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Waldbrandfrühwarnung per Digitalkamera

Probebetrieb erfolgreich. In Brandenburg wird ein kameragestütztes System zur Waldbrandwarnung in den Dauerbetrieb genommen. Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD) erinnerte im Amt für Forstwirtschaft Peitz (Spree-Neiße) zum Abschluss der dreieinhalbjährigen Erprobung der neuen Technik, die unter dem Namen Fire Watch weiter vermarktet werden soll, dass gerade Brandenburg als Gebiet mit höchster Waldbrandgefährdung von dieser neuen technischen Lösung profitieren kann.
/ Andreas Donath
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Brandenburg mit seiner Waldfläche von 1,1 Millionen Hektar ist bundesweit das Land mit der höchsten Waldbrandgefährdung. Ein Drittel aller Waldbrände Deutschlands werden hier gezählt. Auch durch die EU wurde Brandenburg als Gebiet mit hohem Waldbrandrisiko eingestuft. Hauptgründe für die hohe Zündbereitschaft der Brandenburger Wälder sind die klimatischen und natürlichen Bedingungen (leichte Sandböden sowie die geringen Niederschlagsmengen).

Die Landesforstverwaltung Brandenburg hat daher in den vergangenen Jahren die Entwicklung eines alternativen Waldbrandfrüherkennungssystems unterstützt. Es steht nun als kameragestütztes Waldbrandfrühwarnsystem "Fire-Watch" zur Verfügung. Das Amt für Forstwirtschaft Peitz beteiligte sich im Sommer 1997 bei dem von der EU geförderten Programm INTERREG II mit einem Projekt zur Verbesserung der Waldbrandabwehr. Technischer Partner wurde das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Hochauflösende Digitalkameras mit Spezialfilter, die ein Feuer an der Rauchwolke erkennen können, werden auf Funkmasten der Mobilfunkbetreiber, der Polizei oder auf sonstigen hohen Bauwerken wie Futtersilos oder Feuerwachtürmen installiert. Hierzu ist eine schwankungsarme Trägerkonstruktion zur Aufnahme des Kameramoduls notwendig. Die Kameras überwachen aus einer Höhe von 30 bis 65 Metern in einem Umkreis von zirka 10 Kilometern Höhe die Wälder. Die Bilder werden von einem am Turmfuß untergebrachten Computer ausgewertet, der die Aufnahmen mit einer weiterentwickelten Weltraum-Software analysiert und nach Rauchwolken absucht. Bei Rauchverdacht sendet der Computer automatisch über eine ISDN-Verbindung komprimierte Bilder mit Uhrzeit und Position an die Waldbrandzentrale im jeweiligen Amt für Forstwirtschaft. Dort entscheidet der Diensthabende über eine eventuell notwendige Alarmierung der Feuerwehr.

Die CCD-Sensoren sind in der Lage, mit Hilfe einer besonderen Bildauswertesoftware sehr schnell mehrere zeitgerasterte Aufnahmen eines Abschnitts der Horizontlinie miteinander zu vergleichen. So können optische Bewegungen, wie sie aufsteigender Rauch verursacht, erkannt werden.

In den Waldbrandzentralen sollen später bis zu 15 Kameras durch 3 bis 4 Mitarbeiter bedient werden. Somit soll die großflächige Überwachung eines Waldgebiets mit vergleichsweise geringem Personalaufwand gewährleistet weden.

Die Anlage arbeitete nach den Angaben der Projektteilnehmer stabil und ortete alle 16 im Beobachtungszeitraum aufgetretenen Brände in kurzer Zeit. Bei den mehrjährigen Versuchen wurde die Technik für Brandenburger Verhältnisse optimiert. Auf der Grundlage des vom DLR entwickelten Patents wird zukünftig über die Firma IQ-wireless der weitere Ausbau des Systems im Land weitergehen. Das Berliner Unternehmen hat mit der Markteinführung seines Produkts Fire-Watch weitere Verbesserungen vorgenommen, die die Verschleißfestigkeit und Witterungsunabhängigkeit zusätzlich erhöhen.

Die Kameratechnik wird vor allem auf Stahlgittermasten der Mobilfunkbetreiber zum Einsatz kommen, wodurch aufwendige Unterhaltungsmaßnahmen an den Feuerwachtürmen zukünftig entfallen. Das Gesamt-Überwachungssystem des Landes Brandenburg wird, analog zur Anzahl der Ämter für Forstwirtschaft, aus zehn Waldbrandzentralen bestehen. Dort werden bis Ende 2006 insgesamt bis zu 90 Kamerasysteme (Stückpreis 75.000 Euro) installiert.

Das Land Brandenburg unterhielt zum Schutz der Wälder bisher ein System von 133 Feuerwachtürmen, auf denen während der Frühjahrs- und Sommermonate Beobachter zur Waldbrandfrüherkennung eingesetzt werden. Der Wachdienst auf den bis zu 30 Jahre alten Türmen ist zudem körperlich anstrengend. Darüber hinaus besteht für einen Großteil der Türme ein Rekonstruktionsbedarf.


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