Mozilla - alles wird anders

So soll Mozilla in Zukunft auf einer neuen Applikations-Architektur basieren, die auf der Gecko Runtime Environment (GRE) aufsetzt und von mehreren Prozessen geteilt wird. Dabei sollen Standard-Browser-Komponenten des XPFE-basierten (Mozilla Cross Platform Front End) Navigators durch den Stand-alone-Browser Phoenix ersetzt werden. Zudem soll ein eigenständiger Mail-Client entwickelt werden, was zwar bereits mit Minotaur begann, nun aber unter dem Codenamen Thunderbird, auf Basis des neuen XUL Toolkits, das auch Phoenix verwendet, fortgeführt werden.
Zunächst aber will man mit Mozilla 1.4 einen Milestone ausliefern, der den 1.0-Zweig ersetzt und all die Verbesserungen, die nach Mozilla 1.0 hinzugekommen sind, enthält. Mit den Versionen 1.5 und 1.6 planen die Entwickler dann größere Änderungen, wie den Umstieg auf Phoenix und Thunderbird.
Zudem will man sich kritischen Fehlern in der Gecko-Layout-Architektur widmen, um so eine Basis zu schaffen, die sich leichter pflegen lässt, mehr Performance bietet und leichter erweiterbar ist.
Die angekündigten Veränderungen sollen aber auch das eigentliche Entwicklungsmodell umfassen. Man will weg von einem "Besitzer-basierten" Modell mit einer Vielzahl von Hackern mit unlimitiertem CVS-Zugang hin zu einem für Open Source eher typischen Modell mit eigenständig geführten Modulen und klarer Delegation.
Ziel der Anstrengungen sei, Qualität der Quantität vorzuziehen, also weniger, aber dies besser zu machen. Man will weg von der Idee einer einzelnen großen, integrierten Applikation, hin zu kleineren Einzelapplikationen. Diese sollen allerdings auf XUL (XML-based User Interface Language) basieren, die mit Mozilla entstanden ist und quasi die "Plattform Mozilla" darstellt. Durch die geplante Desintegration erhofft man sich schneller zu ladende, kleinere Applikationen, die robuster sind und auch weniger Speicher benötigen.
So sei Phoenix einfach kleiner, schneller und besser – nicht weil er jede gewünschte Funktion unterstütze, sondern wegen seines guten Erweiterungsmechanismus. Und was gut für den Browser ist, sei auch gut für den Mail-Client, was zu Thunderbird führt.
Gecko stellt somit die gemeinsame Basis des "alten" XPFE-basierten Mozillas und des neuen Phoenix/Thunderbird-basierten Ansatzes dar. Auf dieser Runtime setzen dann die Toolkits, XPFE und auch das neue Mozilla-Toolkit auf der anderen Seite auf, wobei das neue Toolkit seinerseits eine gemeinsame Basis für Phoenix und Thunderbird darstellt. JavaScript-Debugger oder DOM-Inspektor werden schließlich als Erweiterungen realisiert, wobei Thunderbird allein wie auch als Erweiterung in Phoenix genutzt werden kann.
Die zeitlichen Planungen sehen derzeit vor, Mozilla 1.4 am 14. Mai 2003 zu veröffentlichen, wobei eine erste Mozilla 1.5 Alpha für den 25. Juni 2003, eine Beta für den 23. Juli 2003 und das Final Release für den 13. August 2003 geplant sind. Allerdings hängt man bereits dem Zeitplan leicht hinterher, der eine Mozilla 1.4 Beta für den 23. April 2003 vorsieht.