Arbeitsamts-Chaos bei der Vergabe von Bildungsgutscheinen?
So formuliert ein IT-Dozent: "Wenn fünf Arbeitslose mit vergleichbaren Abschlüssen und Lebensläufen zu fünf Beratern im gleichen Arbeitsamt gehen, kommen sie mit fünf unterschiedlichen Antworten heraus" . In einigen Ämtern muss für den Erhalt eines Bildungsgutscheins sogar die Einstellungszusage vom künftigen Arbeitgeber vorliegen.
Für Rudolf Helfrich, Chef der Deutschen Angestellten Akademie (DAA), macht sich die entstehende Weiterbildungs-Misere schon jetzt an rückläufigen Teilnehmerzahlen bemerkbar: Zwischen November 2002 und Februar 2003 haben sich rund 52.000 Personen weniger an Schulungen beteiligt. Helfrichs Rechnung: "Wenn das so weitergeht, verabschieden wir im April 2004 den letzten Teilnehmer" .
Kritik wird auch an der 70-Prozent-Regel laut, die von den Bildungsinstituten fordert, dass 70 Prozent der Teilnehmer ein halbes Jahr nach Beenden des Kurses nicht mehr auf Staatskosten leben, also einen Job gefunden haben. Alexander Spermann vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung hält die Regel für "an der Realität vorbeikonzipiert" . Insbesondere bei Kursen in den neuen Bundesländern und bei Langzeitarbeitslosen sei schon eine Vermittlungsquote von 50 Prozent ein hervorragendes Ergebnis.
Dagegen kann Hans-Uwe Stern, zuständig für die Förderung der beruflichen Bildung bei der Bundesanstalt für Arbeit, die Aufregung um die neuen Bildungsgutscheine nicht verstehen. Er habe Gespräche mit Bildungsanbietern geführt, die die Einführung dieser Hürde begrüßten, weil damit im Bildungsmarkt endlich die Spreu vom Weizen getrennt werde, so die Computerwoche.



