten Flugzeuge sehr verwunderlich, dass keine Vietnam-Kampagne erstellt wurde. Viel wichtiger wäre allerdings eine Korrektur der Flugmodelle und eine realistischere Auswertung der Joystick-Eingaben.