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Bibliothek zum Selbstausleihen: 300.000 Funkchips in Büchern

Hauptbücherei Wien erfasst Bücherausleihe per Funk

Infineon hat im Rahmen seiner Strategie Agenda 5-to-1, mit der das Unternehmen in fünf Jahren zum führenden Lösungsanbieter unter den Halbleiterherstellern werden will, für die Nutzer der neuen multimedialen Hauptbücherei in Wien ein Selbstbedienungssystem entwickelt. 240.000 Bücher sowie 60.000 CDs und DVDs aus dem Bestand der Bücherei sind mit Funkchips zur Datenübertragung, so genannten RFID-Chips (Radio Frequency Identification), ausgestattet.

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Im neu eröffneten Bibliotheksgebäude können die Besucher ab sofort Bücher, CDs oder DVDs selbstständig und ohne lange Warteschlangen am Schalter ausleihen. Infineon hat die Umsetzung des Projektes gemeinsam mit dem Partner ekz, dem Bibliotheksausstatter aus Reutlingen und dem Schweizer Partner Bibliotheca Library Systems AG, einem weltweit tätigen, auf Bibliotheken spezialisierten Systemintegrator, realisiert.

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In Wien speichern die Funkchips Angaben wie Exemplarnummer, Autor, Bibliothekskennung, Standort in der Bibliothek, Systematikgruppe, letzter Entleiher, Ausleih-Status und die Information über Vollständigkeit bei Medienpaketen (bei mehrbändigen Büchern oder mehrteiligen CDs). Das Gesamtsystem der Wiener Hauptbücherei umfasst darüber hinaus 13 Lese- und Schreibeinheiten zur Verbuchung der ausgeliehenen und zurückgegebenen Medien.

Zur Ausleihe legt der Kunde die ausgewählten Bücher auf den Arbeitsplatz und gibt seinen Bibliotheksausweis in den Schlitz des Lesegeräts ein, ähnlich wie bei Geldautomaten. Über eine Funkverbindung mit dem in den Tisch integrierten System werden die Inhalte der RFID-Chips eingelesen und die Ausleihe verbucht. Außerdem kann der Leser über das Terminal seinen Kontostand prüfen und nachsehen, ob er noch ein Buch zurückgeben muss. Ab Ende 2003 soll es auch möglich sein, an einem solchen SB-Terminal die entliehenen Bücher ordnungsgemäß an die Bücherei zurückzugeben. Bei der Einführung eines solchen SB-Systems könnte besonders die Rückgabe entliehener Bücher von den offiziellen Öffnungszeiten losgelöst werden.

Der Vorteil der RFID-Technologie: Beim Entleih- und Rückgabevorgang werden mehrere Bücher zeitgleich erfasst. Bisher musste jedes Etikett im Innenbuchdeckel einzeln ausgelesen werden. Zeiteinsparungen ergeben sich auch bei der Aufnahme neu angekaufter Medien in den Bibliotheksbestand. Anstatt zweier Informationsträger, nämlich dem Barcode für die Verbuchung und dem elektromagnetischen Sicherungsstreifen für die Diebstahlssicherung, wird nur der Funkchip mit den Daten beschrieben. Je Arbeitsgang halbiert sich so der Zeitaufwand des Bibliothekspersonals.

Zudem sind RFID-Chips individuell gekennzeichnet und speichern weit mehr Informationen zum Objekt, als es mit Barcodes erreichbar wäre. Außerdem können RFID-Chips wieder beschrieben werden, wodurch Daten ausgetauscht oder automatisch aktualisiert werden können. Das funktioniert selbst dann, wenn der Chip nicht sichtbar ist. Die RFID-Chips von Infineon bieten außerdem Sicherheitsfunktionen und sollen dem Diebstahl wertvoller Bücher vorbeugen. Dies würde ähnlich dem Diebstahlschutz im Einzelhandel durch eine Schranke realisiert, die bei berührungslosem Kontakt mit dem RFID-Chip im Buch einen Signalton abgibt.

Das RFID-Verfahren erlaubt die schnelle und zuverlässige Identifizierung von Tausenden von Objekten, die verwaltet werden müssen bzw. deren Position mitverfolgt werden muss. Infineons "my-d"-Chip kann aber auch in Ausweise, Eintrittskarten und Waren sowie Verpackungen jeder Art integriert werden. Er hat bis zu 10 Kilobit verfügbaren Speicher, das entspricht etwa zwei DIN-A4-Seiten einfachem Text. Der Speicher selbst kann für verschiedene Anwender in mehrere Sektoren aufgeteilt werden, nur berechtigte Personen haben dann auf diese gesonderten Bereiche Schreib- oder Lesezugriff. Spezielle Verschlüsselungsverfahren sollen den unberechtigten Zugriff auf die gesicherten Daten verhindern.

Für die Anwendung in Bibliotheken liegt der my-d-Chip als RFID-Etikett vor und besteht aus vier Teilen: Chip und Antenne, die gemeinsam das so genannte Inlay bilden, sowie Ober- und Untermaterial der Etiketten, zumeist Papier oder Kunststoff. Das Etikett hat eine Größe von etwa 8 x 5 cm und wird neben dem Barcode auf das Buch aufgebracht. Für die Anbringung auf CDs und DVDs wurde ein spezielles CD-Etikett entwickelt, das 30 mm im Durchmesser misst und direkt auf dem Bild oder Tonträger aufgebracht wird.

Bibliotheca vertreibt das Bibliothekssystem weltweit. Neben Wien haben Bibliotheca und Infineon bereits Bibliotheken in der Schweiz, in Belgien und Deutschland ausgestattet. In Deutschland sollen weitere Bibliotheken in Stuttgart, Kronberg, Bonn, Bad Homburg und Mittweida noch in diesem Jahr folgen.



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