Integralis: 60 Prozent der Münchner WLANs ungeschützt
20 Prozent der Besitzer von WLANs hätten sich zudem nicht die Mühe gemacht, den Standard-Netzwerknamen, der beim Kauf des Access-Points voreingestellt ist, zu ändern. Damit wisse jeder Interessierte, dass dieses WLAN mit hoher Wahrscheinlichkeit "eine Spielwiese für Missbrauch" darstellt. Zu allem Überfluss haben einige Münchner Unternehmen – darunter ein Optiker, Buchhändler sowie Juwelier – den Funknetzwerknamen mit ihrem Unternehmensnamen gleichgesetzt, so dass jeder vorbeifahrende Hacker den gefundenen Access Point sofort zuordnen kann, rügt Integralis.
Zwölf Sicherheitsexperten des Ismaninger IT-Sicherheitsunternehmens Integralis hatten mit einer Minimalausrüstung in zwei Autos die Münchner Innenstadt und Umgebung nach Funknetzwerken durchkämmt, die Basisstationen aufgezeichnet und ihre Sicherheitseinstellungen evaluiert. Die Ausrüstung der Integralis-Mitarbeiter bei der Fahndung der Funknetze war ausgesprochen einfach: Sie nutzten Standardlaptops mit Funknetzwerkkarten und einer Freeware-Software, die sich jeder Surfer aus dem Internet herunterladen kann. Außerdem setzten sie Magnetfußantennen auf ihren Autos zur Reichweitenerhöhung und Satellitennavigation bei ihrem Einsatz ein.
Die Mitarbeiter von Integralis haben bei ihrer Fahndung – in Fachkreisen auch als "War-Driving" bezeichnet – lediglich ungesicherte Basisstationen aufgespürt und sind nicht in die Unternehmensnetze eingedrungen. Die Aktion dauerte insgesamt 4,5 Stunden. Dabei wurde die Münchner Innenstadt mit den Stadtteilen Schwabing, Bogenhausen, Altstadt sowie die Orte Unterschleißheim und Ismaning bei München untersucht. Integralis stieß dabei auf 356 Access Points, von denen 219 keine aktivierte Standard-Verschlüsselung hatten und 72 sogar noch die Default-SSIDs, also den Standard-Netzwerknamen des Herstellers, aufwiesen.
Integralis hatte eine vergleichbare Aktion anlässlich des internationalen Wardriving-Days im Herbst 2002 bereits im Kölner Raum durchgeführt und ist dort zu ganz ähnlichen Ergebnissen gelangt. Auch Ernst & Young IT-Security GmbH hat kürzlich eine Besorgnis erregende Studie ("WLAN – ein Paradies für Hacker?") veröffentlicht, die mangelndes Sicherheitsbewusstsein in deutschen Unternehmen mit WLAN-Anbindung zutage brachte.
"Wer geglaubt hat, dass in Bayern die Funknetzwerke anders ticken, hat sich getäuscht" , sagt Bernhard Bengler, technischer Leiter von Integralis in Ismaning. "Die Weltstadt mit Herz ist offen wie ein Scheunentor und unterscheidet sich diesbezüglich nicht vom Rest der Republik. Obwohl das Thema Sicherheit und WLANs mittlerweile sogar in Modezeitschriften diskutiert wird, können sich offensichtlich immer noch viele Menschen einfach nicht vorstellen, dass ein unsichtbares Funknetz gehackt werden kann. Dabei ist jeder geschickte Fünftklässler dazu in der Lage. Der Betreiber eines WLANs muss sich über diese Risiken im Klaren sein und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen. Ansonsten sollte man auf ein Funknetzwerk – so praktisch es auch sein mag – tunlichst verzichten" , mahnt Bernhard Bengler.
Integralis hat Niederlassungen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, USA sowie in der Schweiz, ist ein Tochterunternehmen der am Neuen Markt notierten Articon-Integralis AG und beschäftigt weltweit 330 Mitarbeiter.