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Test: Blitzkrieg - würdiger Nachfolger von Sudden Strike

WK-II-Echtzeitstrategiespiel mit vielen neuen Ideen. Blitzkrieg ist der inoffizielle Nachfolger des beliebten Strategiespiels Sudden Strike von CDV, der diesmal von dem russischen Programmierteam der Firma Nival Interactive entwickelt wurde. Es spielt wieder in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und führt den Spieler zu zahlreichen Missionen und Kampagnen auf dem europäischen Kriegsschauplatz. Neben teils anderen Einheiten ist vor allem das Gameplay deutlich verändert worden.
/ Andreas Donath
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Im Gegensatz zu Sudden Strike, das die einzelnen Missionen innerhalb von Kampagnen praktisch nur aneinanderreihte, werden nun einige Einheiten und ihre wachsende Erfahrung von Mission zu Mission übernommen, sofern sie überleben. Darüber hinaus kann man Bonuseinheiten erlangen, wenn man besonders erfolgreich war. Upgrade-Möglichkeiten innerhalb von Einheiten der Kernarmee erlauben, passend zum Szenario geeignete Waffentypen einzutauschen.

Das Spiel besteht aus drei Kampagnen auf alliierter, russischer und deutscher Seite und ist rund um die historischen Ereignisse modelliert. Dazu gibt es Einzelmissionen, einen Multiplayermodus und sehr ausführliche Tutorials, die das Interface und die unumgänglichen Tastaturkurzbefehle von Blitzkrieg erklären sowie umfangreiche Informationen zu den eingesetzten Waffen und ihren Fähigkeiten.

Die Briefings sind deutlich ausführlicher und mit geschichtlichem Hintergrundmaterial aufgefüttert worden. Die jeweilige Kampagne muss nicht stringent durchgespielt werden, vielmehr ist es dem Einzelspieler überlassen, ob er nach durchstandener Mission gleich zum nächsten Kriegsschauplatz wechselt oder eine weitere, zufallsgenerierte Mission auf dem gleichen Schauplatz durchstehen und so vielleicht seine Einheiten-Erfahrungspunkte aufwerten will. Besondere Erfolge werden mit Auszeichnungen und Beförderungen belohnt.

Das Gameplay selbst ist gegenüber den Vorgängerspielen deutlich verbessert worden: Versorgungseinheiten und Reparaturtrupps gehen ihrer Arbeit weitestgehend autonom nach und kümmern sich um die Einheiten in ihrer Nähe. Die mechanisierten Einheiten und die Infanterie, die nun vorselektiert als Gruppe auftritt, weichen bei Angriffen des Gegners automatisch leicht zurück. Zudem kann man nun Schützengräben bauen und mit Einheiten bestücken. Die bisherigen Möglichkeiten, Panzersperren, Stacheldrahtverhaue und Minenfelder sowie Brücken zu errichten, bestehen weiterhin.

Die Luftstreitkräfte wurden um Erdkampfflugzeuge erweitert. Bomber, Jäger, Luftlandetruppen und Aufklärer stehen zusätzlich zur Verfügung, die Flughäfen sind allerdings verschwunden. Die Luftunterstützung ist nur bei guten Wetterverhältnissen möglich und bietet so durch das sich innerhalb von den Missionen mitunter ändernde Wetter strategische Vorteile, die man selbst und natürlich auch der Gegner zu seinem Vorteil nutzen kann.

Luftstreitkräfte sind immer nur periodisch verfügbar, so dass man nicht mehr mit Großeinsätzen einem ausgekundschafteten Gegner mit einem Schlag großen Schaden zufügen kann. Wenn feindliche Bomber oder Erdkampfflugzeuge in der Luft sind, kann man ihnen beispielsweise Jäger entgegenschicken, aber auch die Bomber und Flugzeuge mit Heckschützen wehren sich. Außer den Bombern und Aufklärern kreisen die Flugzeuge solange über dem zugewiesenen Bereich, bis ihnen der Sprit zur Neige geht und sie sämtliche sich bietenden Ziele angreifen.

Das Auskundschaften ist allerdings immer noch die zentrale Funktion im Spiel – gerade Infanterieeinheiten wie Scharfschützen können sehr weit ins Gelände blicken und erlauben so als vorgeschobener Beobachtungsposten die gezielte Bekämpfung durch Artillerie, die nun erstmals zwischen Sektorfeuer und Punktfeuer unterscheiden kann.

Dem kann man als Gegner nur entgegenwirken, indem man seine eigene Infanterie weit verteilt in den Raum stellt, um dem Gegner die allzu leichte Aufklärung zu Fuß zu erlauben. Der weiträumige Einsatz von Flakgeschützen ist ebenfalls sinnvoll. Abgeschossene Flugzeuge stürzen nun nicht mehr schadensverursachend zu Boden, sondern explodieren in der Luft.

Die künstliche Intelligenz des Spiels ist hervorragend ausgeprägt – abgesehen vom wirklich leichten Einsteigermodus sind die weiteren Schwierigkeitsgrade nur mit häufiger Benutzung der jederzeit verfügbaren Speicheroption zu bestehen, wenn man nicht sehr viel Erfahrung mit Echtzeit-Strategiespielen hat.

Die Grafik ist gegenüber Sudden Strike deutlich verbessert worden – so werden nicht mehr vordefinierte Animationen, sondern echte gerenderte Einheiten dargestellt, die besonders realistisch modelliert wurden. Dabei wird beispielsweise nicht nur das Anlassen, Anfahren und Rückfedern von Panzern und anderen Fahrzeugen animiert dargestellt, sondern auch die Fahrspuren und die Bewegung im Gelände. Die Explosionen und Beschädigungen an Material, Gebäuden und der Landschaft sind deutlich detaillierter geworden, Blut kann man im Spiel zum Glück auch abschalten, das Geschrei der Verwundeten allerdings nicht. Der restliche Sound im Spiel ist allerdings sehr gut getroffen, sogar die Panzergeräusche sind endlich realistischer und typengerechter geworden, zumindest wenn man alte Tonaufnahmen als Maßstab nimmt.

Im Multiplayermodus, der auch per Gamespy nutzbar ist, kann man in drei Modi (Deathmatch, CTF, Sabotage) bis zu 16 Spieler gegeneinander antreten lassen. Dazu stehen umfangreiche Karten zur Verfügung, die mit dem Mission-Editor für komplette Missionen und Kampagnen auch um eigene Werke ergänzt werden können.

Darüber hinaus ist es im Ressource Editor möglich, sämtliche Einheiten zu modifizieren, neue Einheiten hinzuzufügen sowie deren Texturen und Geräuschkulissen zu ändern, was auch der Add-On-Hersteller INtex nutzen will, um das Spiel zu erweitern. Das Add-On soll Total Challenge heißen und neben neuen Missionen auch neue Einheiten und Tarnschemata beinhalten. Wann das Add-On erscheint, ist noch nicht klar.

Blitzkrieg läuft auf Windows 98/2000/ME/XP und erfordert Direct X8.1 oder besser und für ein vernünftiges Gameplay nach unseren Erfahrungen mindestens einen Rechner mit Pentium III 800 MHz oder vergleichbarem Prozessor und 128 MByte RAM. Das Spiel hat eine USK-16-Empfehlung und kostet zwischen 46,- und 53,- Euro.

Fazit:
Blitzkrieg ist ein würdiger – wenngleich nicht offzieller – "Nachfolger" der Sudden-Strike-Reihe und bietet Funktionen, die das WKII-Echtzeitspielgenre deutlich bereichern. Besonders die Weiterverwendbarkeit der Einheiten der Kernarmee, die Nachschubregelung und die hervorragende Grafik und Animation sowie die schlaue KI machen das Spiel zum Begleiter vieler aufregender Spielestunden für Sandkasten-Generäle.


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